Frauentag

Weckruf an Regierung: Frauen besser unterstützen!

Frauen halten unsere Gesellschaft in der Krise am Laufen. Doch sie sind auch besonders oft die Verliererinnen dieser Krise: Sie werden verstärkt arbeitslos und vermehrt Opfer von Gewalt. Wir fordern daher mehr Anstrengungen der Regierung für eine bessere Unterstützung der Frauen in unserem Land!

Die SPÖ hat zum Weltfrauentag mit den anderen Oppositionsparteien eine Sondersitzung im Parlament einberufen. Denn: „Diese Krise ist eine Krise der Frauen. Heute gilt für uns alle: Hinschauen, benennen und lösen!“, stellte unsere Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner in ihrer Rede klar. Der Weltfrauentag 2021 unterscheidet sich massiv von jenen der vergangenen Jahre, „denn seit mehr als 12 Monaten beherrscht die Corona-Pandemie unser Leben auf der ganzen Welt. Diese historisch einzigartige Gesundheitskrise wirkt wie ein Brandbeschleuniger auf die sozialen und ökonomischen Ungleichheiten in unserer Gesellschaft. Am stärksten von dieser Krise betroffen sind Frauen“, betont Rendi-Wagner.

Klubobfrau Pamela Rendi-Wagner (SPÖ) am Wort Bild: Parlamentsdirektion/Johannes Zinner

Frauen trifft diese Krise besonders hart

Es sind die Frauen, die größtenteils in oft schlecht bezahlten Berufen die Grundversorgung unserer Gesellschaft aufrechterhalten. Diese systemrelevanten Arbeitsplätze sind zu zwei Drittel mit Frauen besetzt. Fakt ist auch: Die Corona-Krise trifft Frauen am Arbeitsmarkt besonders. Sie sind viel stärker von Arbeitslosigkeit betroffen als Männer: Seit Februar 2020 ist die Arbeitslosigkeit von Frauen um 40 Prozent gestiegen – bei den Männern waren es 25 Prozent. Auch von den Mitteln der Kurzarbeit profitieren Frauen deutlich weniger als Männer. Viele Frauen erleben zudem eine steigende Mehrfachbelastung aus Home-Office, Home-Schooling, Haushalt und möglicherweise auch noch Pflege von Angehörigen. „Unsicherheiten am Arbeitsplatz, Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit und die damit verbundenen Einkommensverluste – gepaart mit einer andauernden Perspektivenlosigkeit bringen viele Frauen an ihre Grenzen“. Die Folge: Gesundheitliche Probleme nehmen zu und „eine geschlechtergerechte Arbeitswelt rückt erneut in weite Ferne“, macht unsere Vorsitzende deutlich. Besonders dramatisch: In der Corona-Krise führen Existenzsorgen und Überlastung zu einer weiteren Zunahme häuslicher Gewalt gegen Frauen. In diesem noch kurzen Jahr 2021 wurden bereits vier Frauen getötet. Die Anrufe bei der Frauenhelpline sind seit Corona um 40 Prozent gestiegen.

Nationalratsabgeordnete Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) am Wort Bild: Parlamentsdirektion/Johannes Zinner

Frauenpolitik zur Chefsache machen!

„So viele dieser Frauen haben das Vertrauen in die Politik und in ihre Zukunft verloren. Perspektivenlosigkeit ist gefährlich!“, macht unsere Vorsitzende deutlich. In einer Pressekonferenz im Vorfeld der Sondersitzung des Nationalrats zum Weltfrauentag haben Vize-Klubvorsitzender Jörg Leichtfried und Frauenvorsitzende und Gleichbehandlungssprecherin Gabriele Heinisch-Hosek einen Weckruf an die Regierung gesendet: „Die Regierung vergisst auf die Frauen. Kanzler Kurz muss Frauenpolitik endlich zur Chefsache machen!“ Die Corona-Pandemie verstärkt die Ungleiche zwischen Frauen und Männern. Diesen Backlash müssen wir aufhalten und ihm entgegensteuern!

Vier Fakten zur Situation der Frauen in der Krise und unsere Lösungsansätze:

1. Es gibt viel mehr arbeitslose Frauen: 40 Prozent mehr Frauen als im Jahr zuvor sind arbeitslos!

Unser Vorschlag:

  • Ein großes Arbeitsmarktpaket für Frauen (die Hälfte der AMS-Mittel für Umschulungsprogramme, Qualifizierungsmaßnahmen und Beratungen)
  • 700 Euro Mindestlohn während Umschulungen
  • Erhöhung des Arbeitslosengeldes
  • Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen
  • Ein Konjunkturpaket zur Belebung der Wirtschaft und zur Schaffung von Arbeitsplätzen
  • Einrichtung einer Pflegestiftung (Qualifizierung zur Pflegekraft mit finanzieller Absicherung)

2. Die gesundheitlichen/psychischen Folgen der Krise treffen Frauen hart. Sie machen sich laut einer jüngst veröffentlichen Befragung der SPÖ-Frauen außerdem große Sorgen um das psychische Wohlergehen der Kinder.

Unser Vorschlag:

  • Die Hälfte der 20.000 geplanten Therapieplätze sollen für Frauen und Mädchen reserviert werden.
  • Ausbau von präventiven Maßnahmen gegen Burn-out-Erkrankungen

3. Die Gewalt an Frauen nimmt in der Krise zu.

Unser Vorschlag:

  • Mehr Mittel für Präventionsarbeit gegen Gewalt an Frauen – 200 Mio. Euro für Frauen, Beratungsstellen und Täterarbeit
  • Rasche Umsetzung des Gewaltschutz‑Sofortpakets

4. Alleinerziehende sind besonders belastet mit Arbeit, Kinderbetreuung, Home-Schooling und Haushalt. Genau diesen Familien fehlt der Unterhalt, wenn die Männer ihre Arbeit verloren haben oder nicht zahlungswillig sind.

Unser Vorschlag:

  • Unterhaltsgarantie endlich umsetzen!
  • Soforthilfe für Alleinerzieherinnen

Frauen nicht im Stich lassen – gemeinsam Lösungen erarbeiten!

Klar ist: die Krise löst sich nicht von allein. „Einfach abzuwarten und nichts zu tun, hilft nicht, sondern verschärft die meisten Probleme zunehmend“, betont Rendi-Wagner. „Wir müssen aufpassen, dass aus dieser Jahrhundert-Gesundheitskrise keine Pandemie der Armut wird“, warnt unsere Vorsitzende. Das beginnt bei den Frauen. Doch für die 4,5 Millionen Frauen im Land ist bisher zu wenig geschehen. „Es ist die Aufgabe von Ihnen, sehr geehrte Bundesregierung, niemanden im Stich zu lassen, schon gar nicht die Frauen, die diese Krise stemmen“, appelliert Rendi-Wagner. „Das Wichtigste ist, dass rasch und konsequent gehandelt wird. Fangen wir an, gemeinsam daran zu arbeiten!“, so Rendi-Wagner.