Renner/Schmidt: Equal Pay Day 2015 – „Lohnschere einschmelzen“

SPÖ-Frauen rücken technische und frauenuntypische Berufe in den Fokus

Der Equal Pay Day ist jener Tag, ab dem Frauen – statistisch gesehen – bis zum Jahresende "gratis" arbeiten, während Männer für ihre Arbeit weiter bezahlt werden. Die Berechnung basiert auf den ganzjährigen Brutto-Bezügen der Vollzeitbeschäftigten. Der bundesweite Equal Pay Day ist heuer der 11. Oktober, in Niederösterreich ist es der 8. Oktober – gegenüber dem Vorjahr konnte eine Verbesserung von zwei Tagen erreicht werden. Der durchschnittliche Einkommensunterschied zwischen Männern (49.618 Euro jährliches Bruttogehalt) und Frauen (38.139 Euro jährliches Bruttogehalt) liegt bei 23,1 Prozent.

Die Berufswahl ist ein wesentlicher Faktor, um die Chancen von Frauen zu verbessern. Darauf machten die SPÖNÖ-Frauen mit ihrer Landesfrauenvorsitzenden Elvira Schmidt und Landeshauptmann-Stellvertreterin Mag. Karin Renner heute in einer Pressekonferenz anlässlich unter dem Motto "Lohnschere einschmelzen" aufmerksam: "Mädchen und Frauen sollen umfassend informiert werden, damit sie sich ein gutes Bild von den Verdienstmöglichkeiten und von der Fülle an Ausbildungs- und Berufswegen machen", so Schmidt.

Vor dem Hintergrund der Schwierigkeiten, die Jugendliche beim Einstieg in einen nicht-traditionellen Beruf oft haben, ist ein breites Unterstützungsangebot notwendig. "Die jungen Menschen dürfen sich nicht davon abschrecken lassen, dass sie sich in der Ausbildung und im künftigen Erwerbsleben oft als ‚ExotInnen‘ durchsetzen müssen. Junge Frauen dringen mit einer solchen Entscheidung in eine ‚Männerwelt‘ vor, in der sie nicht nur mit Vorurteilen zu kämpfen haben, sondern auch die Furcht vor sexistischen Abwertungen nicht unbegründet ist. Eine nichttraditionelle Berufswahl ist also nicht nur eine Frage des Interesses, sondern verlangt jungen Frauen und Männern außerdem einiges an Überzeugung und Selbstvertrauen ab", ist Schmidt überzeugt: "Eine bedeutende Rolle in der Berufswahl spielen vor allem das familiäre und soziale Umfeld, die Schule sowie das Einstellungsverhalten von Unternehmen. Ein besonderes Augenmerk muss demnach auf Kooperation und Beratung von Unternehmen zu einer diesbezüglichen Bewusstseinsbildung liegen."

"Wenn es uns gelingt, den Frauenanteil in technischen und frauenuntypischen Berufen zu erhöhen, kommen wir unserem Ziel, die Lohnungleichheiten zu beheben, deutlich näher. Darüber hinaus müssen wir an vielen Schrauben drehen, um die Einkommensgerechtigkeit zu erhöhen: Dazu zählen Transparenz bei den Gehältern, verpflichtende Aktionspläne auf Basis der Einkommensberichte, Quoten in der Privatwirtschaft, Anreize für Väterkarenz, eine Neubewertung von Arbeit in Hinblick auf frauen- und männeruntypische Branchen und ein rascher Ausbau der flächendeckenden Kinderbetreuung und der Ganztagesschulen", sagt Landeshauptmann-Stv.in Renner.

Gute Chancen bieten technische und naturwissenschaftliche Berufe: Adelheid Schoberberger (50) aus Haag ist bereits längerem im Metallbereich bei der Firma Forster beschäftigt. Seit zwei Jahren macht sie berufsbegleitend im BFI eine Lehre für Metall- und Werkzeugbau. Die Schule hat sie bereits mit einem sehr guten Zeugnis beendet – im Oktober kommt noch das Fachgespräch und Herstellen eines Werkstückes hinzu, dann hat sie ihren GesellInnenbrief in der Tasche. "Mit komplexen Maschinen und Geräten zu arbeiten, hat mich schon immer fasziniert. Leider war es in meiner Jugend kein Thema, dass auch Frauen technische Berufe ergreifen können. Als sich die Gelegenheit vor zwei Jahren ergab, sagte ich sofort ‚Ja‘. Große Unterstützung habe ich dabei von meinen KollegInnen und der Firmenleitung erfahren. Viele bewundern mich für meinen Schritt, im zweiten Ausbildungsweg meinen Traumberuf zu lernen." Auch die Firmenleitung habe sie bestärkt, mit dem Versprechen, als Facharbeiterin beschäftigt zu werden, wenn sie ihre Ausbildung abschließt. "Vielleicht kann ich für Mädchen und Frauen Vorbild sein, damit sie bei der Berufswahl einen anderen Weg als den ‚mainstream‘ einschlagen." Geholfen habe ihr auch die Frauenakademie der SPÖ-Niederösterreich, sagt Schoberberger: "Mit mehr Selbstbewusstsein und Vertrauen in meine Fähigkeiten hatte ich den Mut, meinen Lebenstraum – die Ausbildung als Facharbeiterin im Metall- und Werkzeugbau – anzugehen! Selbstverständlich kann ich mir nun auch den einen oder anderen Wunsch zusätzlich erfüllen, denn auch finanziell hat die Berufsausbildung Vorteile!" so Adelheid Schoberberger.

Renner sei überzeugt davon, dass die Vorurteile gegenüber Frauen in technischen Berufen noch immer sehr hoch sind, aber auch die technischen Begabungen von Mädchen zu wenig gefördert werden: "Was macht eine Maschinenbautechnikerin, eine Geoinformatikerin, eine Prozessleittechnikerin genau? Berufsinformation hat nur dann einen Sinn, wenn sie lebensnah und praktisch ist und weibliche Vorbilder nutzt. Mit einem verpflichtenden Unterrichtsfach "Berufsorientierung" in allen Schulzweigen sollen traditionelle Geschlechterleitbilder aufgebrochen werden und das Selbstvertrauen von Mädchen in naturwissenschaftlichen und technischen Fähigkeiten gestärkt werden."