Bures bei Rieder Messe: „Solidarität“ soll Wort des Jahres werden

Die Nationalratspräsidentin eröffnet in Vertretung des Bundespräsidenten die Landwirtschaftsmesse

Nationalratspräsidentin Doris Bures eröffnete heute in Vertretung von Bundespräsident Heinz Fischer die Rieder Messe, deren besonderen Stellenwert sie für die österreichische Landwirtschaft hervorhob. Gerade wenn man im Ausland sei, werde einem wieder bewusst, von welch hoher Qualität die Produkte der heimischen Bäuerinnen und Bauern sind, sagte Bures.

Die Nationalratspräsidentin nahm daher auch die Gelegenheit wahr, kritische Worte zu TTIP zu finden und forderte Ehrlichkeit und Transparenz bei den Verhandlungen ein. Ein solches Handelsabkommen sei ein schwieriger, aber notwendiger Balanceakt, so Bures. Es dürfe sich nicht nur an den Interessen von Großkonzernen orientieren, sondern müsse Vorteile für alle bringen, den Wirtschaftsreibenden, der heimischen Industrie, den Bäuerinnen und Bauern, den ArbeitnehmerInnen und den KonsumentInnen – kurz für Europa und für die USA, forderte Bures. Gleichzeitig brauche aber eine kleine exportorientierte offene Volkswirtschaft wie Österreich Wachstums- und Beschäftigungsimpulse. Wichtig und notwendig sei auch, dass bei einer Einigung die nationalen Parlamente einzeln über TTIP abstimmen können, hielt die Nationalratspräsidentin dezidiert fest.

Bures: Österreich und seine BürgerInnen werden Herausforderungen meistern
Aus aktuellem Anlass ging die Nationalratspräsidentin auch auf den Flüchtlingsstrom ein und hob abermals die große Hilfsbereitschaft der österreichischen Bevölkerung gegenüber den Flüchtlingen hervor. Bures: "Das macht mich als Bürgerin und Nationalratspräsidentin stolz auf Österreich." Österreich habe in diesen Tagen seinem Ruf, ein menschliches und soziales Land zu sein, alle Ehre gemacht. Österreich solle Vorbild für ganz Europa sein, sagte Bures.

Die Nationalratspräsidentin zeigte sich zuversichtlich, dass es gelingen werde, auch in Europa immer mehr Länder von einem solidarischen und menschlichen Umgang mit Kriegsflüchtlingen zu überzeugen, und stellte dazu fest: "Es geht nicht um die Verteilung von Lasten, sondern um solidarisch geteilte Verantwortung." Sie regte auch an, das Wort "Solidarität" zum Wort des Jahres 2015 zu wählen. "Solidarität ist nur ein kleines Wort, das aber Großes bewirken kann – innerhalb einer Familie, einer Gesellschaft und auch über deren Grenzen hinaus", unterstrich Bures.

Sorgen der Menschen um die Zukunft nicht klein reden
Man dürfe aber nicht übersehen, dass die aktuellen Entwicklungen vielen Menschen Sorge bereiten, äußerte die Nationalratspräsidentin Verständnis für jene, die wenig Zuversicht verspüren: "Die Zukunft scheint nicht mehr so sicher, wie wir das in Österreich lange gewohnt waren. Was vor allem neu ist, das ist die Überlagerung und Parallelität unterschiedlicher Krisen – Finanz- und Wirtschaftskrise, Syrien, Irak, IS-Terror, die Flüchtlingswelle, der eingefrorene Konflikt in der Ost-Ukraine, Griechenland und vieles mehr. Diese Dauerspannung fordert uns alle massiv heraus und verlangt wohl auch nach neuem Denken, neuer Flexibilität und neuen Lösungen. Diese Sorgen können und dürfen nicht klein geredet werden", sagte Bures und brachte gleichzeitig ihre "ehrliche Zuversicht" zum Ausdruck, dass Österreich und seine BürgerInnen die Herausforderungen meistern werden.
 

Foto: Parlamentsdirektion/SIMONIS