Barbara-Prammer-Symposium 2023

"Was wir einander schulden. Europäische Perspektiven für eine geschlechtergerechte Wohlfahrtspolitik“ zu diesem Thema fand unter großem Andrang das 9. Barbara-Prammer-Symposium statt. 300 Besucher*innen folgten der Einladung zur gemeinsamen Veranstaltung des SPÖ-Parlamentsklubs, der SPÖ-Bundesfrauen, des Karl-Renner-Instituts sowie der Foundation for European Progressive Studies (FEPS).

Rendi-Wagner: Krisen sind für Sozialdemokratie Auftrag, die Gesellschaft nach vorne zu bringen!

„Das Prammer-Symposium stellt eine der ganz großen Fragen, die uns noch lange beschäftigen wird, ins Zentrum der politischen Auseinandersetzungen – nämlich, was wir einander schulden, die Grundsatzfrage nach gerechten sozialen Verhältnissen“, betonte SPÖ-Vorsitzende, Klubobfrau Dr.in Pamela Rendi-Wagner bei der Eröffnung. In demokratischen Gesellschaften werden Verhältnisse als gerecht empfunden, wenn wir unsere gerechten Chancen bekommen, mitgestalten und mitentscheiden können. „Es geht um Respekt“, so Rendi-Wagner. Werde all das ignoriert, „wird Zug um Zug die Demokratie gefährdet. Diese grundsätzlichen demokratischen Voraussetzungen zu schaffen, zu erkämpfen und zu erhalten, war und ist stets die zentrale Aufgabe der Sozialdemokratie“. Zur Eröffnung des 9. Prammer-Symposiums: (YouTube-Link)

Eröffnungstalk mit Doris Bures, Eva-Maria Holzleitner und László Andor

Bild: Astrid Knie

Das 9. Barbara-Prammer-Symposium fand treffenderweise genau am Tag, nachdem das frisch sanierte historische Parlamentsgebäude zum ersten Mal zum ‚Tag der offenen Tür‘ einlud, statt. Es war Barbara Prammers letztes – bei weitem nicht das einzige – politisches Vermächtnis, ehe sie zu früh verstarb. Allen voran die Zweite Präsidentin des Nationalrats und Präsidentin des Karl-Renner-Instituts Doris Bures dankte Barbara Prammer auch dafür. „Ohne Barbara Prammer hätte es das neue Gebäude nicht gegeben. Wohl niemand anderem wäre es gelungen, einen Konsens über alle Parteigrenzen hinweg zu erzielen. Es ist ihr vieles zu verdanken, auch, dass uns unsere Demokratie ein neues Haus wert war“, führte Bures aus und schloss mit: „Es hätte ihr gefallen.“

Bild: Astrid Knie

SPÖ-Frauenvorsitzende Eva-Maria Holzleitner betonte, dass die Herausforderungen, der sich feministische Politik heute widmen müsste, längst neue seien – von der Gendermedizin bis hin zu den Problemen, die insbesondere Frauen im digitalen Raum treffen – und andere als vor 30 Jahren. Und dennoch, so Holzleitner, „begehen wir heuer wieder einen ‚Equal Pay Day‘, wieder einen ‚Equal Pension Day‘, müssen uns immer noch dem Kampf gegen Gewalt an Frauen widmen und haben immer noch keinen nationalen Frauenbericht zur Situation der Frauen in Österreich!“ Der Generalsekretär der FEPS László Andor betonte die Wichtigkeit von Geschlechtergerechtigkeit in Zeiten von Krisen. Die Veranstaltung trug den Titel „Was wir einander schulden. Europäische Perspektiven für eine geschlechtergerechte Wohlfahrtspolitik“. YouTube-Link zum Eröffnungstalk

Evelyn Regner: Umfassende To-Do-Liste im Bereich der Frauenpolitik

Evelyn Regner etwa ließ sich von „multiplen Krisen“ nicht weiter davon abhalten, die umfassende To-Do-Liste im Bereich der Frauenpolitik zu thematisieren, denn mit Geduld seien feministische Anliegen noch selten vorangetrieben worden. Exemplarisch zählte sie daher Bereiche auf, in denen es „noch viel zu viel zu tun gäbe“. Von einer geschlechtergerechten Wirtschaft, die auch mehr Frauen in Politik und Wirtschaftsgremien notwendig mache, über die flächendeckende Kinderbetreuung, die es brauche, um Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen, den immer noch notwendigen, weil auch mit den ersten beiden Themen zusammenhängenden Kampf gegen Frauenarmut, die Verteilungsfrage insgesamt. Insgesamt, so Regner, werde es nötig sein, den Begriff „Arbeit“ neu und breiter zu definieren. Es müsse die Zeit überwunden werden, in der man mit unbezahlter – und unterbezahlter – Arbeit eigentlich von Frauen verrichtete Arbeit meint. Es gehe daher um gleichen Lohn für gleiche, aber auch gleichwertige Arbeit, so die sozialdemokratische Vizepräsidentin des EU-Parlaments.
Keynote von Evelyn Regner. Es gilt das gesprochene Wort.
Zum Stream der Keynote (YouTube-Link)

Impulse und Keynotes

Minouche Shafik, Direktorin der London School of Economics und Autorin
„Was wir einander schulden? Ein Gesellschaftsvertrag für das 21. Jahrhundert“

Åsa Regnér, Deputy Executive Director for Policy, Programme, Civil Society and Intergovernmental Support UN Women, ehemalige schwedische Ministerin für Gleichstellung
Über die globalen Herausforderungen für Mädchen und Frauen

Stefanie Wöhl, Jean Monnet Chair „Diversität und soziale Kohäsion in der Europäischen Union“ (2019-2022), FH BFI Wien
YouTube-Link zum Vortrag
Präsentation: Gleichstellungspolitik in der EU 

Evelyn Regner, Vizepräsidentin Europäisches Parlament
To-Do-Liste der Frauenpolitik (YouTube-Link)

Workshops

Workshop I: Verteilungsgerechtigkeit und Vermögenssteuern
Miriam Baghdady, ÖGB
Selma Yildirim, SPÖ-Nationalratsabgeordnete

Workshop II: Modelle einer gerechten Arbeitsbewertung
Christine Mayrhuber, WIFO
Verena Nussbaum, SPÖ-Nationalratsabgeordnete und Mitglied im Sozialausschuss, stv. Geschäftsführerin der GPA Steiermark

Workshop III: Soziale Teilhabe auf dem Prüfstand
Martina Zandonella, SORA
Eva-Maria Holzleitner, SPÖ-Frauenvorsitzende und Vorsitzende des Gleichbehandlungsausschusses

Workshop IV: Towards a care-led recovery for the European Union? (engl.)
Laeticia Thissen, Policy Analyst for Gender Equality at the Foundation for European Progressive Studies (FEPS)
Sophie Achleitner, Arbeiterkammer

 

Die Veranstaltung  zum Nachsehen (YouTube-Stream)

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