Gewaltschutz in Tirol: Frauen unterstützen, Wege aus Gewaltbeziehungen zu finden

SPÖ-Frauen machen mit Aktionen auf Hilfseinrichtungen aufmerksam

460 Betretungsverbote verzeichnet das Tiroler Gewaltschutzzentrum in seiner Statistik für das Jahr 2015. Dahinter verbergen sich oft lange Leidenswege. Frauen scheuen sich oft Hilfe zu rufen, wenn sie von Gewalt betroffen sind – speziell dann, wenn der Täter aus dem nahen Umfeld kommt. Speziell in Tirol fehlen viele Plätze in Schutzeinrichtungen. Seit Jahren drängen die SPÖ-Frauen daher auf den Neu- und Ausbau des autonomen Frauenhauses. Landesfrauenvorsitzende GRin Selma Yildirim sowie die SPÖ-Frauensprecherinnen in Landtag und Nationalrat, SPÖ-Vorsitzende LA Bgm.in Elisabeth Blanik und NRin Gisela Wurm. Erinnern anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt nochmals daran, dass von der Politik Taten längst überfällig sind.

 

#Gewaltschutz: Mit Sicherheit in Ihrer Nähe
Häusliche Gewalt ist kein Kavaliersdelikt. Damit Frauen im Falle eines Falles wissen, wo sie sich hinwenden können, wollen wir die Hilfseinrichtungen in Österreich besser bekannt machen und Frauen Mut machen, den Weg aus dieser belastenden Situation zu finden“, sagen die Politikerinnen.

So ist neben der Polizei (Notruf: 133) auch die Frauenhelpline 0800 222 555 rund um die Uhr erreichbar. Gewaltschutzzentren und Frauenhäuser bieten darüber hinaus Schutz. Einen raschen Kontakt zu Hilfseinrichtungen bietet die fem:HELP-App, die auf der Seite des Frauenministeriums unter www.bmgf.gv.at/home/femHelp_App heruntergeladen und direkt aufs Handy gespeichert werden kann.

Straßenaktionen der SPÖ-Frauen
Im Rahmen der internationalen Kampagne „16 Tage gegen Gewalt“ vom 25. November bis 10. Dezember 2016 machen die SPÖ-Frauen in ganz Österreich Straßenaktionen unter dem Motto „Mit Sicherheit in Ihrer Nähe“. Verteilt werden rote Pfeiferl  („Pfeif auf Gewalt“) und Karten mit wichtigen bundesweiten und regionalen Anlaufstellen. In Tirol sind mehrere Veranstaltungen geplant. Zum Beispiel am 28. November um 16 Uhr vor dem Einkaufszentrum Sillpark. „Frauenministerin a.D. Helga Konrad wird uns dabei unterstützen. Anschließend hält sie einen Vortrag zum Thema Frauen, Flucht und Menschenhandel“, so Yildirim.

Gewaltschutz wurde ausgebaut
Im Juli 2016 wurde mit einer weiteren Novelle des Sicherheitspolizeigesetzes der Gewaltschutz ausgebaut. Ein Betretungsverbot kann nun auch über Schulen, Kindergärten etc. erlassen werden, wenn kein Betretungsverbot über die Wohnung erlassen wurde. Das ist insbesondere dann wichtig, wenn Frauen und Kinder in Schutzeinrichtungen wie Frauenhäuser leben und der Täter den Wohnort des Kindes nicht kennen soll. Weiters wird im Rahmen eines verpflichtenden Tätergespräches dem Gefährder von geschulten BeamtInnen vor Augen geführt, welche Konsequenzen es für ihn hätte, wenn er wieder straffällig würde.

Strafrechtsnovelle: Sexuelle Belästigung ist ein Strafdelikt
Eine informelle Umfrage der SPÖ-Frauen in ganz Österreich unter 1.700 Frauen hat gezeigt: Die Mehrheit der Frauen ist mit sexualisierten Übergriffen im Alltag konfrontiert. Unerwünschte Umarmungen oder Küsse haben 29 Prozent der befragten Frauen öfters, und 24 Prozent einmal erlebt. Im Rahmen der Strafrechtsnovelle, die Anfang des Jahres in Kraft getreten ist, wurde sexuelle Belästigung ein Strafdelikt. Auch hier ist es wichtig, gut über die eigenen Rechte Bescheid zu wissen. Online-Beratung zu frauenspezifischen Themen bietet anonym und kostenlos der Verein „Frauen beraten Frauen“ unter www.frauenberatenfrauen.at.

Cybermobbing ist strafbar
Laut einer britischen Studie sind Frauen dreimal so häufig im Netz von Hasspostings betroffen. Verunglimpfungen, Herabwürdigungen, sexualisierte Gewalt – immer mehr Frauen reicht es. Seit Anfang des Jahres gibt es eine rechtliche Handhabe gegen Cybermobbing. Wer im Internet Lügen über andere Personen verbreitet oder jemanden beschimpft, kann strafrechtlich verfolgt werden.

 

Österreichweite Daten

(Quelle: Statistik der Gewaltschutzzentren / Wiener Interventionsstelle)

Im Jahr 2015

  • wurden von der Polizei österreichweit 8.261 Betretungsverbote verhängt
  • 17.621 Opfer familiärer Gewalt wurden von den Gewaltschutzzentren/Interventionsstellen betreut
  • 85,5 Prozent der unterstützten KlientInnen waren Frauen und Mädchen, 92,4 Prozent der Gefährder waren männlich
  • 2.193 Anträge auf einstweilige Verfügung wurden mit Unterstützung der Gewaltschutzzentren/Interventionsstellen gestellt