Kinderehe: strukturelle Gewalt mit lebenslangen Folgen

Jährlich werden rund 15 Millionen Mädchen vor dem 18. Geburtstag verheiratet. Damit ist es für Mädchen in 26 Ländern weltweit wahrscheinlicher verheiratet zu werden, als eine Schule zu besuchen.

Diese Form der strukturellen Gewalt greift tief ins Leben, denn die gesundheitlichen, ökonomischen und sozialen Folgen der Kinderehe weltweit sind beträchtlich:

  • 62 Millionen Mädchen gehen nicht in die Schule. Damit verringern sich ihre Chancen auf Bildung und damit auf ökonomische Selbstständigkeit.
  • 70.000 Mädchen sterben jährlich aufgrund von Komplikationen bei Schwangerschaft oder Geburt, die meisten in armen Regionen der Welt
  • Armut wird durch Kinderehe manifestiert

Der falsche Ausweg:
Kinderehen sind oft Teil von Bewältigungsstrategien in Krisensituationen. Meist passiert das unter der falschen Annahme, dass die Verheiratung eines jungen Mädchens, vor allem in einer unsicheren und instabilen Notlage, schützende Effekte habe. Diese Ehen sind jedoch der direkte Weg in andere Formen geschlechtsspezifischer Gewalt.

Auch Armut und Kinderehe hängen eng zusammen: Die Wahrscheinlichkeit im Kindes- oder Jugendalter verheiratet zu werden ist drei Mal höher als bei nicht armen oder armutsgefährdeten Mädchen. Kinderehe manifestiert Armut durch fehlende Bildungs- und Einkommenschancen. Mehr noch: Werden Mädchen verheiratet, ist das lebensbedrohlich. Das Risiko, bei der Geburt eines Kindes zu sterben, ist für Mädchen unter 15 Jahren fünfmal höher als für Frauen in ihren 20ern.

Zahlen und Fakten: 

  • In Entwicklungsländern wird jedes dritte Mädchen vor dessen 18.Geburtstag verheiratet.
  • In Indien leben 26,6 Millionen Frauen im Alter zwischen 20 und 24, die vor deren 18. Geburtstag verheiratet wurden.
  • Im Niger sind 76% aller Frauen im Alter zwischen 20 und 24 vor deren 18. Geburtstag verheiratet worden.
  • Kinderehe ist eine schwere Menschenrechtsverletzung und unter anderem durch die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen, die von fast allen Staaten ratifiziert wurde, verboten.

Der richtige Ausweg: 
Kinderehe zu beenden ist eine vielschichtige Herausforderung, die stets im konkreten sozialen Kontext gesehen werden muss. So ist die Situation von Mädchen in Indien nicht mit jener im Niger oder in Syrien zu vergleichen. Ein paar Eckpunkte, um Mädchen ein selbstbestimmtes Leben zu ermögliche, sind aber in allen Regionen festzumachen:

  • Mädchen stärken – etwa durch Schulbesuch oder Mädchengruppen
  • Familien und Communities über die negativen Folgen von Kinderehen aufklären, Alternativen aufzeigen und so einen Wandel in den sozialen Normen unterstützen
  • Unterstützung für Mädchen anbieten: Bildung, Gesundheit, psychosoziale Beratung
  • Gesetzliche Rahmen schaffen und die Umsetzung der Gesetze fördern

Das Nachhaltige Entwicklungsziel 5 sieht vor, schädliche Praktiken wie weibliche Genitalverstümmelung oder Kinderehe bis zum Jahr 2030 zu beseitigen. Im Rahmen der Vereinten Nationen hat Österreich die SDGs unterzeichnet und ist daher gefordert einen Beitrag für deren Erreichen zu leisten.
Links:
Die Kampagne „Girls not brides“ – „Mädchen sind keine Bräute“ macht auf die Probleme von Kinderehe aufmerksam und versucht Kinderehen zu vermeiden: https://www.girlsnotbrides.org

Nachhaltige Entwicklungsziele: https://sustainabledevelopment.un.org/sdgs