Systemwandel ist nicht ohne Machtverlust des Patriarchats zu erreichen

NRin Petra Bayr

Weltbevölkerungsbericht der Vereinten Nationen fokussiert auf körperliche und sexuelle Selbstbestimmung von Frauen.

„Weltweit brauchen Frauen und Mädchen besseren Zugang zu selbstwertstärkender sexueller Bildung, sicheren Verhütungsmitteln und legaler Abtreibung. Vergessen wir dabei aber nicht, die Männer zu bilden. Hier existieren weltweit große Wissenslücken, was Einvernehmlichkeit und Respekt bedeuten. Auch Eltern, ÄrztInnen, LehrerInnen, PolizistInnen und die Justiz müssen für die Bedeutung körperlicher Selbstbestimmung sensibilisiert werden“, fordert Petra Bayr, SPÖ-Bereichssprecherin für globale Entwicklung und Vorsitzende des Ausschusses für Gleichbehandlung und Antidiskriminierung der parlamentarischen Versammlung des Europarats.

Daten aus 57 Ländern zeigen, dass nur rund die Hälfte der Mädchen und Frauen selbstbestimmt entscheiden kann, ob und wann sie mit wem Sex haben, wie sie verhüten und ob sie verhindern können, durch eine ungewollte Schwangerschaft hindurchgezwungen zu werden.

Vergewaltigung, Stealthing, Upskirting, sexuelle Belästigung oder strukturelle Ungleichheiten stehen nicht nur in sogenannten Entwicklungsländern an der traurigen Tagesordnung. Die Gefahr verschlimmert sich, kommen andere Faktoren hinzu. Wer behindert ist, Person of Colour oder LGBTQ ist gefährdeter, Übergriffe und Diskriminierung zu erleiden.

Obwohl in vielen Länder die Gleichstellung der Geschlechter gesetzlich verankert ist, haben Frauen weltweit im Durchschnitt nur 75 Prozent der Rechte, die Männer genießen. „Letztlich braucht es einen Systemwandel, dieser wird nicht ohne Machtverlust des Patriarchats weltweit durchführbar sein. Diverse Buberlpartien, die möglichst steuerbare Frauen bevorzugen, werden uns hier nicht voranbringen“, merkt Bayr an.

„Bleiben wir wachsam – eine neue ultrakonservative Welle droht, hart erkämpfte Fortschritte weiblicher Selbstbestimmung zu rauben und uns zurück in die Fünfzigerjahre des letzten Jahrhunderts zu katapultieren. Bleiben wir wachsam und hören wir nicht auf zu kämpfen!“, appelliert Bayr.