Die Heldinnen der Pandemie müssen endlich anerkannt und gerecht entlohnt werden!

NRin Petra Bayr

Frauen managen die Krise und sind weltweit durch Armut und Ausbeutung bedroht

Die Leiterin der Virologie an der MedUni Innsbruck, Dorothee von Laer, oder Elisabeth Puchhammer-Stöckl, Virologin an der MedUni Wien, begleiten uns durch die Krise. Özlem Türeci ist der Durchbruch in der RNA-Impfstoffherstellung zu verdanken und Manuela Födinger aus dem Kaiser-Franz-Josef-Spital (Klinik Favoriten) hat den Corona-Gurgeltest entwickelt. Weltweit sind 70 Prozent des Personals in sozialen und Pflegeberufen Frauen und wurden zumindest anfangs zurecht als Heldinnen der Krise beklatscht.

Frauen leisten weltweit drei Viertel der unbezahlten Pflegearbeit, laut Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). „In diesem Bereich ist Frauenarbeit vor allem eines: nicht nur unbedankt, sondern auch unbezahlt“, kritisiert Petra Bayr, Vorsitzende des Ausschusses für Gleichstellung und Nicht-Diskriminierung in der Parlamentarischen Versammlung des Europarats und SPÖ-Bereichssprecherin für globale Entwicklung.

„Wir müssen wegkommen von dieser ewigen Heldinnenverehrung. Frauen sind keine Comicfiguren aus einem anderen Universum, sondern ganz normale Menschen mit ganz normalen Belastungsgrenzen, die es einfach gewohnt sind, Verantwortung zu übernehmen und den Laden zu schupfen wenn es brenzlig wird – und das nicht erst seit der Corona-Pandemie“, fügt Bayr hinzu.

Die unmittelbaren und langfristigen wirtschaftlichen Folgen der Pandemie für Frauen weltweit sind dramatisch. Durch die zusätzliche unbezahlte Arbeit waren viele nicht mehr in der Lage ihrer bezahlten Arbeit im gleichen Ausmaß nachzugehen. Laut einer Umfrage von Care in 44 Ländern weltweit, berichten 55 Prozent der Frauen, dass Einkommensverluste für sie die deutlichste COVID-Folge sind, im Vergleich zu 34 Prozent der Männer.

Die Pandemie wird nach einer Einschätzung der Vereinten Nationen die Frauenarmut um 9,1 Prozent steigen lassen. Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen und UN Women schätzen, dass im Jahr 2021 ca. 247 Millionen Frauen und Mädchen (im Vergleich zu 236 Millionen Männern) weniger als $1,90 täglich zur Verfügung haben.

Auch die gesundheitlichen Folgen der Pandemie sind für Frauen und Mädchen weltweit fatal. Sie sind vermehrt häuslicher Gewalt ausgesetzt und haben in Pandemiezeiten weniger Zugang zu medizinischer Versorgung, Aufklärung und Verhütungsmitteln. Dadurch erhöht sich nicht nur das Risiko von ungewollten Schwangerschaften – UN-Schätzungen zufolge könnte die Corona-Krise zu 7 Millionen ungewollten Schwangerschaften führen – sondern auch einer HIV-Infektion und unsachgemäßen Abtreibungen.

Frauen und Mädchen, die ohnehin schon von Armut, Rassismus und anderen Diskriminierungsformen betroffen sind, sind besonders gefährdet. Sie werden häufiger mit SARS-CoV-2 infiziert und sterben häufiger an der darauffolgenden Erkrankung. Im Vereinigten Königreich ist die Wahrscheinlichkeit an COVID-19 zu sterben für schwarze Frauen 4,3 Mal höher als für weiße Frauen.

„Zuschauen ist keine Option. Wir müssen Frauen jetzt gezielt stärken und nach der Pandemie dürfen wir nicht wieder zum alten Normal zurückkehren. Die Krise muss allen endgültig klar gemacht haben, dass die Welt ohne Frauen aufgeschmissen ist. Dies muss sich in einem besseren sozialen Status, besser bezahlten Arbeitsplätzen und gerechter geteilter Sorgearbeit niederschlagen “, mahnt Bayr abschließend.