Frauen auf der Flucht besonders schützen

BSA und Renner Institut luden zu Diskussion mit Nationalrätin Gisela Wurm und zwei geflüchteten Frauen in Innsbruck

Gewalt, Geschlechtsverkehr als Überlebensstrategie (survival sex), Zwangsprostitution, Ausbeutung, Diskriminierung. Mittlerweile sind mehr als die Hälfte aller Flüchtlinge Frauen und Mädchen. Sie sind mit anderen Herausforderungen konfrontiert als Männer. NRin Gisela Wurm hat unter dem Titel „Der Schutz von weiblichen Flüchtlingen vor geschlechtsspezifischer Gewalt“ zwei Jahre an einem Bericht gearbeitet, der kürzlich im Europarat beschlossen wurde. Gestern fand dazu eine Veranstaltung in der Innsbrucker Kulturbäckerei statt, bei der auch zwei Frauen von ihren Fluchterfahrungen berichteten.

„Flüchtende Frauen sind auf ihrer Reise besonders gefährdet. Schutzlücken zu beseitigen und Risiken abzubauen sind Notwendigkeiten, die stärker in den Fokus gerückt werden müssen“, sagt Gisela Wurm.

„Das Ergebnis basiert auf Fact-Finding-Missionen in Berlin und Stockholm und auf duzenden Gesprächen, die ich mit geflüchteten Frauen geführt habe. So hat sich etwa gezeigt, dass viele Frauen in Flüchtlingslagern auf Grund von Gewalterfahrungen große Angst davor haben, auf die Toilette zu gehen. Ganz besonders in der Nacht, wenn sie dazu durch die Unterkunft gehen müssen und die Sanitäreinrichtungen möglicherweise nicht nach Geschlechtern getrennt sind“, schildert Wurm.

Sofiya Darsaniya ist Journalistin, wurde in Georgien geboren und kam über die Ukraine nach Österreich: „Die heile Welt in der Familie gibt es oft nicht. Häusliche Gewalt ist auch auf der Flucht ein großes Thema.“ Ein wesentliches Anliegen ist ihr ein ausreichendes Angebot an Deutschkursen mit entsprechender Kinderbetreuung.

Chirin Hamdoche kam aus dem syrischen Aleppo über die Türkei nach Tirol. Eigentlich hatte sie gehofft, rasch zurückkehren zu können. Aufgrund des Krieges war dies nicht möglich. Sie lebt mit ihrer Familie in Flaurling und engagiert sich als Menschenrechtsaktivistin. Es seien häufig die Frauen, die die Folgen von Kriegen besonders zu spüren bekommen, sagt sie.