Umfrage der SPÖ-Frauen zu Frauen und Arbeitsmarkt: Frauen fühlen sich von öffentlichen Einrichtungen im Stich gelassen

Es braucht: Paket für Alleinerziehende – Staatliche Unterhaltsgarantie – Familienhärtefonds für alle Kinder gleich – Erhöhung des Arbeitslosengelds – Arbeitszeitverkürzung.

„Es sind mehrmals pro Woche Männer der Regierung, die in Pressekonferenzen über die Krise sprechen, aber dort thematisiert niemand, wie es den Frauen geht“, erklärt SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende Gabriele Heinisch-Hosek die Motivation für die Umfrage „Frauen und Arbeitsmarkt“. Die Corona-Krise hat die Situation von Frauen dramatisch geändert. Stichworte: Kurzarbeit, Ängste vor Arbeitsplatzverlust, Betreuungsproblematik, Haus- und Familienarbeit, das Fehlen von Halbe-Halbe. „Frauen sehen sich einer Vier- und Fünffachbelastung gegenüber und fühlen sich allein gelassen, ja vollkommen im Stich gelassen und sogar an der Nase herumgeführt“, sagt Heinisch-Hosek. Drei Viertel der Frauen, die alleinerziehend sind, fühlen sich von öffentlichen Einrichtungen mit der Mehrfachbelastung alleingelassen. Zwei von drei Frauen erwarten sich nach der Krise am Arbeitsmarkt eine Verschlechterung.

Dass wochenlang nicht klar war, ob die Kindergärten und Schulen geöffnet sind, kam verschärfend hinzu. „Frauen haben es satt, an der Nase herumgeführt und alleine gelassen zu werden, das kommt klar und deutlich bei der Befragung von 1.000 Frauen zwischen 15 und 64 Jahren heraus“, betont Heinisch-Hosek. Was die Regierung tut, reiche nicht. „Wo ist die Frauenministerin?“, so Heinisch-Hosek.

„Es braucht ganz dringend ein Paket für Alleinerziehende“, fordert die SPÖ-Frauensprecherin. Denn Alleinerziehende fühlen sich von den öffentlichen Stellen am deutlichsten im Stich gelassen. Von der Erhöhung des Familienhärteausgleichsfonds haben die Bezieherinnen von Mindestsicherung nichts. Die SPÖ-Frauen fordern daher, dass der Familienhärtefonds alle Kinder gleich behandelt und keine Unterschiede in der Höhe gemacht werden zwischen Kindern, deren Eltern vor und nach Beginn der Corona-Krise arbeitslos geworden sind.

Weiters fordert Heinisch-Hosek eine staatliche Unterhaltsgarantie, „unbedingt eine Erhöhung des Arbeitslosengeldes auf 70 Prozent“ und es brauche die ersten 1.700 Euro des Einkommens steuerfrei. „Und zu guter Letzt: Die Formel 6/8/10 ist mehr als gerechtfertigt“, fordert Heinisch-Hosek eine massive Arbeitszeitverkürzung im Sinne der verkürzten Vollzeit auf eine 30-Stunden-Woche. „Wir dürfen die Frauen nicht alleine lassen“, sagt Heinisch-Hosek.

Christina Matzka von Triple M Markt- und Meinungsforschung erklärt, dass zwei Drittel der Befragten der Aussage zustimmen, dass sich ihre berufliche Situation verschlechtern wird. „Hier muss gegengesteuert werden“, sagt Matzka. Ein Drittel der Frauen, vor allem die Frauen in Kurzarbeit, haben Angst vor Jobverlust. Und 34 Prozent der Frauen haben Angst um ihren Arbeitsplatz, bei Alleinerzieherinnen sogar 44 Prozent. Jede zweite befragte Frau mit Kindern berichtet von einem (viel) höheren Betreuungsaufwand durch die Krise.

86 Prozent der Frauen – und bei Alleinerzieherinnen sogar 93 Prozent – sagen, dass Frauen den Hauptteil der Belastungen in der momentanen Situation tragen. Schon vor der Krise haben Frauen die Hauptlast beim Haushalt getragen. Durch die Krise hat sich das verstärkt. „Halbe-Halbe ist noch lange nicht angekommen“, sagt Matzka. Zum ersten Mal sei für Matzka zu beobachten, dass Frauen mit höherem Bildungsniveau sogar noch größere Ängste um einen Arbeitsplatzverlust haben.

72 Prozent der Frauen sind der Meinung, dass EinzelhandelsmitarbeiterInnen Heldinnen sind und sogar 90 Prozent sind der Meinung, dass in der Pflege Tätige HeldInnen sind. Dieses Image werde aber laut Einschätzung von Matzka nicht nachhaltig sein, insbesondere was die Anerkennung betrifft.

Die Befragung kann im Detail hier heruntergeladen werden: https://tinyurl.com/yct3se9y

Fotos von der Pressekonferenz finden Sie hier: https://tinyurl.com/y8clj5r4