Yildirim / Schiessling: „Heimat bist du großer Töchter – Leistung von Frauen sichtbar machen“

Unterschiedliche Bewertung von Männer- und Frauenarbeit zieht sich von Anerkennung ehrenamtlicher, bis zur Entlohnung von Erwerbsarbeit. Kritik an mangelnder Ernsthaftigkeit des Landes.

„Frauen leisten zwei Drittel der unbezahlten Arbeit, machen vielfach durch ihre Leistungen das ehrenamtliche Engagement von Männern erst möglich und die Männer streifen die Lorbeeren dafür ein. Das ist in Tirol immer noch die Realität“; kritisieren SPÖ-Landesfrauenvorsitzende Selma Yildirim und LA Frauensprecherin Gabi Schiessling.

„Bei Ehrungen und Auszeichnungen sind Frauen bei weitem unterrepräsentiert. Ganz deutlich zeigt sich das, wenn Landesauszeichnungen vergeben werden“, schildert Yildirim. Da Männer oft in gewählten, offiziellen Bereichen aktiv sind, gehen Ehrungen überproportional an sie, da insbesondere prestigeträchtige Tätigkeiten bei Feuerwehr, Rettung oder in Vereinen ausgezeichnet werden.

Nachbarschaftshilfe oder auch wissenschaftliche und künstlerische Tätigkeiten gehen dagegen oft unter. „Wenn schon Ehrungen, dann muss der Kriterienkatalog auf Tätigkeiten außerhalb von offiziellen Strukturen erweitert werden“, fordert Yildirim einmal mehr.

Aber auch im wissenschaftlichen Bereich ist das Missverhältnis eklatant. Von derzeit 41 Personen, denen das Ehrendoktorat der Universität Innsbruck verliehen wurde, ist nur eine Frau. Natürlich spiegelt dies in keiner Weise die Leistungen der Frauen wider.

„Das Land Tirol nimmt seine Vorbildfunktion ebenso nicht wahr. Im Landesdienst sind nur rund 17% der Führungspositionen mit Frauen besetzt. Das Frauenförderungsprogramm von LH Platter mit dem Ziel, 40% Frauen in allen Verwendungsgruppen zu beschäftigen, ist leider das Papier nicht wert, auf dem es geschrieben steht, das hat er mit der Besetzung von Top-Positionen im Landhaus öffentlichkeitswirksam demonstriert“, so Schiessling.

Sie fordert eine verbindliche Geschlechterquote von 40%, verpflichtende Hearings, sowie gereihte Dreiervorschläge im öffentlichen Bereich. „Vor drei Jahren haben wir einen Antrag im Landtag eingebracht. Der Fristsetzungsantrag, diesen Antrag sofort in den Ausschuss zu bringen wurde von Schwarz-Grün gerade abgelehnt. So viel zur Ernsthaftigkeit der Grünen in punkto Gleichberechtigung“, ärgert sich Schiessling.

„Die Chefetagen in Tirol sind nach wie vor männlich dominiert. Nur 25% der Unternehmen werden von Frauen geführt. Damit bildet Tirol österreichweit das Schlusslicht. Wieder macht das Land mit Besetzungen bei Hypo oder Tiwag keine gute Figur und das obwohl Studien belegen, dass Frauen erfolgreicher führen. Davon kann das Land doch nur profitieren“, ist Yildirim überzeugt.