Sexuelle Belästigung: Frauen wehren sich

Für viele Frauen gehört es leider zum Alltag: Unerwünschte Berührungen, Umarmungen oder Küsse.

Eine informelle Umfrage der SPÖ-Frauen in ganz Österreich zeigt, dass etwa jede zweite Frau sexistische Übergriffe bereits ein- oder mehrmals erlebt hat. Die SPÖ-Frauen haben lange dafür gekämpft, dass es eine gesetzliche Handhabe gegen sexuelle Belästigung gibt. Der Widerstand war groß. Anfang 2016 ist die Strafrechtsreform in Kraft getreten. Seither ist jede intensive und entwürdigende sexuelle Belästigung strafbar. Österreich ist mit diesem Gesetz international ein Vorbild.  

Ein neuer Aufschrei
Weltweite Empörung löste in jüngster Zeit der Skandal um den Filmproduzenten Harvey Weinstein aus, der zahlreiche Frauen sexuell missbraucht haben soll.  Unter dem Hashtag „Metoo“ rief die Schauspielerin Alyssa Milano Frauen auf, sich dem Protest anzuschließen. Seither twittern  hunderttausende Frauen und auch Männer, wie sie von Bekannten oder Fremden sexuell belästigt wurden. Eine offene Debatte über Sexismus startete vor einigen Jahren auch die Feministin Anne Wizorek. Im Jänner 2013 schrieb sie auf Twitter: „Wir sollten diese Erfahrungen unter einem Hashtag sammeln. Ich schlage #aufschrei vor“. Die Reaktion war enorm. Bereits in den ersten zwei Wochen nutzten rund 60.000 Frauen und Männer diese Initiative, um auf das Thema aufmerksam zu machen.

SPÖ-Frauen haben sich durchgesetzt
Sexuelle Belästigung darf nicht toleriert werden. Schon 2009 starteten die SPÖ-Frauen eine Initiative für eine Novelle des Strafgesetzbuches. Die damalige Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek verhandelte in der Folge mit drei JustizministerInnen: Claudia Bandion-Ortner, Beatrix Karl und Wolfgang Brandstetter. Die Bedenken waren groß und der Widerstand enorm. Schließlich setzten sich die SPÖ-Frauen durch. Im Juli 2015 wurde die Strafgesetzbuchnovelle beschlossen, im Jänner 2016 trat sie in Kraft. Die Novelle zielte darauf ab, den höchstpersönlichen Lebensbereich mehr zu schützen. Die Strafen für Sexual- und Gewaltdelikte wurden angehoben, zusätzliche Delikte wie Cybermobbing oder Verletzung der sexuellen Selbstbestimmung wurden unter Strafe gestellt. Bei Vergewaltigung können seither auch solche Fälle erfasst werden, bei denen das Opfer zu keiner Gegenwehr mehr fähig ist. Ein Nein genügt. Auch ein Verbot von Zwangsverheiratung wurde verankert.

Bewusstsein schaffen
Sexismus und Gewalt dürfen nicht toleriert werden. Es braucht klare Grenzen und Strafen, aber auch ein gesellschaftliches Umdenken.  Immer mehr Frauen trauen sich mit ihren Erfahrungen an die Öffentlichkeit. Das macht Mut.

 

So sind Sie durch das Strafrecht geschützt:

  • Jede intensive und entwürdigende sexuelle Belästigung ist strafbar.
  • Ein Nein muss genügen: Wenn ein Täter eine sexuelle Handlung gegen den erkennbaren Willen des Opfers setzt, ist das strafbar.
  • Gewalt in der Familie wurde als Erschwernisgrund eingeführt.
  • Der Schutz für Opfer wurde ausgebaut.
  • Die Strafen für Körperverletzungen wurden erhöht.
  • „Verschleppt werden“ ins Ausland zum Zweck der Zwangsverheiratung wird bestraft.