Bayr und Berger-Krotsch zum Internationalen Tag gegen FGM: „Weibliche Genitalverstümmelung ist schwere Menschenrechtsverletzung“

FGM (weibliche Genitalverstümmelung) ist eine Form von brutaler Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Dass FGM nur in afrikanischen Ländern vorkommt, ist ein weit verbreiteter Fehlglaube. Tausende Frauen in Österreich sind Opfer von Genitalverstümmelung.

Unter weiblicher Genitalverstümmelung (FGM – Female Genital Mutilation) versteht man schwere körperliche Eingriffe an den weiblichen Genitalien. FGM ist in keiner Religion Vorschrift, sondern ausschließlich mit Traditionen verknüpft. Es soll der Kontrolle und Reduktion der weiblichen Sexualität dienen, sowie die Jungfräulichkeit von Mädchen sicherstellen. Diese Verstümmelungen haben dramatische gesundheitliche und seelische Folgen für die betroffenen Frauen: Höhere Komplikationen bei der Geburt, häufige Infektionen im Genitalbereich und der Harnwege, Schädigungen der Nieren und vor allem schwere, lebenslange seelische Traumen.

Da sich viele Kampagnen gegen FGM lange Zeit auf die medizinischen Risiken konzentrierten, wird in manchen Ländern weibliche Genitalverstümmelung nun vermehrt unter medizinischer Aufsicht durchgeführt. Diese Medizinisierung bedeute jedoch oftmals „ein Hemmnis, damit aufzuhören“, da ein falscher Eindruck über die gesundheitliche Sicherheit dieser Praktik vermittelt werde, so SPÖ-Bereichssprecherin für globale Entwicklung und Gründerin der Plattform gegen weibliche Genitalverstümmelung Petra Bayr.

„FGM ist aber nie sicher, weil es keine medizinische Begründung für die Tradition gibt. Selbst wenn FGM unter hygienischen Umständen durchgeführt wird, gibt es keine Rechtfertigung. Es bleibt eine grobe Menschenrechtsverletzung“, stellt die SPÖ-Bereichssprecherin klar.

In Österreich sind etwa 8.000 Frauen und Mädchen davon betroffen, etwa 1.900 davon leben in Wien – die Dunkelziffer liege erheblich höher. Jede Form der weiblichen Beschneidung werde als schwere Körperverletzung verfolgt und bestraft, so LAbg. Nicole Berger-Krotsch, Frauensekretärin der SPÖ Wien anlässlich des Internationalen Tages gegen FGM.

Daten der Weltgesundheitsorganisation WHO zeigen, dass weibliche Genitalverstümmelung weltweit ein Problem ist und praktiziert wird. Es betrifft alle gesellschaftlichen Schichten und passiert auch in Europa und Österreich. Schätzungen gehen davon aus, dass europaweit 500.000 Frauen von FGM betroffen sind. Weltweit beläuft sich die Zahl auf rund 150 Millionen Frauen.

„Es ist mir als Frauensprecherin der SPÖ Wien ein großes Anliegen, dass alle Frauen und Mädchen in Wien frei von Angst und Gewalt leben können. Die Stadt Wien hat in den letzten zehn Jahren vorbildliche Maßnahmen von Aufklärung bis hin zu gezielter Behandlung im Kampf gegen FGM entwickelt. Das Gesundheitszentrum FEM (Frauen, Eltern und Mädchen) Süd ist unter anderem die Wiener Anlaufstelle für Betroffene. Wir werden weiterhin gegen diese grausame Form der Missachtung der Würde der Frau und der Verletzung ihrer Rechte kämpfen“, schließt Berger-Krotsch.