Judith Michael

Beruf: Informatikerin & Wissenschafterin

In welchem technischen Berufszweig arbeitest du?
Ich habe Informatik studiert und einige Zeit als Software Architect und Consultant in Softwareentwicklungsunternehmen gearbeitet. Inzwischen bin ich Wissenschafterin im Fach Informatik an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt und forsche an technischen Lösungen für die Unterstützung von Menschen.

Was fasziniert dich am meisten an deinem Job?
Dass viel Platz für Kreativität in verschiedensten Richtungen ist und man immer wieder auf Neues trifft. Es gibt so viele spannende Projekte, in denen die Themen allein schon faszinieren. Man kann seine Kreativität bei der Gestaltung von graphischen Oberflächen für eine Software ausleben. Selbst das Programmieren lässt viele Freiheiten zu. Es tun sich immer wieder neue Entwicklungen oder spannende Gebiete auf, von denen man ein paar Jahre zuvor vielleicht noch gar keine Vorstellungen hatte. Spannendes Neues kommt auch aus anderen Richtungen: in Projekten haben wir immer wieder mit Themen aus der Psychologie, rechtlichen Fragestellungen, Sozialem, Ethik oder Gesundheit zu tun. Und es macht mir großen Spaß das Erlernte an junge Menschen in Lehrveranstaltungen weiter zu geben und wieder neues Wissen mit ihnen zu erarbeiten.

Warum ergreifen deiner Meinung nach Frauen so selten technische Berufe?
Wenn man, egal ob Mädchen oder Junge, in der Schule in Mathematik Probleme hatte oder es keinen Spaß machte, dann kommt man weniger auf die Idee, einen technischen Beruf zu ergreifen.
Bei Mädchen kommt dann vielleicht noch hinzu, dass man bei technischen Berufen gleich an die klassischen Stereotype denkt, die es nach wie vor in vielen Berufen gibt und man sich vielleicht nicht so weiblich vorkommt, wenn man in eine „Männerdomäne“ will.
Und die Familie und FreundInnen sollten Frauen vermehrt in  der Berufswahl Technik unterstützen und gezielt dazu ermutigen.

Gibt es Hindernisse oder Stolpersteine?
Das größte Hindernis ist man vermutlich selbst. Egal ob man 7×8 nicht ausrechnen kann oder man mal eine schlechte Note in Mathematik hatte, egal ob die Eltern meinen, dass man lieber einen „klassischeren“ Beruf ergreifen soll oder es einem die FreundInnen nicht zutrauen: Macht es! Und wenn man sich für Sprachen, Kulturen, Soziales oder Gesundheit interessiert: vieles davon lässt sich gut mit technischen Berufen kombinieren. Wenn man in einen technischen Beruf will und man von einem Thema begeistert ist, dann sollte man sich von nichts und niemandem davon abhalten lassen.
 

Wie können wir die Chancen von Frauen in der Technik verbessern?
Die Chance von Frauen in der Technik muss man nicht verbessern, die sind gegeben. Man muss die Chancen nur nutzen und einen Beruf in diesem Bereich wählen.
Dafür, dass mehr Frauen sich für technische Bereiche entscheiden, ist noch viel zu tun:
Es wäre ein Einfaches bei Kindern schon im Kindergartenalter das Interesse und die Neugierde für Technische und Naturwissenschaftliche Bereiche zu wecken und zu fördern.
Man sollte den Mathematik Unterricht bereits in der Grundschule grundlegend neu gestalten und die didaktischen Methoden überarbeiten um eventuelle Schwächen aber auch Begabungen von Kindern gezielt zu fördern. Mathematik lernt und versteht nicht jedes Kind gleich.
Ich denke auch, dass die Berufsinformation und das Neugierig machen auf Technik schon früher ansetzen sollte, um Mädchen zu zeigen, wie es in den jeweiligen Berufen aussieht. FriseurInnen und Büro- oder Einzelhandelskauffrauen/-männer sieht man öfter im Leben, da kann man es sich vorstellen, wie es ist in dem Beruf zu arbeiten – wie wenig man in diesen Berufen meist verdient, oder wie schwer es ist dort eine Anstellung zu finden, bekommt man dann vielleicht nicht so sehr mit. Was man in der Informatik, Elektrotechnik oder Telematik macht, das weiß man in den meisten Fällen nur, wenn jemand in der Familie oder im Freundeskreis in dem Beruf arbeitet.