Julia Kruisz

Beruf: Scientist am Research Center Pharmaceutical Engineering GmbH

In welchem technischen Berufszweig arbeiten Sie?
Chemisch-Pharmazeutische Verfahrenstechnik
Vorher Studium der Elektrotechnik/Biomedizinischen Technik an der TU Graz und nebenbei gearbeitet bei Joanneum Research im Bereich biomedizinische Forschung und später an der Medizinischen Universität Graz als studentische Mitarbeiterin bei der Durchführung von klinischen Studien.

Was fasziniert Sie am meisten an Ihrem Job?
Jeden Tag neue Herausforderungen die nur gemeinsam (interdisziplinär) gelöst werden können. Man hat auch immer den weiterführenden Nutzen der Arbeit im Hinterkopf – was wir entwickeln und verbessern, wird vielen Menschen helfen können, denn wir machen die Medikamentenproduktion schneller, besser, billiger und sicherer.

Was gefällt mir besonders an Technik/Naturwissenschaften (allgemein):
Egal woher jemand kommt, egal mit welchem gesellschaftlichen Hintergrund, egal welche Sprache, er/sie wird die mathematische Beschreibung der Lage verstehen. Es gibt nur 2 „Sprachen“ die diese Art der Verständigung zulassen: Musik und Mathematik, davon ist nur Mathematik eindeutig und die Grundlage für Technik/Naturwissenschaften.

Warum ergreifen Ihrer Meinung nach Frauen so selten technische Berufe? Gibt es Hindernisse oder Stolpersteine?
Hindernisse und Stolpersteine – ja, klar, die Prüfungen auf der Uni sind teilweise echte Stolpersteine. Ich bin auch oft genug gefallen. Es kommt nur darauf an, immer wieder aufzustehen. Meine Studienkollegen waren allerdings mit den komplett identen Stolpersteinen konfrontiert.
Ich habe leider keine Ahnung, warum sich nicht mehr Frauen für technische Berufe begeistern können. Möglicherweise liegt es an einer gewissen Prägung der Gesellschaft, denn es gibt immer noch die Trennung zwischen den klassischen Frauenberufen und eben Männerberufen in vielen Köpfen. Ich kann verstehen, dass Frauen in technischen Berufen, die körperliche Stärke/Kraft fordern, weniger vertreten sind.
Möglicherweise sehen Frauen auch die noch immer bestehende Einkommensdifferenz als Hindernis. Leider verdienen Frauen in vielen Bereichen weniger als Männer – Tatsache. Manchmal ist es auch schwieriger, einen Job zu bekommen, denn gerade mit höherer Ausbildung und damit höherem Einstiegsalter und einer langen Einarbeitungszeit, ist es für viele Betriebe schwierig, die Fachkraft wegen Karenz schnell zu ersetzen. Gerade in der Forschung, die sich so schnell weiterentwickelt, entsteht dann nach der Rückkehr erneut ein Einarbeitungsbedarf.
Ich habe mein Traumstudium bei einer Aktion für „Frauen in die Technik“ der TU Graz gefunden und bin noch immer glücklich mit der Entscheidung. Ich kann euch allen, egal ob Frau oder Mann und egal in welche Richtung euer Berufswunsch geht, nur raten, lasst euch von nichts und niemandem abhalten euren Weg zu verfolgen. Kämpft für eure Ziele. Es gibt nichts schlimmeres, als jeden Tag zur Arbeit zu gehen und sich zu fragen, was wäre, wenn ich etwas anders gemacht hätte.

Wie können wir die Chancen von Frauen in der Technik verbessern?
Chancen von Frauen in der Technik können nur mit gleicher Bezahlung für gleiche Arbeit und solchen Förderungs- und Informationsprogrammen verbessert werden, denn grundsätzlich wird man gleich behandelt. Die größte Hürde liegt bei den meisten im Kopf.