Familiäre Gewalt: Tirol braucht mehr Plätze für Frauen und Kinder in Schutzeinrichtungen

Selma Yildirim und Elisabeth Fleischanderl setzen sich für mehr Plätze in Schutzeinrichtungen für von Gewalt betroffene Frauen in Tirol ein.

Die Familie und die eigenen vier Wände sollten sichere Rückzugsorte sein. „Die traurige Realität sieht leider anders aus: Zumindest jede fünfte Frau in Österreich wird in ihrem Leben Opfer von Gewalt aus ihrem unmittelbaren Umfeld“, schildern Landesfrauenvorsitzende NRin Selma Yildirim und ihre Stellvertreterin GRin Elisabeth Fleischanderl.
„Dafür zu sorgen, dass Betroffene geschützt werden, sehen wir als klaren öffentlichen Auftrag an. Gerade in Tirol habe ich den Eindruck, dass das nicht ernst genug genommen wird. Der Europarat empfiehlt einen Frauenhausplatz pro 10.000 Einwohner. Von den rund 75 benötigten Plätzen in Tirol sind wir weit entfernt. Die Lage ist prekär“, stellt Yildirim klar.
Die SPÖ Frauen Tirol haben in den vergangenen Jahren unzählige Initiativen dazu gestartet und auch Anfragen und Anträge in den Landtag eingebracht.
Der seit 2013 versprochene Neubau des autonomen Frauenhauses wird seit Jahren hinausgeschoben. Für die Tiroler SPÖ-Frauen ist dies symptomatisch dafür, wie mit häuslicher Gewalt umgegangen werde. „Verharmlosen, vertrösten, verzögern – das scheint das Motto bei diesem für die Landesregierung offensichtlich ungeliebten Thema zu sein. Das ist fahrlässig.“, schildern Yildirim und Fleischanderl.
Nun dürfte der Spatenstich für den Frauenhaus-Neubau tatsächlich bevorstehen. Bis zur Fertigstellung dauert es noch. „Das reicht nicht aus. Es braucht mehr Plätze in Schutzeinrichtungen und auch in den Bezirken. Das Oberland ist gänzlich unversorgt. Die SPÖ hat daher die Landesregierung mittels Landtagsantrag aufgefordert, einen flächendeckenden Gewaltschutzplan bis Ende des Jahres auszuarbeiten.“
 
Zahlen, Daten, Fakten zum Gewaltschutz
Im Jahr 2016 verzeichnete das Tiroler Gewaltschutzzentrum 601 Meldungen, die polizeiliche Maßnahmen anzeigten, 467 Betretungsverbote wurden verhängt. 1148 Menschen wurden als Opfer von häuslicher Gewalt / Stalking beraten und unterstützt. 976 davon (85%) waren Frauen. In diesen Haushalten lebten außerdem 846 Kinder.
Aktuell gibt es in Tirol zwei Frauenhäuser mit Plätzen für 16 Frauen (+ Kinder) sowie Notwohnungen in Kufstein und Lienz. In Österreich fehlen ca. 70 Frauenhausplätze. Rund die Hälfte davon in Tirol. Im Vorjahr konnten 200 Frauen in Tirol nicht aufgenommen werden.
 
Hier gibt es Hilfe bei Gewalt:
Neben der Polizei (Notruf: 133) ist auch die Frauenhelpline 0800 222 555 rund um die Uhr und kostenlos erreichbar. Gewaltschutzzentren http://www.gewaltschutzzentrum-tirol.at/ und Frauenhäuser http://frauenhaus-tirol.at/ bieten darüber hinaus Schutz und Unterstützung.
Einen raschen Kontakt zu Hilfseinrichtungen bietet die fem:HELP-App, die auf der Seite des Frauenministeriums unter www.bmgf.gv.at/home/femHelp_App heruntergeladen und direkt aufs Handy gespeichert werden kann.
 
Bild: © Hitthaler