Arbeitszeit – Arbeitswert: Fraueneinkommen in Kitzbühel

Yildirim/Grafoner: „Nur ein Drittel der Frauen hat einen ganzjährigen Vollzeitarbeitsplatz. Frauen verdienen im Schnitt fast 500,- pro Monat weniger. Kitzbühel achtschlechtester Bezirk in Österreich.“

In Tirol sind die Löhne niedrig und die Lebenshaltungskosten hoch. Seit Jahren ist Tirol das einkommensschwächste Bundesland. „Das liegt insbesondere an den geringen Fraueneinkommen. Sechs der zehn Bezirke Österreichs mit den niedrigsten Fraueneinkommen liegen in Tirol. Darunter auch Kitzbühel auf dem achtschlechtesten Platz“, schildert SPÖ-Landesfrauenvorsitzende Selma Yildirim.

Umso wichtiger ist ein ganzjähriger Vollzeitarbeitsplatz, von dem Frauen leben können und später auch eine ausreichende Pension haben. „Gerade für Frauen im Bezirk Kitzbühel ist das aber leider bei Weitem nicht selbstverständlich“, so Anna Grafoner, Bezirksfrauenvorsitzende der SPÖ in Kitzbühel. Nicht einmal ein Drittel (31,4 %) der Frauen im Bezirk hat einen solchen Arbeitsplatz, bei den Männern sind es 56%.

„Frauen sind im Bezirk Kitzbühel im Vergleich zu Männern deutlich benachteiligt. Im Jahr 2014 verdiente eine Frau fast 500,- Euro netto im Monat weniger als ein Mann. Das liegt vor allem an der touristischen Prägung des Bezirkes“, erläutert Grafoner.

„Der Fokus muss auf ganzjährigen Vollzeitarbeitsplätzen liegen. Sie ermöglichen ein selbstbestimmtes Leben und wirken der Armutsgefährdung von Frauen – ganz besonders in der Pension – entgegen. Bewusstseinsbildung oder Ausschreibung von Ganztagsstellen zuerst für Teilzeitarbeitskräfte im Betrieb sind wichtige Schritte“, so Yildirim und Grafoner.

Für die SPÖ-Frauen steht fest: Frauenbranchen gehören besser entlohnt, unbezahlte Arbeit aufgeteilt. Ebenso brauchen wir Initiativen gegen die Landflucht wie etwa gut funktionierende Kinderbetreuung. Nur 26% der Kindergartenkinder im Bezirk werden ganztägig betreut. An 36,8 Tagen im Jahr haben die Kindergärten geschlossen (Tirol: 44,2).

„Wir setzen uns für eine bessere Verteilung der Arbeit ein. Das bedeutet eine Verkürzung der Arbeitszeit auf 35 h pro Woche und höhere Besteuerung von Überstunden“, fasst Yildirim zusammen.

Denn: „Geht’s den Arbeitnehmerinnen gut, geht’s der Wirtschaft gut. Kaufkraft und Löhne stehen schließlich in engem Zusammenhang. Positiv wird sich in den Statistiken die mit Jahresbeginn in Kraft getretene Steuerreform auswirken. Wie wichtig diese Initiativen von Gewerkschaft und SPÖ war, zeigt sich am Beispiel Tirol besonders deutlich.“

 

Zahlen, Daten, Fakten im Überblick

Eine Frau im Bezirk Kitzbühel verdient im Durchschnitt 996,- Euro netto im Monat. 18,8% weniger als der Durchschnitt der Österreicherinnen. Männer verdienen 1489,- Euro, und somit um fast 50% mehr als Frauen.

Bei ganzjähriger Vollzeitarbeit sind es 1629,- Euro und 222,- Euro weniger als im Österreichvergleich (Männer: 2082,- Euro, -211,- Euro). Frauen verdienen 21,8% weniger als Männer. Verglichen mit den Tirolerinnen sind die Kitzbühelerinnen um 4,7% im Nachteil.

Tourismus und öffentlichkeitsnaher Bereich sind bei den Frauen die dominierenden Branchen. Im Tourismus werden unterdurchschnittlich wenige ganzjährige Vollzeitarbeitsplätze angeboten. Der öffentlichkeitsnahe Bereich in Kitzbühel bietet die besten Verdienstmöglichkeiten für Frauen. Das Jahresnettoeinkommen liegt in diesem Fall für Frauen bei 26.701,- Euro und ist 5% schlechter als im Tirolvergleich (Männer: 32.662,-, -6%).