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Yildirim: „Tirol lässt Geld für Kinderbetreuung liegen“

Nur 8% des Bundeszuschusses für das Jahr 2015 wurde abgeholt. Aufholbedarf bei Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Krippen und Kindergärten sind nicht nur die ersten Bildungseinrichtungen, sie sind auch ausschlaggebend für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und für die Gemeinden ein Standortvorteil. „Leider stehen sie immer noch nicht allen Eltern und Kindern in Tirol ausreichend zur Verfügung. Lediglich 30% der Kinder zwischen 3 und 5 Jahren haben einen Betreuungsplatz, der dem Vereinbarkeitsindex entspricht“, kritisiert SPÖ-Landesfrauenvorsitzende Selma Yildirim.

„Für den Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtung stellt der Bund einen Zuschuss zur Verfügung. Davon hat Tirol 2015 nur 8% abgeholt und ist damit Schlusslicht im Bundesländervergleich. Österreichweit wurden knapp 52% des Geldes investiert. Mit 85% ist Niederösterreich an erster Stelle. Das zeigen Zahlen aus einer Anfragebeantwortung der Grünen an ÖVP-Familienministerin Karmasin“, schildert Yildirim. (Anfragebeantwortung hier nachzulesen: https://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXV/AB/AB_09938/imfname_575522.pdf)

Zwar können die Länder die Mittel übertragen, dennoch stehe Tirol schlecht da. „Tirol macht hier keine gute Figur. Von Vereinbarkeit von Beruf und Familie kann oft keine Rede sein. Vielen Frauen mit Betreuungspflichten bleibt damit nur ein Teilzeitjob. Die Konsequenz ist oft eine Minipension im Alter. Hier politisch gegenzusteuern ist längst überfällig“, so Yildirim.

Verwunderlich findet Yildirim, dass die zuständige Landesrätin Palfrader in einer Aussendung betont, dass jeder Euro in die Kinderbetreuung sinnvoll investiert sei, aber gleichzeitig so viel Geld liegen bleibt. „Ganz offensichtlich läuft hier etwas falsch, Frau Landesrätin.“ Sie sieht das Land in der Pflicht, die Gemeinden stärker zu unterstützen.

Das statistische Datenmaterial zeigt nämlich außerdem: Tirol gibt bundesweit am wenigsten öffentliche Mittel für die Kinderbetreuung pro Kind aus. 3440,- Euro waren es im Jahr 2014 (aktuellstes Datenmaterial der Statistik Austria). Der Österreichschnitt liegt bei 4598,- Euro, Wien gibt mit 6204,- Euro am meisten aus.

Die Kosten werden in Tirol zu 91,2% von den Gemeinden, zu 8,8% vom Land getragen. In Vorarlberg beträgt der Landesanteil 15,7%, in Niederösterreich sogar 43,4%.

 

Betreuungsquote in Tirol:

Tirol weist laut der Kindertagesheimstatistik 2015/16 der Statistik Austria eine Kinderbetreuungsquote der 0- bis 2-Jährigen von 23,4%, bei den 3- bis 5-Jährigen von 93,9% und 9,6% bei den Sechs- bis Neun-Jährigen auf. (Österreich: 25,5%, 93%, 16,5 %)

 

Öffnungszeiten Kinderbetreuung in Tirol

Nur 30% der 3- bis 5-jährigen Kinder in Tirol, die eine Kinderbetreuungseinrichtung besuchen, sind in VIF-konformer Betreuung. (VIF ist der Vereinbarkeitsindex für Beruf und Familie und bedeutet ein Betreuungsangebot von mindestens 45 h pro Woche, mit Mittagessen, täglich mindestens 9,5 h geöffnet, ganzjährig mit einer Schließdauer von maximal 5 Wochen.)

Kindergärten in Tirol haben durchschnittlich an 43,6 Tagen geschlossen, 75% sperren schon vor 16.30 Uhr zu. Nicht einmal die Hälfte bietet nach 14 Uhr noch Betreuung an, nur 5% sperren erst nach 17.30 Uhr zu.

37 % der Kinder werden ganztägig, d.h. länger als 6 Stunden (!) betreut. 7% der Kindergärten haben in den Sommerferien geöffnet. Nur knapp 10% der Mütter von Kindergartenkindern arbeiten Vollzeit. (Quelle: Statistik der Kinderbetreuungseinrichtungen in Tirol 2015/2016)