SPÖ-Frauen kritisieren Tiroler Vereinbarkeits-Lüge

Yildirim: „Ganztägige, ganzjährige Kinderbetreuung hat in Tirol immer noch Seltenheitswert“

„Landesrätin Palfrader redet immer von Vereinbarkeit und Familienfreundlichkeit. Mit der Realität hat das aber nichts zu tun. Einen Kinderbetreuungsplatz zu finden, der mit Berufstätigkeit kompatibel ist, ist im Heiligen Land Tirol vielfach unmöglich“, so die Tiroler SPÖ-Frauenvorsitzende Selma Yildirim.

Der Bund stellt für den Ausbau Millionen an Fördermitteln zur Verfügung. „Tirol hat im Vorjahr die Mittel zwar abgeholt, aber nur einen Bruchteil – nämlich 1.282.000,- Euro – im Sinne der 15a-Vereinbarung verwendet. Der Rest wurde auf 2015 übertragen.“ Für 2015 wird sich erst mit der Abrechnung Mitte 2016 zeigen, in welcher Höhe die Mittel widmungsgemäß verwendet wurden.

Für Yildirim ist es wenig verwunderlich, dass nur knapp 10% der Mütter von Kindergartenkindern Vollzeit arbeiten, wenn Kindergärten in Tirol durchschnittlich an 44 Tagen geschlossen haben und 75% schon vor 16.30 Uhr zusperren. Das geht sich mit einem Vollzeitjob leider nicht aus. Besondere Armutsgefährdung Alleinerziehender und älterer Frauen sind die Folge.

Nicht einmal ein Drittel der 3- bis 5-jährigen Kinder in Tirol, die eine Kinderbetreuungseinrichtung besuchen, sind in VIF-konformer Betreuung. VIF bedeutet Öffnungszeiten von zumindest 47 Wochen im Jahr, 45 Stunden pro Woche werktags von Montag bis Freitag, an vier Tagen 9,5 Stunden, mit Mittagessen.

Dass Gelder für VIF-Plätze im Jahr 2014 von den Erhaltern nicht abgeholt wurden, bestätigt wieder einmal die SPÖ-Forderung, die Bedarfserhebungen sofort abzuschaffen und einen Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz für Kinder ab einem Jahr einzuführen.

Im Tiroler Kinderbildungs- und –betreuungsgesetz sind ganztägige und ganzjährige Betreuungsplätze in den Gemeinden verankert. Daran war die SPÖ als treibende Kraft beteiligt. Die Umsetzung geht zu langsam. Bei Nichterfüllung ist den Eltern ein Schadenersatz zuzusprechen.

„Gute Kinderbetreuungseinrichtungen sind ein Standortvorteil für Gemeinden und sorgen dafür, dass gut ausgebildete Frauen bzw. junge Familien dort bleiben bzw. sich ansiedeln. Sie wirken also aktiv der Landflucht entgegen“, so Yildirim.

 

Foto: SPÖ Tirol/Hitthaler