Schiessling, Lohn, Yildirim

Yildirim / Schiessling: „Viel Arbeit und wenig Lohn ist für Frauen in Tirol weiter Realität“

Gleichstellungsbericht des Landes spricht deutliche Sprache. Politisch aktiv gegensteuern. Hauptproblem Teilzeit und Vereinbarkeit.
Wirtschaftliche Unabhängigkeit ist der Schlüssel zu einem selbstbestimmten Leben. „Für Frauen in Tirol ist das nach wie vor deutlich schwieriger als für Männer. Der gerade präsentierte erste Gleichstellungsbericht des Landes Tirol spricht hier eine deutliche Sprache. Die Politik ist gefordert“, ziehen die Tiroler SPÖ-Frauenvorsitzende Selma Yildirim und Frauensprecherin LA Gabi Schiessling ein erstes Resümee. Ausbau der Kinderbetreuung, bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, höhere Löhne, gerechtere Aufteilung der unbezahlten Arbeit, Neubewertung von Arbeit und gesellschaftliche Sensibilisierung bleiben für die SPÖ-Frauen die Hauptforderungen.

Mehr als die Hälfte der Tirolerinnen verdienen weniger als 1000,- Euro netto im Monat. Bei den Fraueneinkommen liegt Tirol im Bundesländervergleich am letzten Platz, bei den Bezirken ist Landeck das Schlusslicht. „Kein Mensch kann davon anständig leben. Nicht im aktiven Erwerbsleben und schon gar nicht später in der Pension. Frauen bekommen nur 59% der Pension von Männern und die Armutsgefährdung von Alleinlebenden (30% der Frauen, 13% der Männer) und Alleinerziehenden (mehr als 50%) ist sehr hoch.

Die Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern sind in Tirol besonders stark ausgeprägt und liegen zwischen 21% (ganzjährig Vollzeit) und 46%. Art und Ausmaß der Beschäftigung spielen ebenso eine Rolle wie die Bewertung von Arbeit.

„Das liegt unter anderem am in Tirol immer noch vorherrschenden Gesellschaftsbild und der traditionellen Rollenaufteilung. Zwar ist die Erwerbsquote der Frauen gestiegen. Erwerbsarbeit kommt aber zur unbezahlten Arbeit wie Haushalt, Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen dazu. Das Vereinbarkeitsproblem stellt sich insbesondere für Frauen. Daher arbeitet der überwiegende Teil der Frauen in Tirol Teilzeit. Weniger als ein Drittel haben eine ganzjährige Vollzeitarbeit“, so Yildirim und Schiessling.

Die traditionelle Rollenaufteilung, in der die Frau den Großteil der Familienarbeit übernimmt zeigt sich auch daran, dass in Tirol fast die Hälft die längste Kinderbetreuungsgeldvariante in Anspruch nimmt. Frauen arbeiten insgesamt mehr als Männer und vor allem arbeiten sie mehr unbezahlt.

„Der Druck, der auf Frauen lastet, ist groß. Ein Umdenken ist notwendig. Auch wenn das nicht von heute auf morgen geht, lässt sich das durchaus politisch steuern. Andere Länder machen es vor. Dass ÖVP-Präsidentschaftskandidat Khol in seinem neuen Buch Singlefrauen die Ehe nahelegt, da die Selbstverwirklichung ins Elend führe, zeigt, wo der Hund begraben liegt. Solche Ratschläge der Konservativen helfen Frauen nicht weiter. Heiraten und Kinder bekommen löst nicht alle Probleme. Es geht darum, Möglichkeiten für verschiedenste Lebensmodelle zu schaffen“, fordert Schiessling.

In entlegenen ländlichen Bereichen ist die Erwerbsquote von Frauen niedriger, die Arbeitslosigkeit und der Einkommensunterschied höher. „Gerade diese Zahlen sollten bei der Politik alle Alarmglocken schrillen lassen. Finden Frauen am Land keine entsprechenden Lebensbedingungen vor, ziehen sie in die Städte. Gehen die Frauen, ist das für die Gemeinden der Anfang vom Ende. Daher braucht es Möglichkeiten, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen, Arbeitsplätze und mehr politische Partizipation von Frauen als Gestalterinnen ihres Lebensraumes“, so Yildirim.

Ein wichtiger Faktor bei der Erwerbsbeteiligung ist die Bildung. Je höher die Bildung, umso höher ist sie und damit steigt auch die Verwirklichungsquote. Mit einem Akademikerinnenanteil von 27% ist die Landeshauptstadt Vorreiter. 44% der Tirolerinnen leben allerdings in ländlichen, 21% in entlegenen ländlichen Gemeinden.