Gewaltfrei leben, Opferschutz, Gewalt

Frauenministerin Heinisch-Hosek: Leitfaden bietet Hilfestellung für Krankenhauspersonal

Opferschutz ist oberste Priorität

Das Erkennen der Opfer ist nicht einfach, denn nicht immer trauen sich Opfer über die ihnen angetane Gewalt zu sprechen. Ziel des heute präsentierten Leitfadens ist die Unterstützung der Krankenhausangestellten bei der Weiterentwicklung von Opferschutzmaßnahmen sowie die bessere Kooperation zwischen Krankenanstalten und Opferschutzeinrichtungen. Der Leitfaden gibt Handlungsanleitungen zum Opferschutz im Krankenhaus.

„Krankenhäuser sind eine wichtige Schnittstelle zu Opferschutzeinrichtungen. Daher hat mein Ressort gemeinsam mit der EU-Kommission das Projekt ‚GewaltFREI LEBEN durch mein Krankenhaus‘ finanziert. Wir haben mit dem AKH Wien, Pflegekrankenhaus Haus der Barmherzigkeit, dem Krankenhaus der Barmherzigen Brüder und dem Hanusch Krankenhaus gemeinsame Richtlinien entwickelt und Schulungen durchgeführt. Daraus wurde der nun vorliegende Leitfaden für Krankenhäuser entwickelt, der bei der Erkennung von Gewalt hilft“, so Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek.

Rosa Logar, Leiterin der Interventionsstelle gegen Gewalt, erklärt: „Jede 3. Frau in der EU erleidet zumindest einmal in ihrem Leben sexuelle und/oder körperliche Gewalt, häufig durch einen Partner oder Ex-Partner, besagt eine Studie der EU-Grundrechtsagentur, und oft sind auch Kinder mit betroffen. Als Opferschutzeinrichtungen bieten wir den Betroffenen Beratung und praktische Hilfe. Den Leitfaden haben wir mit Unterstützung von ExpertInnen aus dem Gesundheitsbereich erstellt, um Management und MitarbeiterInnen in Krankenhäusern dabei zu unterstützen, das Problem zu erkennen und anzusprechen. Es ist wichtig, das Vertrauen der Opfer zu gewinnen und sie zu ermutigen, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Zusammenarbeit ist enorm wichtig, gemeinsam können wir die Versorgung der PatientInnen verbessern und zur Verhinderung von Gewalt beitragen.“

Sabine Eder, stellvertretende Leiterin der Opferschutzgruppe im AKH, berichtet über ihre Erfahrung: „Nur wenige Opfer von häuslicher Gewalt sprechen während einer Behandlung im Krankenhaus von sich aus über den tatsächlichen Grund einer Verletzung. Zu groß sind Scham-, Schuld- und Angstgefühle. Die FRA-Studie zeigt, dass es für 87 Prozent der Frauen allerdings kein Problem wäre, wenn bei bestimmten Verletzungen routinemäßig während einer Behandlung nach einer möglichen Gewaltbetroffenheit gefragt werden würde. Das Ansprechen eines Verdachtes durch Gesundheitsfachkräfte ist folglich Voraussetzung für Gewaltprävention im Krankenhaus.“

„Im Allgemeinen Krankenhaus der Stadt Wien – Medizinischer Universitätscampus ist der Opferschutz ein berufsgruppenübergreifend, zentraler und umfassender Bestandteil, er erstreckt sich auf alle zu betreuenden Menschen und bei Bedarf und Möglichkeiten auch auf deren Umfeld und schließt demnach auch für mich als Führungskraft die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ein", erklärt Sabine Wolf, Pflegedienstdirektorin im AKH Wien.

Fotos finden sich unter http://bdb.bmbf.gv.at/ unter Angabe des Fotografen BKA/Wenzel honorarfrei zum Download.