75 Jahre Befreiung – Bures warnt vor Ruf nach starkem Mann

Begrüßung durch die Zweite Nationalratspräsidentin Doris Bures (S) am Rednerpult Bild: © Parlamentsdirektion / Johannes Zinner

Zweite Nationalratspräsidentin zieht Parallelen zur Coronakrise - und fordert soziale Absicherung.

Parallelen zur Vergangenheit sieht die Zweite Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ) in der Coronakrise. Auch die Gegenwart sei von vielen Ängsten geprägt. Und „Wer Angst hat, ruft allzu schnell nach dem starken Mann“, warnte sie – und forderte die Politik auf, „sich um das Bedürfnis der Menschen nach Sicherheit zu kümmern und ihnen durch soziale Absicherung die derzeit berechtigten Ängste zu nehmen“.

In Zeiten wie diesen werde klar, dass „Niemals vergessen!“ kein traditionelles Ritual sei. Gerade wenn viele Menschen Sorgen und Existenzängste plagen und wesentliche Grundrechte eingeschränkt sind, müsse der Kampf für Zusammenhalt, Demokratie und Menschenrechte Teil des Alltags sein, schlug Bures am heutigen Gedenktag gegen Gewalt und Rassismus eine Brücke von der Vergangenheit in die Zukunft.

„Der Holocaust hat nicht in den Konzentrationslagern begonnen und die Schrecken des Krieges mit Millionen Toten nicht auf den Schlachtfeldern der Geschichte“, warnte die SPÖ-Politikerin. Vielmehr hätten die Folgen des Ersten Weltkrieges, Spaltung der Gesellschaft, Existenzängste und Perspektivenlosigkeit angesichts der verheerenden Weltwirtschaftskrise den Weg für die Nationalsozialisten mitgeebnet.

Aber Österreich sei wieder aufgebaut worden, und habe mit dem damals eingerichteten Sozialstaat und Chancengerechtigkeit alle Krisen gemeistert. „Die Geschichte lehrt es uns: Mit Zusammenhalt, Solidarität und der Stärkung unserer Demokratie werden wir auch diese Krise und ihre Folgen gut bewältigen“, so Bures.