Frauen in Technik

Noch immer arbeiten sehr wenige Frauen in technischen Berufszweigen. Woran liegt das? Was sind die größten Stolpersteine für Mädchen und Frauen?

Wir haben Technikerinnen eingeladen uns einen Einblick in ihr Berufsfeld zu geben und zu sagen, was es ihrer Ansicht nach braucht, um die Chancen von Frauen in der Technik zu verbessern.

Außerdem finden sich in diesem Menüpunkt Zahlen, Daten und Fakten zum Thema Frauen in Technik und dem Aufbrechen von Rollenbildern.

 

Rollenbilder

Starre Rollenbilder prägen noch immer die Berufswahl von Mädchen und Burschen. Je früher wir diese Rollenbilder aufbrechen, umso besser.

Im Bildungsbereich werden derzeit wichtige Schwerpunkte gesetzt:

Gendersensible Pädagogik
Oft werden Mädchen und Buben im Unterricht unterschiedlich behandelt und beurteilt. In der Aus- und Weiterbildung werden LehrerInnen verstärkt dafür sensibilisiert, das eigene Verhalten zu hinterfragen und bekommen Hilfestellung in gendersensibler Pädagogik.
Auf der Pädagogischen Hochschule in Salzburg wurde ein Koordinationszentrum für Diversitätspädagogik eingerichtet und eine Professur für Geschlechterpädagogik geschaffen.

Geschlechtersensible Berufsorientierung
Wichtig ist es, Mädchen und Frauen die Möglichkeiten und Chancen, abseits der traditionellen Lehrberufe zu vermitteln. An den Neuen Mittelschulen wurde die Berufsorientierung bereits als eigenes Fach in den Lehrplan aufgenommen. Auch alle Fort- und Weiterbildungsangebote für SchülerInnen und BildungsberaterInnen an den Pädagogischen Hochschulen beinhalten ein Gender-Diversity-Modul.

Girls Day und Girls Day Mini
Der Girls Day ist ein Aktionstag, mit dessen Hilfe das Interesse von Mädchen für technische Berufsfelder geweckt werden soll. In einer Vielzahl von Unternehmen und Einrichtungen haben Mädchen einen Tag lang die Chance, Einblick in die Berufswelt zu bekommen. 2015 gibt es im Bundesdienst erstmals den Girls Day Mini, der Mädchen bereits am Beginn ihres Bildungsweges, nämlich im Kindergarten, anspricht.
 

Zahlen, Daten und Fakten

Lehre
Mehr als zwei Drittel aller weiblichen Lehrlinge 2014 wurden in den „Top-10“ Lehrberufen ausgebildet. Nach wie vor wählen Mädchen bevorzugt typische „Frauenberufe“. Fast die Hälfte aller weiblichen Lehrlinge werden im Einzelhandel und in den Berufen Bürokauffrau und Friseurin ausgebildet.

Mehr als die Hälfte aller männlichen Lehrlinge 2014 wurden in den „Top-10“ Lehrberufen ausgebildet. Die drei beliebtesten Lehrberufe bei den Burschen sind die Modulberufe (inklusive Vorgängerlehrberufe) Metalltechnik, gefolgt von Elektrotechnik und Kraftfahrzeugtechnik.

Gleichzeitig gibt es zwischen den „klassischen“ Lehrberufen der Burschen und Mädchen bereits signifikante Einkommensunterschiede. Ein Friseurlehrling verdient bereits im ersten Lehrjahr über 150 € im Monat weniger als ein Lehrling in der Eisen- und Metallindustrie, im vierten Lehrjahr ist es bereits fast das Doppelte.

Studium
Seit dem Wintersemester 1999/2000 übersteigt die Zahl der Studentinnen jene der Studenten, derzeit liegt der Frauenanteil unter den Studierenden insgesamt bei etwa 53 Prozent.

Nichtsdestotrotz überwiegt der Frauenanteil am deutlichsten in den Studienrichtungen Veterinärmedizin (80 Prozent), Geisteswissenschaften (71 Prozent) und Bildende und angewandte Kunst (62 Prozent). Technik (76 Prozent) und Montanistik (77 Prozent) studieren vor allem Männer.

Bei den StudienabsolventInnen ergibt sich ein ähnliches Bild: Nur 24 Prozent Frauen schließen derzeit ein technisches Studium ab, während es bei den Geisteswissenschaften 77 Prozent sind.
(Quelle: STATISTIK AUSTRIA, Hochschulstatistik.)
 

Weitere Zahlen und Daten:

  • Frauen haben in vielen Bereichen der Bildung die Männer bereits überholt:
    58,3% der MaturantInnen sind Frauen. Im Studienjahr 2012/13 wurden 58,7% der Studienabschlüsse von Frauen erworbe
  • Große geschlechtsspezifische Unterschiede bestehen allerdings in der Fächerwahl und zwar sowohl was den Schul- als auch den Hochschulbereich betrifft.
  • Wirtschaftsberufliche und sozialberufliche Schulen werden hauptsächlich von Mädchen besucht (wirtschaftsberufliche 87,9%, sozialberufliche 79,9%), während bei den technisch gewerblichen Schulen mit 74,3% Burschen überrepräsentiert sind.
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  • Drei der zehn häufigsten Lehrabschlüsse (Einzelhandel, Bürokaufmann/-kauffrau und Friseur/Friseurin) werden hauptsächlich von Frauen gewählt (Frauenanteile zwischen 71,3% und 94,0%), während die Lehrberufe Kraftfahrzeugtechnik, Metalltechnik, Maschinenbau und Maurer/Maurerin fast nur von Männern gewählt werden.
  • An den öffentlichen Universitäten belegen Frauen in erster Linie geisteswissenschaftliche Studien, während die Männer in der Mehrzahl technische Studien betreiben. Männliche Domänen sind die Studienrichtungen Maschinenbau, Elektrotechnik und Informatik mit Frauenanteilen von bis zu unter 10%.
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  • Geschlechtstypische Unterschiede bei der Wahl der Berufsausbildung gibt es in ganz Europa. Der Frauenanteil in diesen Bildungsbereichen liegt in Österreich, wie auch in den meisten zentral- und nordeuropäischen Ländern unter 10%; lediglich in osteuropäischen Ländern ist die Frauenquote in diesem Bereich höher; in Rumänien beträgt sie beispielsweise fast 50%. (Quelle: Österreichische Gesellschaft für Europapolitik)
    Quelle: Statistik Austria