Frauen mit Behinderung sind besonders von Gewalt betroffen

Aktion gegen Gewalt, Niederösterreich Bild: SPÖ Niederösterreich

Im Rahmen einer Pressekonferenz machten die stellvertretende Landesparteivorsitzende und NÖ Soziallandesrätin, Ulrike Königsberger-Ludwig, sowie die Landesfrauenvorsitzende der SPÖ NÖ, LAbg. Elvira Schmidt auf das Thema Gewalt an Frauen mit Behinderung aufmerksam.

Zu Beginn betonte Landesrätin Königsberger, dass viele Frauen mit Behinderung bereits Gewalt erleben haben müssen. Trotzdem werde das Thema in der Bevölkerung kaum wahrgenommen. Umso bedeutender sei es, die Sensibilisierung der breiten Öffentlichkeit zu forcieren und auf mehr Achtsamkeit im Alltag hinzuweisen, zumal Frauen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen deutlich häufiger von psychischer, körperlicher und sexueller Gewalt betroffen seien als Frauen im Bevölkerungsdurchschnitt, merkte Königsberger-Ludwig an.

Außerdem würden Formen von „struktureller“ Gewalt, wie Regelungen und Rahmenbedingungen, ein gewaltfreies Leben verhindern, ließ Königsberger-Ludwig wissen. Dagegen könne jedoch durch den Abbau von Diskriminierungen vorgegangen werden, meinte Königsberger-Ludwig: „Nach wie vor werden Menschen mit Behinderungen an der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben gehindert, weil zum Beispiel die Barrierefreiheit im öffentlichen Bereich noch immer nicht flächendeckend umgesetzt ist.“

Landesfrauenvorsitzende Schmidt sagte, dass Gewalterfahrungen von Frauen mit Behinderungen komplex und vielschichtig seien, vor allem wegen der häufig bestehenden Abhängigkeit von Unterstützungsleistungen durch andere Menschen. „In vielen Fällen spielt dabei das Ausleben von Machtpositionen eine Rolle“, erklärte Schmidt. Die Täterinnen und Täter stammten wie bei Frauen im Bevölkerungsdurchschnitt überwiegend aus dem unmittelbaren sozialen Nahraum. Besonders gefährdet seien, so Schmidt, Frauen mit Kommunikationsbeeinträchtigungen, Frauen mit Lernschwierigkeiten, Frauen mit Mehrfachbehinderungen sowie Frauen mit Behinderungen und Migrationshintergrund. Die Landesfrauenvorsitzende verwies zudem auf die Zielsetzung „Inklusion statt Integration“: „Wir müssen es uns zum Ziel nehmen, Menschen und vor allem Frauen mit Behinderung nicht nur in unsere Gesellschaft zu integrieren, sondern sie als selbstverständlichen Teil der Gesellschaft zu sehen. Verbunden mit der Möglichkeit der uneingeschränkten Teilhabe in allen Bereichen des menschlichen Lebens. Das heißt aber auch Schutz, Rat und Hilfe für Frauen und Mädchen mit Behinderung, die Gewalt erfahren.“

Ein Problem, das „institutionelle Gewalt“ begünstigt, sehen die beiden Frauenpolitikerinnen derzeit in der fehlenden bundesweiten Regelung zur Persönlichen Assistenz. „Viele Menschen mit Behinderungen können deshalb nicht selbstbestimmt leben und sind abhängig von einschränkenden institutionellen Betreuungsstrukturen. Sie haben aber genauso wie jeder andere das Recht auf so viel Autonomie wie möglich und so viel Unterstützung wie nötig. Selbstbestimmung darf daher kein leeres Schlagwort sein, sondern muss in allen Bereichen des Lebens ermöglicht werden“, sind sich Königsberger-Ludwig und Schmidt einig.

Zum Schluss wiesen die beiden sozialdemokratischen Politikerinnen auf zahlreiche Beratungs- und Unterstützungsangebote für Frauen, die von Gewalt betroffen sind oder waren, hin. „Diese Angebote sind auch für Frauen mit Behinderungen offen. Die Hotline unter 0800/222 555 und das NÖ Frauentelefon unter 0800/800 810 bieten anonyme Hilfe und kostenlose Erstberatung an. Auch für Hörbehinderte gibt es eine Hotline des BMI unter 0800/133 133. Zudem können betroffene Frauen bei vier Gewaltschutzzentren, etwa zehn Frauenberatungsstellen sowie sechs Frauenhäuser Rat und Hilfe erhalten“, so Königsberger-Ludwig und Schmidt abschließend.