Königsberger-Ludwig/Schmidt: Kinderbetreuung muss kostenfrei und flexibler werden

Kärntner „Kinder-Stipendium“ könnte auch für NÖ Vorbild sein

Schichtdienst, Wochenendarbeit, Überstunden: ArbeitnehmerInnen sollen flexibel sein. Wer Kinder hat, kriegt da ein Problem. Nun wurde von Schwarz-Blau auch noch der Zwölf-Stunden-Tag durchgepeitscht, gleichzeitig aber die Finanzmittel für die Kinderbetreuung gekürzt.
 

„Mir ist es wichtig, dass gute Betreuungsmöglichkeiten angeboten werden. Denn damit entsteht auch für junge Frauen und Familien die Freiheit, das zu wählen, was sie für sich persönlich gut finden. Und als Mutter zweier Kinder und Großmutter weiß ich nur allzu gut, wovon ich rede, wenn ich bessere und flexiblere Kinderbetreuungseinrichtungen forcieren möchte“, sagt Königsberger-Ludwig.

„Kinderbetreuungseinrichtungen haben die Aufgabe, die Eltern bei der Betreuung ihrer Kinder zu unterstützen, wenn sie arbeiten gehen. Deswegen müssen Öffnungszeiten auch flexibler werden: Je nach Bedarf sollen Eltern die Wahlmöglichkeit haben, ob der Kindergarten nur vormittags oder auch am Nachmittag in Anspruch genommen wird. Jeder Familie in Niederösterreich muss es möglich sein, Kinder und Beruf zu vereinbaren“, erklärt die Stv. SPÖ NÖ Landesparteivorsitzende, Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig. Es gehe einerseits um eine längere Betreuung der Kinder, aber auch um Angebote zu anderen Zeiten, sagt Königsberger-Ludwig: „Für Menschen, die im Schichtdienst arbeiten – im Krankenhaus oder in der Pflege, als PolizistInnen oder im Einzelhandel – ist es wichtig, dass es auch in sogenannten Randzeiten Möglichkeiten gibt, die Kinder gut betreut zu wissen. Außerdem muss die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, wo zukünftig bis zu zwölf Stunden pro Tag gearbeitet werden soll, gewährleistet sein. Sonst hängt die berufliche Zukunft vieler Familien in der Luft.“

Der Bedarf an Kinderbetreuungsangeboten steigt. Deshalb sei es an der Zeit, noch einmal über diese Gelder zu verhandeln, da demnächst einige wichtige 15a-Vereinbarungen zwischen Bund und Ländern auslaufen, bei denen auch die Bereiche der Krippen und Kindergärten mitfinanziert wurden. Königsberger-Ludwig warnt deshalb noch einmal ausdrücklich vor der Kürzung dieser Gelder: „Für viele Familien und vor allem Frauen in Niederösterreich könnte dieses geplante Budget ein riesiges Problem darstellen. Diese müssen sich jetzt schon maximal flexibel zeigen und an die Öffnungszeiten der Kinderbetreuungseinrichtungen anpassen.“ Knapp ein Viertel der NÖ Kinderbetreuungseinrichtungen bzw. ein Drittel der Kindergärten bieten gar keine Nachmittagsbetreuung an. Zudem sei das Gratis-Kindergartenjahr nur halbtägig, die Eltern brauchen aber ganztägige Angebote, erklärt Königsberger-Ludwig: „Deswegen darf gerade bei der Kinderbetreuung nicht gespart werden, vielmehr muss ein Ausbau erfolgen! Mit der Kürzung des Budgets ist das so wichtige Ausbauprogramm gefährdet.“

Zwt.: „Kinder-Stipendium“-Modell als Vorbild für NÖ Die Realität in Niederösterreich ist derzeit aber nichts für Eltern: Die Kinderbetreuungseinrichtungen sind zu wenig flexibel, haben zu kurze Öffnungszeiten – in Niederösterreich haben nur 17,2 Prozent der Kindergärten nach 17 Uhr geöffnet – und stellen vor allem in den Ferien und an anderen Schließtagen die Eltern vor große Herausforderungen. „Niederösterreichische Kindergärten haben im Jahr 31,7 Schließtage, damit liegt unser Bundesland im unteren Mittelfeld. Im Sommer kommt es oft vor, dass Eltern nicht gemeinsam Urlaub machen können, weil die Kinderbetreuung aufgeteilt werden muss“, sagt die SPÖ NÖ Landesfrauenvorsitzende, LAbg. Elvira Schmidt. In der Regel laufe es darauf hinaus, dass nicht beide Elternteile Vollzeit arbeiten können – was meistens heißt: Die Frauen arbeiten weniger. „Für eine Chancengleichheit – dass sowohl Mamas wie Papas arbeiten können – muss man die sozialen Ungleichheiten bereits im Kindergarten angehen“, erklärt Schmidt, die die zuständige Landesrätin Teschl-Hofmeister auffordert, nicht der schwarz-blauen Regierung zuzuarbeiten, sondern endlich Möglichkeiten für die niederösterreichischen Familien zu schaffen.

Das Bundesland Kärnten zeige mit seinem „Kinder-Stipendium“ vor, wie es geht, sagt Schmidt. Hier wurde ein Fördermodell entwickelt, das es bereits ab Herbst ermöglicht, den durchschnittlichen Elternbeitrag von öffentlichen Einrichtungen elementarer Bildungseinrichtungen zu halbieren, ab dem Kindergartenjahr 2019/20 soll der durchschnittliche Elternbeitrag komplett fallen. „Jedes Kind soll die gleichen Chancen erhalten – dazu gehört auch, dass der Kindergarten, die erste Bildungseinrichtung im Leben eines Menschen, kostenfrei angeboten wird.“ In Kärnten setzen SPÖ und ÖVP dieses Leitprojekt gemeinsam um – zum Wohle der Eltern und Kinder, weiß Schmidt: „Ich wünsche mir, dass auch in Niederösterreich die ÖVP endlich erkennt, wie wichtig es ist, in die Zukunft unserer Kinder zu investieren. Wie wichtig es ist, nicht nur vom Familienland Niederösterreich zu reden, sondern das Familienland auch zu leben.“

„Familienfreundlichkeit entwickelt sich immer mehr zum Standort- und Wettbewerbsfaktor. Flexible Arbeitszeitmodelle erfordern auch flexible Kinderbetreuung. Deswegen wollen wir niederösterreichischen SozialdemokratInnen kostenfreie, qualitative Kinderbetreuung auch am Nachmittag und über das ganze Jahr“, sprechen sich Königsberger-Ludwig und Schmidt dafür aus, dass das Land NÖ die Dringlichkeit für den Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen erkennt und mit der Bundesregierung verhandelt, um eine Rücknahme der Budgetkürzung zu erreichen.