Wurm, Einkommenstransparenz, Arbeitsmarkt

Wurm zu Gender-Wage-Gap: Nur wer Infos über Gehaltsstrukturen erhält, kann gut verhandeln

Nachschärfen bei den Einkommensberichten ist wichtiger Schritt zur Schließung der Einkommensschere

„Verhandlungsgeschick ist keine Rechtfertigung für die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen, vor allem nicht, wenn diese Verhandlungen unter intransparenten Bedingungen stattfinden“, sagt SPÖ-Frauensprecherin Gisela Wurm zum am Donnerstag in der Tiroler Tageszeitung vorgestellten „trendence Graduate Barometer“. Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass sich geschlechtsspezifische Gehaltsunterschiede bereits vor dem Berufseintritt manifestieren, weil Frauen in Gehaltsverhandlungen weniger Geld fordern. Für die SPÖ-Frauensprecherin ein Beweis, wie wichtig Nachschärfungen bei der Einkommenstransparenz sind. „Es ist nicht so, dass Frauen ein geringeres Einkommen einfach akzeptieren, sondern sie wissen oft einfach nicht, wer für welche Leistung wie viel bekommt“, betont Wurm.

Wurm will daher, dass Einkommensberichte bereits ab einer Betriebsgröße von 100 Beschäftigten erstellt werden (derzeit sind es 150). Außerdem sollen diese zu einem verpflichtenden Bestandteil der jährlichen Wirtschaftsgespräche zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern werden. Werden die Transparenz-Vorgaben nicht eingehalten, soll es zu spürbaren Sanktionen kommen. „Die Arbeitgeber sind dafür verantwortlich, dass Frauen bei der Bezahlung nicht diskriminiert werden. Für gerechte und faire Gehaltsverhandlungen sind Informationen über die Gehaltsstrukturen in den Unternehmen unbedingt notwendig“, so Wurm.

Der „trendence Graduate Barometer“ wurde unter mehr als 24.000 StudentInnen aus 24 europäischen Ländern durchgeführt und kam zu dem Ergebnis, dass europäische Wirtschaftsstudentinnen im Schnitt um ein Viertel weniger Gehalt verlangen als ihre männlichen Kollegen. In Österreich sind es 19 Prozent weniger. Technikerinnen verlangen durchschnittlich 20,6 Prozent weniger, in Österreich sind es 17,3.