Kein junger Mensch darf in der Krise zurückgelassen werden

Die oft sehr prekäre Lage von LGBTIQ-Jugendlichen stand im Zentrum einer gemeinsamen Pressekonferenz mit SPÖ-Jugendsprecherin Eva-Maria Holzleitner, SPÖ-Gleichbehandlungssprecher Mario Lindner sowie Johannes Wahala, Leiter der Beratungsstelle COURAGE und Sprecher des Dachverbandes der Österreichischen Familienberatungsstellen. „Der internationale Tag des Kindes sowie der Beginn des Regenbogenmonats Juni sind perfekter Anlass, darauf aufmerksam zu machen“, sagte Holzleitner. Lindner und Holzleiter forderten den massiven Ausbau der Beratungs- und Anlaufstellen für LGBTIQ-Jugendliche in ganz Österreich, die endgültige Abschaffung der Konversionstherapie und vollen Diskriminierungsschutz im Privatleben.

„Wir alle haben die Belastungen für Jugendliche in der Corona-Krise tagtäglich gesehen“, erklärte Holzleitner und verwies darauf, dass Depressionen, Panikattacken, Schlafstörungen, Autoaggression, Angstzustände und andere psychische Erkrankungen zugenommen haben. „Die stationären Kapazitäten in der Kinder- und Jugendpsychiatrie waren in den letzten Monaten dramatisch am Limit“, betonte Holzleitner.

Seit Beginn der Krise habe die SPÖ daher zahlreiche Anträge und Forderungen auf den Tisch gelegt: Ausbau von Therapie- und Betreuungsplätzen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie, kostenlose Therapieplätze, stärkere Unterstützung der außerschulischen Jugendarbeit, Ausbau des Beratungsangebots an Schulen, stärkere Unterstützung der Jugendarbeit. „Wir wollen einen inklusiven Jugendgipfel unter der Beteiligung von jungen Menschen, wo man sich mit der Aufarbeitung der Krise beschäftigt“, sagte Holzleitner.

Ein besonderer Fokus soll auch auf LBGTIQ-Jugendliche gelegt werden, die schon vor der Krise marginalisiert waren. Bis heute gibt es keine zentrale Förderung von LBGTIQ-Jugendarbeit sowie nur ein geringes Beratungsnetz. „Die SPÖ fordert einen eigenen Budgettopf für flächendeckende, qualitativ hochwertige LGBTIQ-Jugendarbeit. Jedes Bundesland braucht zumindest eine hauptamtliche Beratungsstelle“, forderte Holzleitner. Ein entsprechender Antrag wird morgen im Familienausschuss behandelt.

Lindner bemerkte: „Wir haben den queersten Nationalrat in der Geschichte Österreichs – zumindest wissentlich. Jetzt müssen wir – auf gut steirisch – als queere Abgeordnete endlich liefern. Das hat sich die Community verdient und das haben sich die LGBIQ-Menschen in ganz Österreich verdient.“

Auch Lindner betonte die vermehrte Belastung der queeren Jugendlichen während der Pandemie, vor allem, weil der Support durch Anlaufstellen weggebrochen ist. Zwar gebe es in Österreich fast keine qualifizierten Studien. Aber in Deutschland erleben mehr als die Hälfte der queeren Jugendlichen Diskriminierung in der Familie. Und in den USA haben im letzten Jahr 40 Prozent der LGBIQ-Jugendlichen ernsthaft über Suizid nachgedacht.

Als besonders belastend und menschenverachtend wird die „Umpolungstherapie“ angesehen. „Wir fordern endlich ein Verbot der Konversionstherapie, es braucht noch den gesetzlichen Schutz. Damit auch Private und Vereine nicht mehr solche Therapien durchführen dürfen“, betonte Lindner. „Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt sind keine Krankheit. Junge LGBTIQ-Jugendliche haben den vollen Schutz der Politik verdient“, sagte Lindner. Weiters wird von der SPÖ der volle Diskriminierungsschutz auch im Privatleben gefordert. „Vielfalt ist immer eine soziale Frage und die soziale Frage hat immer etwas mit Vielfalt zu tun. Daher wollen wir ordentliche Löhne, vernünftige Arbeitsbedingungen und Arbeitszeiten, Vermögenssteuern und Erbschaftssteuern. Denn wir wollen ein gutes Leben für alle“, so Lindner.

Wahala sprach davon, dass Jugendliche gerade durch die Corona-Krise massiv vulnerabel sind und es eine „ungeheuer starke Nachfrage nach professioneller Betreuung gibt“. Die Vulnerabilität bei LGBTIQ-Jugendlichen sei aber „von der Gesellschaft gemacht“ und nicht naturgegeben. „Regierung und Politik müssen sofort handeln, denn es geht um das Leben von Jugendlichen“, fordert Wahala mehr Therapieplätze für LGBTIQ-Jugendliche, queere Jugendzentren, das Aufgreifen und die wertfreie Behandlung des Themas in den Schulen, Diskriminierungsschutz im privaten Bereich für LGBTIQ-Jugendliche und ebenfalls vehement das Verbot von Konversionstherapien.