SPÖ-Frauen legen ab dem Internationalen Frauentag Fokus auf Arbeitszeit und Arbeitswert

Partnerschaftliche Arbeitsteilung statt zurück an den Herd-Politik, Arbeit gerecht entlohnen, raus aus der Teilzeit-Falle.

"Fragen rund um Arbeitszeit und Arbeitswert stellen die SPÖ-Frauen heuer ab dem Internationalen Frauentag in den Mittelpunkt. Teils unerwünschte Teilzeitarbeit auf der einen und zu viele Überstunden auf der anderen Seite verursachen zunehmend Druck und Stress. Aber auch die unterschiedliche Bewertung von beispielsweise technischer und sozialer Arbeit werden wir thematisieren“, schildert die Tiroler Frauenvorsitzende Selma Yildirim.

Dazu laden die SPÖ-Frauen in ganz Österreich zum Dialog ein. Bei Straßenaktionen, Veranstaltungen und regionalen Dialogforen werden Ideen und Forderungen gesammelt und diskutiert. Das Ergebnis des Diskussionsprozesses wird bei der SPÖ-Bundesfrauenkonferenz im Herbst präsentiert und beschlossen. „Wir wollen, dass die soziale Sicherheit auch in Zukunft gewährleistet ist“, so Yildirim.

Die Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern sind in Österreich nach wie vor groß. Im EU-Vergleich liegt Österreich vor Estland an vorletzter Stelle. 2014 betrug der Unterschied 22,9%. Im Bundesländervergleich ist Tirol nach wie vor an drittletzter Stelle. Nur Oberösterreich und Vorarlberg sind noch schlechter.

Zwei Drittel der unbezahlten Arbeit werden immer noch von Frauen geleistet. Ziel ist eine partnerschaftliche Aufteilung der bezahlten und unbezahlten Arbeit. „Der Antrag der Liste Fritz im Landtag ‚Kindererziehungszeiten für Frauen zur Gänze anrechnen!‘ geht dabei in die falsche Richtung“ stellt LA Gabi Schiessling, SP-Frauensprecherin im Landtag klar. Pro Kind sollen volle vier Jahre an Kindererziehungszeit pensionswirksam angerechnet werden. „Dass im Abänderungsantrag Unterstützung von der ÖVP kommt kann ich noch nachvollziehen, bei den Grünen fehlt mir jedes Verständnis, dass sie diese zurück an den Herd-Politik fördern wollen“, wundert sich Schiessling. „So wird Frauen der Wiedereinstieg erschwert, traditionelle Rollenbilder und Altersarmut werden gefördert.“

Trotz ihrer selbst noch jungen Jahre war GRin Victoria Weber schon oft mit Altersarmut bei Frauen konfrontiert. „Die beim Pensionsgipfel in der Vorwoche beschlossene Erhöhung der Ausgleichszulage für Alleinstehende auf 1000,- Euro bei mehr als 30 Beitragsjahren sehe ich daher positiv. Davon profitieren Frauen mit niedrigen Einkommen.“ Für Weber ist aber auch klar, dass weiter an den Ursachen gearbeitet werden muss. „Wenn jemand sein ganzes Leben gearbeitet hat, soll er von der Pension leben können. „Wir setzen uns zum Beispiel weiter für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie ein und warnen Frauen vor zu langen Teilzeit-Phasen“, so Weber.

Teilzeit ist weiblich – Einbußen beim Gehalt und in der Pension
Die Arbeitszeit von Frauen und Männern klafft auseinander. Während Männer mehrheitlich Überstunden leisten, sind immer mehr Frauen teilzeitbeschäftigt. Etwa jede zweite Frau in Österreich arbeitet Teilzeit und nimmt damit Einbußen beim Gehalt und in der Pension in Kauf.

„Teilzeit ist für viele vor allem dann interessant, solange ihre Kinder klein sind. Wir wollen, dass Frauen die Chance haben, aus der Teilzeitfalle wieder herauszukommen“, sind sich die Politikerinnen einig.

Der Umstieg von Teilzeit auf Vollzeit muss daher leichter werden. Jahrelang haben sich die SPÖ-Frauen für ein Informationsrecht für Teilzeitbeschäftigte eingesetzt. 2016 ist dieses in Kraft getreten. Ein wichtiger Schritt dazu.

Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessern
Immer mehr Beschäftigte fühlen sich von ihrer Arbeit überlastet. Ein Viertel aller Beschäftigten arbeitet mehr als 40 Stunden pro Woche, jede/r Zehnte sogar mehr als 45 Stunden (Arbeitsklima-Index 2015). Darunter leiden die gesundheitliche Verfassung und das körperliche Wohlbefinden. Besonders schwierig ist die Situation von Alleinerzieherinnen: Nur 19 Prozent sagen, dass ihnen die Vereinbarkeit von Beruf und Familienleben sehr gut gelinge.

Arbeit neu bewerten und gerecht entlohnen
Ein Teil der Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern rührt daher, dass Frauen, die in „typisch“ weiblichen Berufsfeldern tätig sind, schlechter entlohnt werden. Sozial- und Dienstleistungsberufe werden schlechter dotiert als technische Berufe.

Berufe im Sozialbereich brauchen eine gerechte Entlohnung. Gerade in den Pflegeberufen sind die körperlichen und psychischen Anforderungen und auch die Verantwortung sehr hoch. Es muss Kriterien geben, die der Bezahlung zugrunde liegen, um so die verschiedenen Berufe vergleichen zu können. „Eine gesellschaftspolitische Diskussion zur Neubewertung von Arbeit ist daher notwendig“, so die SPÖ-Frauen.