Was Frauen verdienen? Gerechte Löhne!

Bild: Knie
„Ich will, dass Frauen und Männer für die gleiche Arbeit den gleichen Lohn bekommen. Alles andere ist ungerecht. Bis 2050 zu warten, damit sich die Lohnschere in 30 Jahren schließt, ist keine Option. Wir müssen jetzt handeln, damit Frauen endlich den gerechten Lohn erhalten, den sie verdienen.“ – Pamela Rendi-Wagner

Frauen verdienen in Österreich für die gleiche Arbeit im Schnitt um 20 Prozent weniger als Männer. Die ungerechtfertigte Unterbezahlung ist heute in vielen Unternehmen Praxis. Nach dem Arbeitsleben erhalten Frauen nur die Hälfte der Pension, die Männer bekommen, und sind besonders oft von Altersarmut betroffen. Die SPÖ will die ungerechte Lohnschere schließen und schlägt ein neues Modell für Lohngerechtigkeit vor. Vorbild dafür ist Island, wo Unternehmen verpflichtet sind, die faire Bezahlung von Männern und Frauen zu dokumentieren. Bei Unterbezahlung sind Strafen fällig.

Der Druck auf Arbeitnehmerinnen wird von Jahr zu Jahr größer. Mehr leisten, jeden Tag funktionieren – und trotzdem ist die Summe am Gehaltszettel kleiner als beim männlichen Kollegen. Für Österreichs Frauen ist diese ungerechtfertigte Unterbezahlung bittere Realität. Offen darüber reden ist dennoch ein Tabu.

Ein Vergleich der Stundenlöhne von Frauen und Männer ist eindeutig. Frauen verdienen um 20 Prozent weniger als Männer. Ein Mann bekommt für eine Tätigkeit 12 Euro pro Stunde, für die eine Frau nur 9,60 Euro erhält. Österreich liegt deutlich über dem EU-Durchschnitt von 16 Prozent – im negativen Sinn.

Die Lohnschere schließt sich viel zu langsam. Beim derzeitigen Tempo müssen Frauen bis 2050 auf Lohngleichheit in Österreich warten. So lange können wir nicht warten.

Österreichs Unternehmen sind derzeit verpflichtet, alle zwei Jahre Einkommensberichte im Betrieb vorzulegen, mit Angaben über die Anzahl und Durchschnittsentgelte der Frauen und Männer in den jeweiligen Verwendungsgruppen. Das gilt aber nur für Unternehmen ab 150 MitarbeiterInnen. Die Hälfte der Beschäftigten in Österreich ist von diesen Berichten nicht umfasst. Zusätzlich gibt es für Unternehmen derzeit keinerlei Verpflichtungen. Festgestellte Einkommensunterschiede (der Gender Pay Gap muss darin übrigens auch nicht dezidiert ausgewiesen werden) bleiben oft ohne Konsequenz.

Island als Vorbild

Island ist in Sachen Lohngerechtigkeit zwischen Männern und Frauen seit vielen Jahren Vorbild. Seit 2009 führt Island den vom Weltwirtschaftsforum jährlich veröffentlichten „Global Gender Gap Index“[1] an. Dieser gibt den jeweiligen Stand für 144 Staaten der Beteiligung von Frauen in Wirtschaft und Gesellschaft wieder.

Seit Jänner 2018 gilt in Island ein Gesetz, das es Unternehmen verbietet, Frauen und Männer für gleichwertige Arbeit ungleich zu bezahlen – weltweit das erste dieser Art. Betroffene Frauen müssen nicht mehr nachforschen, ob sie schlechter bezahlt werden. Stattdessen müssen Unternehmen die faire Bezahlung dokumentieren. Wer schlechter zahlt, wird bestraft:

  • Unternehmen ab 25 Beschäftigten (private und staatliche) müssen ein gerechtes und nachvollziehbares Entlohnungsschema sowie Maßnahmen gegen Diskriminierung nachweisen, das anschließend von einer staatlichen Zertifizierungsstelle geprüft wird. Unternehmen, deren Entgeltsystem nicht dem vorgegebenen Standard entspricht, bekommen eine Frist zur Nacherfüllung. Werden Auflagen bis nach Ablauf der Frist nicht erfüllt, können Geldbußen von bis zu derzeit knapp 400 Euro pro Tag verhängt werden. Neben dem Beweis der gerechten Bezahlung geht es vor allem um den Prozess rund um die Etablierung fairer Gehaltssysteme und die Anstrengungen, die Unternehmen tätigen, um die Lohnschere im Unternehmen zu schließen.
  • Das Zauberwort liegt bei „gleichwertig“: auch unterschiedliche Jobs, die aber die selbe Belastung, Anforderungen oder etwa Ausbildung verlangen, müssen gleich bezahlt werden.

