Neubau des Tiroler Frauenhauses – Jetzt!

„Land Tirol nimmt den Schutz von Frauen, die von Gewalt betroffen sind, seit Jahren nicht wichtig genug. Viel zu wenig Plätze in Schutzeinrichtungen“

„Uns reicht’s“, sagten die SPÖ-Frauen heute bei einer Pressekonferenz zum Thema Neubau des autonomen Frauenhauses. „Es ist eine Schande, dass es nicht schon längst steht. Diese Bettelei ist unwürdig.“

Von Gewalt aus der unmittelbaren Familie betroffen oder bedroht zu sein, das ist wohl das Schlimmste, was einem Menschen passieren kann. Immer wieder müssen in Tirol Frauen von Schutzeinrichtungen abgewiesen werden, weil es viel zu wenige Plätze gibt.

„Ein Leben frei von Gewalt darf kein Privileg sein, es ist ein Menschenrecht. Dieses Thema können wir gar nicht wichtig genug nehmen“, das steht für SPÖ-Landesfrauenvorsitzende Selma Yildirim und die Frauensprecherinnen der SPÖ in Nationalrat und Landtag, Gisela Wurm und Gabi Schiessling außer Frage.

Seit Jahren wird der Neubau des Tiroler Frauenhauses versprochen, aber nicht umgesetzt. „Es wird verzögert, vertröstet, verharmlost. Wir sind nicht länger bereit, das zu akzeptieren. Wer geschlagen wird, dem hilft es nicht, auf einer Warteliste für einen Frauenhausplatz zu stehen. Schutz und Hilfe sind zu garantieren.“

Für die SPÖ-Frauen ist das eine Frage der Prioritäten. „Das Land Tirol nimmt den Schutz von Frauen, die von Gewalt betroffen sind, seit Jahren nicht wichtig genug. Wenn der Wille da ist, kann ein neues Frauenhaus innerhalb weniger Monate stehen. Im Verhältnis zum Landesbudget geht es dabei nur um kleine Summen.“

Im November 2013 hat LRin Baur einen Neubau mit 16 zusätzlichen Plätzen angekündigt. Noch immer wurde mit dem Bau nicht begonnen.

 

Zahlen, Daten, Fakten:

Jede fünfte Frau in Österreich wird in ihrem Leben Opfer von Gewalt.

Österreich war im Bereich Gewaltschutz immer vorbildlich und das soll so bleiben. Kurz vor dem Sommer wurden weitere gesetzliche Maßnahmen beschlossen.

Im Bereich der Menschenrechte spielt der Europarat eine wichtige Rolle. Die Istanbul Covention zum Schutz von Frauen und Kindern vor Gewalt wurde am 11.5.2011 beschlossen und von Österreich ratifiziert.

Darin vorgesehen ist ein Frauenhausplatz pro 10.000 Einwohner. Auf Tirol umgelegt bräuchte es daher rund 70 Plätze.

Im Autonomen Tiroler Frauenhaus wird großartige Arbeit geleistet. Im Jahr 2014 standen 100 Frauen auf der Warteliste. Zudem ist das Haus sehr sanierungsbedürftig.

In Tirol gibt es ein weiteres Frauenhaus, bei dem es ebenfalls lange Wartelisten gibt. In den geschützten Frauenhäusern stehen somit Plätze für 16 Frauen (+ Kinder) zur Verfügung. 

In manchen Gemeinden wurden – mitunter inoffizielle – Notwohnungen eingerichtet. Die genaue Zahl kennen aber nicht einmal die Beratungseinrichtungen. Laut ihrer Auskunft sind die Einrichtungen oft voll und es gibt lange Wartelisten.

Die Finanzierung der Frauenhäuser ist Ländersache.

1051 Personen (83,87% davon Frauen) wurden in Tirol im Jahr 2015 Opfer von häuslicher Gewalt und suchten Hilfe beim Gewaltschutzzentrum. Betroffen sind in diesen Haushalten zusätzlich 655 minderjährige Kinder.

Im Jahr 2015 wurden in Tirol 460 Betretungsverbote verhängt. 682 strafbare Delikte wurden angezeigt.