Wien, Frauentag, SPÖ

Frauentag im ega: Frauen schaffen Zukunft!

Anlässlich des Frauentags luden die Wiener SPÖ-Frauen ins ega. Neben Kunst und Musik gab es einen Expertinnen-Talk zum Thema Arbeit, sowie Gedenken an SPÖ-Ministerin Sabine Oberhauser

Am gestrigen Samstag luden die Wiener SPÖ-Frauen anlässlich des Frauentags ins ega. Seit 1977 wird der Internationale Frauentag weltweit am 8. März begangen. Neben Kunst, einem Expertinnen-Talk zum Thema „Frauen schaffen Zukunft“ und einer Vernissage, gab es auch ein umfassendes Musikprogramm. Der Abend stand außerdem im Zeichen des Gedenkens an die kürzlich verstorbene SPÖ-Frauenministerin aus Wien, Sabine Oberhauser.

Die Vorsitzende der Wiener SPÖ-Frauen, Stadträtin Renate Brauner erinnerte in der Eröffnungsrede an die beliebte Ministerin und Sozialdemokratin: „Mit Sabine ist eine solidarische, liebenswerte und kämpferische Freundin von uns gegangen – und sie fehlt uns schon jetzt. Sabine hat ausgezeichnet, dass sie ein offenes Ohr für unterschiedlichste Anliegen, aber vor allem ein offenes Herz für die Menschen hatte – in der Politik wie auch persönlich.“ Als Gewerkschafterin und Frauenministerin war sie seit jeher eine Kämpferin für Frauenrechte. „Sabine Oberhauser sagte, dass Politik das Bohren harter Bretter sei. Bei Frauenpolitik komme noch eine Stahlplatte hinzu. Liebe Sabine, wir werden an dieser Stahlplatte in deinem Sinne mit Nachdruck weiter bohren. Wir werden dich nie vergessen.“

Zwtl.: Gute Bedingungen für eine gute Arbeitswelt (für Frauen) schaffen
Nach einer Schweigeminute für Sabine Oberhauser stand auch der anschließende Talk zum Thema Arbeit in ihrem Gedenken, ging es Oberhauser als Gewerkschafterin immer um faire Arbeitsbedingungen speziell für Frauen. Mit den Stadträtinnen Renate Brauner und Sandra Frauenberger diskutierten darüber die feministische Ökonomin Katharina Mader und Elisabeth Kubicek, Betriebsratsvorsitzende Nokia Solution and Networks Österreich GmbH.

„Arbeit spielt eine ganz zentrale Rolle in den Lebenswelten von Frauen. Ein sicherer Arbeitsplatz, gute Arbeitsbedingungen, gerechte Bezahlung sowie ein ausgeglichenes Verhältnis von Arbeit und Freizeit sind essentiell für ein gutes, selbstbestimmtes und unabhängiges Leben. Unser Ziel ist es, gemeinsam gute Bedingungen für eine gute Arbeitswelt (für Frauen) zu schaffen“, resümierte Brauner. Dabei gehe es vor allem um das „gemeinsame Anpacken“. „Nur, wenn alle gemeinsam an einem Strang ziehen, können positive Veränderungen bewirkt werden. Unternehmen, Politik und Gewerkschaft sind dabei gleichermaßen gefragt, den Weg in Richtung Gleichberechtigung zu gehen“.

Hierzu stellte die Betriebsratsvorsitzende der Nokia Solution and Networks Österreich GmbH, Elisabeth Kubicek fest, dass besonders im Technikbereich die Förderung von Frauen wichtig sei. „Viel zu oft heißt es: Technische Berufe sind was für Männer. Die Frauen machen dann eher eine kaufmännische Ausbildung. Hier brauchen wir mehr Bewusstsein, um Mädchen für technische Berufe zu begeistern.“ Direkt im eigenen Unternehmen haben die KollegInnen durch Home-Office und Karenzzeit (auch für Männer) die Möglichkeit, Beruf und Familie besser zu vereinbaren.

