Barbara Prammer Symposium: Internationale Frauenrechte

Heinisch-Hosek: Arbeitszeit und Verteilung von Arbeit zentrale Themen für SPÖ

Die gerechte Verteilung bezahlter und unbezahlter Arbeit, Arbeitszeitverkürzung und das Thema Gewaltschutz nannte SPÖ-Frauenvorsitzende Gabriele Heinisch-Hosek beim 6. Barbara Prammer Symposium am Montag in der Hofburg als die aktuellen frauenpolitischen Bereiche, denen sich die SPÖ besonders widmen wird. „Im schwarz-grünen Regierungsprogramm fehlen leider genau diese Themen – darum müssen und werden wir uns als Sozialdemokratie kümmern“, versprach sie. Kritik übte sie an Aussagen der neuen Frauenministerin Susanne Raab: „Wer für Frauenrechte kämpft, ist eine Feministin.“

Es sei bedauerlich, dass sich die Frauenministerin als erstes dem Kopftuch widme anstatt zentralen frauenpolitischen Fragen wie Einkommen oder gerechte Verteilung. Denn es gebe eine „Ungleichheitskrise“, so Heinisch-Hosek: „Frauen leisten täglich drei Mal so viel unbezahlte Arbeit wie Männer“, erinnerte sie.

Helga Konrad: 25 Jahre nach Weltfrauenkonferenz „zögerliche Verbesserungen“

Auch Helga Konrad ortet noch viel Handlungsbedarf in diesem Bereich. Die ehemalige Frauenministerin, die 1995 federführend die österreichische Delegation zur 4. Weltfrauenkonferenz in Peking leitete, erinnerte dazu auch an ihre Kampagne „Ganze Männer machen halbe/halbe“. „Das Rad muss frauenpolitisch nicht neu erfunden werden, sondern wir können auf vielem aufbauen.“ So erinnerte Konrad an zahlreiche Konferenzen und Konventionen zur Gleichstellung von Frauen beginnend in den 1950er Jahren des letzten Jahrhunderts mit einem Höhepunkt 1995 bei der Weltfrauenkonferenz in Peking mit rund 47.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Seitdem habe es „zögerliche“ Verbesserungen gegeben, sagte Konrad. Vielfach sei bei den Männern in Bezug auf Gleichstellung „verbale Anerkennung bei gleichzeitiger Verhaltensstarre“ zu konstatieren. Konrad: „Eines der größten Hindernisse für echte Gleichstellung ist der Mythos, wir hätten diese Rechte schon.“

Gastgeber des heurigen Prammer Symposiums mit dem Thema „Peking +25“ sind neben der SPÖ Frauenorganisation und dem Parlamentsklub auch das Renner-Institut und die „Foundation of European Progressive Studies“, der sozialdemokratische Think Tank auf europäischer Ebene. Deren Generalsekretär László Andor, ehemaliger EU-Kommissar und ungarischer Ökonom, wünscht sich eine bindende Strategie der EU zur Frauen-Gleichstellung. Er zeigte sich zuversichtlich, dass mit der neuen EU-Kommissionspräsidentin Von der Leyen – wiewohl politisch bei den Konservativen – hier Fortschritte möglich sind. Zentral dabei werde auch das neue EU-Budget, in dem mehr finanzielle Förderungen für die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie verankert werden sollen, forderte Andor.

Service: Fotos von der Veranstaltung stehen auf FlickR zur Verfügung: https://bit.ly/30D7Ap4