Nicht auf Kosten der Beschäftigten!

Die Debatte um die Sonntagsöffnung ist so alt wie der Handel selbst, erhält aber durch die Corona-Krise noch zusätzlich Brisanz: ÖVP und Wirtschaftsvertreter wollen mit ihrer Forderung nach zwei verkaufsoffenen Sonntagen nach dem Lockdown vorgeblich den Handel vor Weihnachten unterstützen – auf Kosten der betroffenen ArbeitnehmerInnen. LAbg. Elvira Schmidt und LAbg. Kerstin Suchan-Mayr sprechen sich entschieden gegen diesen Vorstoß aus und argumentieren: „Handelsbeschäftigte, ohnehin mehrheitlich Frauen und durch Lockdown, Schulschließungen und abgeschmetterte gesetzliche Maskenpause bisher einer schweren Mehrfachbelastung ausgesetzt, sollen nun auf dem Altar der Wirtschaftsrettung ihren freien Sonntag opfern – die SPÖ NÖ lehnt dies entschieden ab! Nicht nur weil es ein durchschaubarer, praktisch nutzloser Schachzug der ÖVP wäre, sondern weil es hier wieder einmal – wie ständig in dieser türkis-geführten Regierung – die ArbeitnehmerInnen und ihre Familien sind, die die Zeche bezahlen müssten!“

LAbg. Elvira Schmidt, SPÖ NÖ-Landesfrauenvorsitzende, verdeutlicht ihren Standpunkt: „Niemand kauft mehr ein, nur weil Geschäfte am Sonntag geöffnet sind – die Einkäufe verteilen sich dann nur anders. Erschwerend kommt hinzu, dass die große Mehrheit der Handelsbeschäftigten Frauen sind, die ohnehin häufig in prekären Arbeitsverhältnissen stehen und durch Corona, Lockdown und Schulschließungen einer extremen Mehrfachbelastung ausgesetzt sind.“ Und Schmidt weiter: „Und diese Beschäftigten, die während beider Lockdowns ohne gesetzliche Maskenpause durchgehend im Geschäft gestanden sind, dabei ihre Gesundheit riskiert haben und daheim auch noch oftmals Haushalt und Familie irgendwie unter einen Hut bringen müssen, sollen dann auch noch die Adventsonntage vor Weihnachten in den Geschäften stehen – wo bleibt da die christliche Nächstenliebe, liebe ÖVP?“

LAbg. Bgm. Kerstin Suchan-Mayr, Familiensprecherin der SPÖ im NÖ Landtag, ruft in Erinnerung, dass Beschäftigte nicht nur für die Arbeit leben: „Corona scheint viele Niederträchtigkeiten erst salonfähig zu machen: Die ÖVP versucht nun, auch am Sonntag den Fuß in die Geschäftstüren zu bekommen und fordert die Öffnung der Sonntage – wo soll das enden?“ Und weiter: „Handelsangestellte sind keine Maschinen, sondern Menschen mit Familien, wie alle anderen auch. Wenn sie schon keine angemessene Vergütung für ihre Leistungen in dieser Krise bekommen, so verdienen sie zumindest einen freien gemeinsamen Tag in der Woche mit ihrer Familie, mit ihren Kindern – gerade vor Weihnachten. Die Beschäftigten im Handel haben Wertschätzung verdient, nicht nur Applaus und Mehrbelastungen!“

Zudem befürchten Schmidt und Suchan-Mayr, dass – wenn die sogenannte Wirtschaftspartei erst einmal den Fuß in den Geschäftstüren hat – diese nicht mehr freigeben wird: „Wenn Sonntagsarbeit gang und gäbe wird, wenn eine Liberalisierung der Öffnungszeiten kommt, dann folgen Verschlechterung für alle ArbeitnehmerInnen in diesem Land – das dürfen wir nach der Einführung der 60-Stunden-Woche, der Streichung der Hacklerregelung und ähnlichen Grausligkeiten auf keinen Fall zulassen. Dann sind wir nämlich nicht mehr weit von amerikanischen Verhältnissen entfernt, wo Supermärkte nicht selten 24 Stunden, 7 Tage die Woche offen haben!“

Die beiden Landtagsabgeordneten abschließend: „Zuerst lassen wir die Beschäftigten in den Geschäften stehen, bezahlen ihnen trotz erhöhtem Gesundheitsrisiko nicht mehr, verweigern ihnen die gesetzliche Maskenpause, drehen ihren Kindern die Schulen zu, schicken ihre PartnerInnen in Kurzarbeit und dann sollen sie auch noch am Sonntag arbeiten? Das darf sich im solidarischen Sinne kein/e Arbeitnehmer/In in Österreich gefallen lassen – denn wo sind die Grenzen?“