Gewerkschaften, Gesellschaft, Arbeitsmarkt

FSG-Fetik: Unternehmen sollen ihren Beitrag zur Flexibilisierung leisten

Längere Arbeitszeiten ohne flächendeckende, leistbare Kinderbildungseinrichtungen undenkbar

„Ihre gebetsmühlenartige Forderung nach mehr Flexibilität können die Arbeitgeber am besten an sich selbst adressieren: Frauen leisten zwar zwei Drittel der Betreuungsarbeit, haben aber oft Schwierigkeiten, kurzfristig frei nehmen zu können, wie das kurzfristige angesetzte Termine, etwa in der Schule, oder akut auftretende Probleme nunmal erfordern“, kommentiert Ilse Fetik, Frauenvorsitzende der Fraktion Sozialdemokratischer GewerkschafterInnen (FSG) im ÖGB im Vorfeld des Internationalen Frauentags. Diese mangelnde Flexibilität bestätigt eine Studie der Statistik Austria, demnach haben 33 Prozent kaum die Möglichkeit, sich kurzfristig frei zu nehmen. Mehr als ein Drittel der ArbeitnehmerInnen haben Probleme, flexibel freie Tage konsumieren zu können. Besonders betroffen sind Frauen, Beschäftigte im Verkauf sowie in der Maschinenbedienung und HilfsarbeiterInnen.

Dazu kommt, dass in Österreich nach wie vor ein Mangel an Kinderbetreuungsplätzen herrscht, so Fetik weiter: „Bei den Unter-Dreijährigen fehlen 21.000 Plätze zur Erreichung des Barcelona-Ziels, für mindestens ein Drittel der Kleinkinder einen Betreuungsplatz zu haben. Von Kindergärten, die sich mit ihrer Vollzeitbeschäftigung vereinbaren lassen, können viele Eltern nur träumen: vier von zehn Kindergärten in Österreich sperren vor 15.00 Uhr. Natürlich sind AlleinerzieherInnen davon stärker betroffen.“

Ohne flächendeckende, qualitativ gute und vor allem leistbare Kinderbildungseinrichtungen wäre eine weitere Flexibilisierung der Arbeitszeiten praktisch unmöglich, so Fetik abschließend: „Auch Unternehmen sollen ihren Beitrag zur Flexibilisierung leisten, indem sie einerseits in Betriebskindergärten investieren und sich andererseits stark machen für den Ausbau der öffentlichen Kinderbetreuung. Kinder und Beruf dürfen kein Widerspruch sein – sowohl für die Zukunftsfähigkeit der Betriebe als auch für die der gesamten Volkswirtschaft ist die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen am Wirtschaftsprozess unabdingbar.“