SPÖ-Vision: Nie mehr über die Lohnschere reden müssen

Es ist so einfach: Männer und Frauen sollen für die gleiche Arbeit gleich gut bezahlt werden. Wir können und wollen nicht bis 2050 warten. Deswegen ist ein Gesetz notwendig, das gleichen Lohn für gleiche Arbeit garantiert. Was in Island funktioniert, kann auch in Österreich funktionieren.

SPÖ-Plan für Lohngerechtigkeit:

  1. Strafen bei Unterentlohnung von Frauen: Unternehmen sollen aktiv in die Pflicht genommen werden, ihre Mitarbeiterinnen gerecht zu bezahlen. Seit 40 Jahren gilt in Österreich das Lohngleichheitsgebot für Männer und Frauen. Was es braucht, ist die effektivere Umsetzung. Anknüpfungspunkt ist das Lohn- und Sozialdumpinggesetz. Für die Prüfung durch die GPLA (gemeinsame Prüfung aller lohnabhängigen Abgaben) unter Einbeziehung der Gleichbehandlungsanwaltschaft können die Einkommensberichte genützt werden. Verdienen Frauen weniger als die ausgewiesenen Durchschnittsentgelte, so hat das Unternehmen das sachlich zu rechtfertigen. Ansonsten ist von einer Diskriminierung auf Grund des Geschlechts auszugehen. Bei Verstößen können ebenso wie bei einer Unterentlohnung nach Lohn- und Sozialdumpingbekämpfungsgesetz Verwaltungsstrafen verhängt werden.
  2. Effektivere Einkommensberichte: Unternehmen ab 20 MitarbeiterInnen sollen einen Einkommensbericht vorlegen. Um kleinere Unternehmen nicht zu überfordern, wird eine Übergangsfrist bis 2023 gewährt. Die Einkommensberichte dürfen außerdem nicht mehr so zahnlos wie bisher sein: Unternehmen müssen in diesen Berichten künftig den Gender-Pay-Gap ausweisen und einen Maßnahmenplan erstellen, wie sie strukturelle und finanzielle Unterschiede ausgleichen wollen. Diese Maßnahmen wollen wir befristet auf fünf Jahre einführen und danach evaluieren. Tragen Sie dazu bei, die Lohnschere zu schließen, werden sie fortgesetzt.

Gleichwertige Arbeit definieren: In einem weiteren Schritt, wollen wir aber das Problem an der Wurzel packen: Sehr oft werden (leider sind es meist vorwiegend weibliche) Tätigkeiten schlechter entlohnt, obwohl sie dieselben Anforderungen – wie Kenntnisse und Fähigkeiten, Aufwand und Stress, Verantwortung, Bedingungen im Arbeitsumfeld – verlangen. Deshalb wollen wir erste Pilotprojekte starten und gemeinsam mit Arbeitgeber- wie ArbeitnehmervertreterInnen Kriterien für Entlohnungsschemas finden, die transparent dar darlegen, nach welchen Gesichtspunkten Einkommensunterschiede unterschiedlicher Tätigkeiten auf betrieblicher Ebene rechtfertigbar sind und wann eben auch nicht.

Mehr Selbstbestimmung, leichtere Vereinbarkeit: Jeder soll einen Rechtsanspruch auf einen Wechsel von Vollzeit auf Teilzeit und umgekehrt haben – und einen Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz ab dem 1. Lebensjahr des Kindes.

50% der AMS-Mittel für Frauen: ÖVP und FPÖ haben bei jobsuchenden Frauen Geld gestrichen. Die SPÖ fordert, dass die Hälfte der AMS-Mittel für Frauen verwendet werden, damit sie am Arbeitsmarkt besser Fuß fassen können.

[1] http://www3.weforum.org/docs/WEF_GGGR_2017.pdf