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Sind Pensionen für junge Frauen ein Thema?

Bild: SPÖ Frauen

Teilzeit, geringfügige Beschäftigung, Werkverträge - Für viele junge Leute der Arbeitsalltag. Das wirkt sich später in der Pension aus. Wir haben mit Claudia O'Brien, JG-Frauensprecherin, über das Thema Pensionen gesprochen.

Sind Pensionen für junge Frauen ein Thema?
Ehrlicherweise habe ich selbst erst vor ein paar Monaten angefangen mir darüber Gedanken zu machen. Es ist mir bewusst geworden, dass ich mittlerweile seit zehn Jahren arbeite, aber noch nie eine richtige Vollzeitbeschäftigung hatte. Die letzten 10 Jahre waren eine Aneinanderreihung von Teilzeitarbeit neben dem Studium, Praktika, Werkverträgen und mehreren geringfügigen Beschäftigungen. Jetzt bin ich 28 Jahre und habe zum ersten Mal einen richtigen Vollzeitjob. Was ich damit sagen will: Ich glaube es machen sich wenige junge Menschen über ihre Pension Gedanken, wenn sie am Anfang ihres Arbeitslebens stehen. Allerdings ist die Aneinanderreihung von atypischen Beschäftigungsverhältnissen, die gerade bei jungen Leuten Gang und Gebe ist, ein Problem. In Kombination mit einem lebenslangen Durchrechnungszeitraum können sich diese Jahre irgendwann sehr negativ auf die Pensionshöhe auswirken. Das ist aber den wenigsten bewusst.

Frauen bekommen derzeit im Schnitt 40 Prozent weniger Pension. Was muss sich ändern?
Das ist ein Resultat der Schwierigkeiten, mit denen Frauen während ihres Arbeitslebens konfrontiert sind. Wir wissen, dass Frauen viel mehr Teilzeit arbeiten, beziehungsweise geringfügig beschäftigt sind als Männer und wir wissen auch, dass jedes Jahr Teilzeitarbeit ca. ein Prozent der Pension kostet. Was es daher auf jeden Fall braucht, ist ein flächendeckender Ausbau von ganztägigen Kinderbetreuungseinrichtungen, damit Frauen wirklich die Möglichkeit haben Vollzeit zu arbeiten. Wir brauchen einen Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz ab dem 1. Geburtstag als ersten Schritt. Genauso vehement müssen wir nach wie vor „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ fordern, weil wir immer noch die Situation haben, dass Frauen bei Vollzeitbeschäftigung um 22 Prozent weniger verdienen als Männer. Solange wir es nicht schaffen, diesen Gender-Pay-Gap zu schließen, wird es uns auch nicht gelingen, den Pensions-Gap zu schließen.

Was erwartest du dir für die Zukunft?
Ich erwarte mir, dass es endlich ein gesellschaftliches Umdenken gibt. Es ist nach wie vor Tatsache, dass Frauen den Großteil der unbezahlten Arbeit leisten und zwar bis zu 27 Stunden in der Woche. Das betrifft die Kinderbetreuung, Hausarbeit, Pflege von Angehörigen, ect. Es muss endlich ins breite Bewusstsein hinein, dass diese unbezahlte Arbeit nicht per se Frauensache ist. Die Folgen dieser ungerechten Verteilung sehen wir, wenn wir uns die Zahlen anschauen: Fast 50% aller erwerbstätigen Frauen arbeiten Teilzeit oder geringfügig, bei Männern sind es lediglich um die 10%. Bei Frauen die Kinder unter 15 Jahren haben, arbeitet sogar nur jede vierte Vollzeit. Nur wenn wir es schaffen, dass die unbezahlte Arbeit zwischen Männern und Frauen gerecht verteilt wird, können wir dieser hohen Teilzeitrate bei Frauen entgegensteuern. Dieses Thema ist so schwierig, weil man es eben nicht einfach mit einem Gesetz regeln kann – wie gesagt, es braucht ein echtes Umdenken und ein Bewusstsein darüber, was faire Verteilung von Arbeit bedeutet.

Merkst du ein Umdenken in dieser Hinsicht?
Wenn ich daran denke, dass Helga Konrad schon 1996 Halbe/Halbe gefordert hat – das ist mittlerweile über 20 Jahre her – muss man leider sagen, dass sich seither viel zu wenig getan hat. Es ist natürlich schön, dass es in meinem Freundeskreis Männer gibt, die sich auf die Väterkarenz freuen und das als schöne und wertvolle Aufgabe betrachten – es sind aber leider nur einige wenige. Man merkt, dass sich etwas verändert, aber es verändert sich eben sehr, sehr langsam.

Wie können wir die Pensionen sichern?
Wir müssen wegkommen von der Vorstellung, dass es bei der Frage der Pensionen um einen Kampf zwischen Alt und Jung geht, weil es eben nicht so ist. Genauso wie in vielen anderen Bereichen ist es ein Kampf zwischen Arm und Reich. Für ein solidarisches Sozialsystem braucht es auch gerechte Beiträge. Darum sind Dinge, die wir schon seit Ewigkeiten fordern, wie Vermögens- und Erbschaftssteuern oder etwa eine Wertschöpfungsabgabe zentrale Bausteine für ein solides Sozialsystem und somit sichere Pensionen. Es darf einfach nicht sein, dass Menschen, die ihr Leben lang gearbeitet haben, in ihrer Pension mit einem absoluten Minimum auskommen müssen während wir auf der anderen Seite eine Gruppe an Vermögenden haben, die ihr Kapital selbst in der „Pension“ einfach für sich weiterarbeiten lassen.