Ökonomin Katharina Mader betonte, dass es bei der feministischen Ökonomie darum gehe, alle Arten von Arbeit – bezahlte und unbezahlte – sichtbar zu machen. Gerade im Rahmen der Digitalisierung der Erwerbsarbeit fokussieren sich Analysen zumeist auf die Entwicklungen im Produktionsbereich. Der gesamte Care-Arbeitsbereich wird ausgeblendet, wobei gerade in diesem Bereich viele Frauen arbeiten. So gibt es beispielsweise kaum geschlechtsspezifischen Analysen, wer wie vom Jobverlust bedroht ist. „Aus feministischer Perspektive muss es daher immer auch um Umverteilung gehen – Umverteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit, aber auch von Einkommen, Vermögen und Macht.“

Zentrale Forderungen sind für die Wiener SPÖ Frauen eine verpflichtende Lohntransparenz für Unternehmen, die Einführung verpflichtender Frauenquoten sowie ein Mindestlohn von 1.500 Euro bei Vollzeitbeschäftigung. Gute Bedingungen in der Arbeitswelt müssen für alle gelten, für Frauen genauso wie für Männer. Darüber hinaus bedarf es auch eines Umdenkens in punkto Aufteilung unbezahlter Arbeit wie Haushalt, Kinderbetreuung oder Pflege. Letztere wird zu gut zwei Drittel von Frauen erledigt.

„Ebenso wie Männer haben auch Frauen das Recht auf ein selbstbestimmtes und unabhängiges Leben. Damit die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben nicht zu einem Drahtseilakt für Frauen wird, bedarf es entsprechender Maßnahmen, die es Frauen ermöglichen, einer Vollzeitbeschäftigung nachzugehen. Neben ausreichend Kinderbetreuungsplätzen gehört dazu auch die gerechte Aufteilung unbezahlter (Haus-)Arbeit innerhalb einer Partnerschaft“, hielt Frauenstadträtin Sandra Frauenberger fest.

Zwtl.: Weiterbildungsprogramme für Frauen
Für mehr Geschlechtergerechtigkeit werden in Wien umfangreiche Maßnahmen gesetzt. Darum ist hier die Lohnschere im Österreichvergleich am geringsten und das Einkommen für Frauen am höchsten. „Grund dafür ist, dass wir Frauen in Wien gezielt unterstützen: Der Gratiskindergarten ermöglicht eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Genauso werden Frauen bei der Weiterbildung mit speziellen Programmen gefördert, damit sie ihre Karrierechancen verbessern können“, betonte Brauner.

In Wien wird die gläserne Decke außerdem auf vielfältige Art und Weise durchbrochen und damit die Einkommensschere weiter geschlossen: Durch Quoten und Einkommenstransparenz auf Stadtebene, durch die Koppelung der öffentlichen Auftragsvergabe an frauenfördernde Maßnahmen sowie durch die Veröffentlichung des Einkommensberichts. Dadurch sind 2015 bereits 22 von 60 Magistratsabteilungen in Frauenhand. Das entspricht einem Frauenanteil von 37 Prozent – 1997 bei Einführung der Frauenquote waren es noch 5 Prozent.

Abschließend betonten die DiskutantInnen, dass der Internationale Frauentag traditionell im Zeichen des Kampfes für Frauenrechte stehe, sei es am Arbeitsplatz, in der Gesellschaft oder in den eigenen vier Wänden: „Wir lassen nicht nach, sondern werden Frauen weiter empowern und uns für ihre Rechte stark machen. Denn nur gemeinsam brechen wir verkrustete Strukturen auf. Gemeinsam machen wir Wien für die Frauen besser“, betonten Brauner und Frauenberger abschließend.

Nach dem Talk zum Thema Arbeit erwartete das Publikum ein abwechslungsreiches künstlerisches Programm. Andrea Händler präsentierte ein Best-of aus dem Programm „Ausrasten“, eröffnet wurde die Vernissage der Künstlerin Erzsebet Nagy Saar. Musikalisch unterhielten Andrea Eckert, Little Big Sea, Anakathie Koi und The Su’sis und Edgar Tones die zahlreichen BesucherInnen.

Zwtl.: 8. März: Start der Frauenumfrage und Aktionstag
Die Kampagne der Wiener SPÖ-Frauen „Frauen schaffen Zukunft“ geht in die nächste Phase. Ab 8. März können die Wienerinnen aktiv mitmachen: Unter www.frauenschaffenzukunft.at geht’s um ihre Meinung zu Weiterbildung, Vereinbarkeit und Arbeitszeit.

Anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März 2017 findet außerdem wienweit ein Aktionstag zur Kampagne statt. Alle Infos: www.wien.spoe-frauen.at