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Yildirim: „Frauen sind nicht ‚Schuld‘ an hoher Teilzeitquote in Tirol“

Bezahlte und unbezahlte Arbeit besser verteilen, Kinder- und schulische Tagesbetreuung ausbauen, Rechtsanspruch auf Papamonat

In Tirol arbeiten besonders viele Frauen Teilzeit. „Unser Bundesland schneidet bei vielen Kennzahlen, die eine gleichberechtigte Gesellschaft ausdrücken, sehr schlecht ab. Nur 32% der Tirolerinnen haben einen ganzjährigen Vollzeitjob. Das bedeutet für viele Frauen existentielle Probleme, wenn es zu einer Trennung kommt, oder in der Pension“, sagt SPÖ-Landesfrauenvorsitzende Selma Yildirim.

Sie hält es für eine verzerrte Darstellung, die Schuld an der hohen Teilzeitquote bei Frauen wieder den Frauen zuzuschieben. „Nicht können oder nicht wollen, das ist wie die Frage, ob zuerst die Henne oder das Ei da war. Beim Gesellschaftsmodell, der partnerschaftlichen Arbeitsteilung, müssen wir den Hebel ansetzen“, ist Yildirim überzeugt. Dass es hier noch hapert, ist auch beim Interesse am Papamonat zu sehen. Seit März wurden in Tirol nur 43 Anträge gestellt (österreichweit waren es 1089). Yildirim fordert einen Rechtsanspruch. Die Väterbeteiligung bei der Kindererziehung soll ausgebaut werden.

Speziell Tirol ist noch von einem traditionellen Gesellschaftsbild geprägt. „Männer machen die bezahlte Arbeit und oft unzählige Überstunden, Frauen schultern den Großteil der unbezahlten Arbeit: Kindererziehung, Betreuung erwachsener Angehöriger, Haushalt und Co. Aufgrund der vielen Aufgaben, die Frauen abseits vom Beruf übernehmen, bleibt für einen Vollzeitjob oft kein Platz mehr“, so Yildirim. Hier sei auch die Solidarität der Männer gefordert.

Dauerbrenner ist in Tirol auch die Kinderbetreuung. „Speziell bei den Kleinsten und dann wieder bei den Schulkindern gibt es zu wenig Angebot. Bei den Kindergärten ist nach wie vor ein Ausbau der ganztägigen und ganzjährigen Betreuung notwendig“, sagt Yildirim.