tirol, Yildirim, Gewaltschutz

Täterarbeit als Beitrag zum Opferschutz

SPÖ-Frauen luden zu Referat und Diskussion mit Verein Neustart

„Der Schutz vor Gewalt hat für uns höchste Priorität. Die Arbeit mit den Tätern kann eine Strategie zum Schutz der Opfer sein, findet aber mitunter noch zu wenig Beachtung“, ist SPÖ-Landesfrauenvorsitzende NRin Selma Yildirim überzeugt. Wie Täterarbeit und Opferschutz zusammenhängen und welche Möglichkeiten es gibt, darüber sprach bei der gestrigen Veranstaltung Kristin Henning, Leiterin des Vereins Neustart Tirol. Das Interesse war groß.

Jede 5. Frau in Österreich ist von häuslicher Gewalt betroffen. „Strafe allein bewirkt in der Regel keine Verhaltensänderung. Es geht darum, an den Ursachen der Straffälligkeit zu arbeiten. Oft haben die Täter in ihrer Kindheit selbst Gewalterfahrungen gemacht. Die Weitergabe von Gewalt zu verhindern und das männliche Rollenverständnis sind dabei wichtige Elemente“, sagt Kristin Henning.

Täterarbeit und Opferschutz zu verknüpfen, sehen Yildirim und Henning als wichtige Erweiterung in der Vermeidung von Gewalt. Es bedeutet, aus verschiedenen Blickwinkeln am gleichen Ziel zu arbeiten, sind sie sich einig. Letztlich gehe es darum, über Sensibilisierung eine gesellschaftliche Veränderung zu bewirken.

Der Verein Neustart arbeitet seit 60 Jahren mit Täterinnen und Tätern im Zwangskontext. Die Täter kommen also über Zuweisung der Justiz. Für Henning steht am Beginn „die Einsicht, dass es ein Problem gibt. Dann geht es darum, dass der Täter Verantwortung für sein Tun übernimmt und sein Verhalten ändert.“ Die Ursachen für Gewalt sind dabei vielfältig. Auch daran müsse gearbeitet werden. Es gelte Eskalationsstufen zu erkennen und Ausstiegsszenarien zu entwerfen. Anti-Gewalt-Trainings finden einzeln oder in der Gruppe statt.