Frauenpreis, Kommunales, Frauenberger

Frauenberger: 15. Wiener Frauenpreis geht an Beate Wimmer-Puchinger und Maria Mayrhofer

Pionierin der Wiener Frauengesundheit und Geschäftsführerin der NGO „aufstehn“ werden für ihr frauenpolitisches Engagement ausgezeichnet

Im feierlichen Rahmen wurde gestern im Wiener Rathaus der 15. Wiener Frauenpreis verliehen. Frauenstadträtin Sandra Frauenberger würdigte damit zwei Frauen, die sich im außerordentlichen Ausmaß für die Selbstbestimmung von Frauen engagieren. In der Kategorie „Frauengesundheit“ hat sich die Jury für Beate Wimmer-Puchinger, langjährige Frauengesundheitsbeauftragte der Stadt Wien und Gesundheitsexpertin, entschieden. In der Kategorie „Gegen Hass im Netz“ wird die Geschäftsführerin der NGO „aufstehn“ Maria Mayrhofer für ihren Einsatz gegen sexualisierte Gewalt im Internet ausgezeichnet. „Mit dem Wiener Frauenpreis holen wir engagierte Frauen vor den Vorhang, die sich für gleiche Rechte engagieren. In diesem Jahr zeichnen wir einerseits eine langjährige Kämpferin aus, die Pionierin in einem wichtigen Thema der Frauenbewegung ist und eine engagierte Frau, die sich gegen Hass im Internet einsetzt. Das zeigt, wie vielfältig der Einsatz für Frauenrechte in Wien ist“, so Frauenberger.

Die Preisträgerinnen wurden von einer Dreier-Jury bestehend aus den Journalistinnen Mag.a Brigitte Handlos (ORF), Mag.a Eva Linsinger (profil) und Dr.in Tessa Prager (NEWS) ausgewählt. Die Preisträgerinnen erhalten neben 3.000 Euro Preisgeld eine Statue, die von Ulrike Truger gestaltet wurde.

Zwtl.: Jurybegründung Beate Wimmer-Puchinger

Schon mit einer ihrer ersten Forschungsarbeiten über die Motive zum Schwangerschaftsabbruch löste die klinische Psychologin heftige Diskussionen aus. Es waren die 1970er Jahre, die Frauenbewegung kämpfte um das Selbstbestimmungsrecht der Frau. Noch galt der männliche Körper in der Medizin als die Norm, Frauen kamen nur am Rand vor. Waren sie krank, wurden Ihnen allzu schnell Medikamente verschrieben. Nach den Ursachen wurde damals wenig gefragt und Prävention war kaum ein Thema.

Wimmer-Puchinger forschte zu Geburtenregelung und Schwangerenbetreuung, baute an der Semmelweis-Frauenklinik eine psychosomatische Ambulanz und Österreichs erstes Frauengesundheitszentraum F.E.M. auf. Sie erstellte den ersten Wiener Frauengesundheitsbericht, in dessen Folge das Wiener Frauengesundheitsprogramm erarbeitet wurde. 1999 wurde Professorin Wimmer-Puchinger Frauengesundheitsbeauftragte der Stadt, um das Programm umzusetzen. Sie blieb in dieser Funktion bis zum Jahr 2015. Mit großem Engagement forschte, informierte und entwickelte sie Programme zu Essstörungen, gegen mediale Schönheitsideale und den „Supermarkt“ Schönheitschirurgie, zu postnatalen Depressionen, Brustkrebsscreening, Gewalt gegen Frauen, weiblicher Genitalverstümmelung, Gesundheitsförderung für sozial benachteiligte Frauen oder Schulungen für das Spitalspersonal zur Früherkennung von häuslicher Gewalt. Das sind Themen, die uns heute geläufig sind – und dazu hat Beate Wimmer-Puchinger entscheidend beigetragen. Für sie war und ist die Gesundheit von Frauen ein Beitrag zu Chancengleichheit und Geschlechtergerechtigkeit. Beate Wimmer-Puchingers Arbeit war ein wesentlicher Beitrag zur Gesundheit von Frauen in Wien. Deshalb hat sich die Jury entschieden, der Pionierin der Frauengesundheit den Wiener Frauenpreis zu verleihen.

Zwtl.: Jurybegründung Maria Mayrhofer

Auch Männer bekommen Hasspostings und werden Opfer von Shitstorms im Internet. Richten sich die Aggressionen gegen Frauen, kommt allerdings ein spezieller Unterton dazu: Viele der Hasspostings sind sexuell konnotiert und damit sexualisierte Gewalt, der Frauen von einer kleinen, aber sehr lauten Gruppe im Netz ausgesetzt sind. Das ist – auch – eine Form der Einschüchterung – bei der jede Frau Hilfe und Solidarität brauchen kann.

#aufstehn bietet diese Unterstützung: Das Team thematisiert Hass und sexualisierte Gewalt im Netz, half mit, es zur öffentlich diskutierten Agenda zu machen und PolitikerInnen zum Handeln zu bewegen. Die Aktion #solidaritystorm war ein Beispiel einer digitalisierten Kampagne, um im Internet ein Gegengewicht zu Hasspostings zu schaffen.

Maria Mayrhofer leitet das #aufstehn-Team, eine relativ neu gegründete NGO. Als Geschäftsführerin plant und koordiniert die Politologin Kampagnen, schmiedet Koalitionen und versucht, im Netz zu mobilisieren. Mayrhofer ist dabei stets eine laute und engagierte Stimme für Gender-Themen und hat einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, das Thema Hass im Netz zu einer Agenda zu machen, die nicht die Privatsache von Frauen ist, die von Hasspostings betroffen sind. Daher hat sich die Jury entschieden, Maria Mayrhofer von #aufstehn den Wiener Frauenpreis zu verleihen.