Frauen Mut zu technischen Berufen machen

Yildirim / Wurm: „Bildungs- und Ausbildungsentscheidungen unabhängig von Geschlechter- und Rollenbildern treffen“
 
Ausbildungen in technischen Berufen erhöhen die Möglichkeiten für Frauen am Arbeitsmarkt. „Frauen sollen den Mut haben, sich von traditionellen Berufs- und Rollenbildern zu lösen. Ein solcher Schritt trägt wesentlich zur Gleichberechtigung und Chancengleichheit bei“, ist Selma Yildirim, Frauenvorsitzende der SPÖ Tirol, überzeugt.
In technischen und naturwissenschaftlichen Berufen kann regelmäßig auch ein höheres Einkommen erzielt werden. Schon in der Lehre gibt es große Gehaltsunterschiede zwischen bevorzugt von Burschen und überwiegend von Mädchen gewählten Ausbildungen. Friseurlehrlinge verdienen im ersten Lehrjahr über 150,- Euro im Monat weniger als Lehrlinge in der Eisen- und Metallindustrie; im vierten Lehrjahr ist es bereits fast das Doppelte.

„Aufklärung und Sensibilisierung zum Thema Berufswahl und Auswirkungen auf die Zukunft sind hier ganz wichtig. Rund die Hälfte der weiblichen Lehrlinge wählt Einzelhandelskauffrau, Bürokauffrau oder Friseurin als Beruf. Die Burschen bevorzugen Metall-, Elektro- und Kraftfahrzeugtechnik und haben damit ein wesentlich breiteres Spektrum an Möglichkeiten“, so Yildirim.

„Frauen können Technik und sie bewähren sich in untypischen Berufen bestens, wenn sie den Schritt wagen. Umgekehrt gilt das auch für Burschen in von Frauen dominierten Berufsfeldern. Wir müssen daher Unterstützung anbieten, damit junge Menschen sich frei entscheiden und ihr volles Potential entfalten können. Gleichzeitig müssen wir über die Neubewertung von Arbeit diskutieren, denn die großen Lohnunterschiede zwischen der Arbeit an Maschinen und jener mit Menschen sind nicht einzusehen“, stellt NRin Gisela Wurm, Frauensprecherin der SPÖ, klar.

Silvia Nagele ist Schlosserin, arbeitet an der CNC-Drehmaschine und ist Frauenvorsitzende der FSG. Melanie Ebster, Landesjugendvorsitzende der PRO-GE Tirol, hat mit Maschinenbau- und Betriebselektrik gleich zwei technische Berufe erlernt und bereitet sich nun auf die Matura vor. Zwei Rolemodels, die in Männerdomänen ihre Frau stehen.
„Die Scheu vor Mathematik ist es oft, die Frauen von technischen Berufen abhält. Die müssen wir ihnen nehmen“, berichtet Silvia Nagele von ihren Erfahrungen. Ein OECD-Bericht vom März 2015 bestätigt das. Mädchen haben weniger Selbstvertrauen in ihre mathematischen Fähigkeiten und höhere Versagensängste.
Eine bessere Aufklärung über die Berufsbilder in der Technik wünscht sich Melanie Ebster: „Es gibt in jedem Beruf Hindernisse, die es zu bewältigen gilt. Darüber sollte aber nicht das Geschlecht entscheiden. Die Kategorisierung in Frauen- bzw. Männerberufe muss abgebaut werden.“
 
ZAHLEN, DATEN, FAKTEN, FORDERUNGEN:
Frauen haben in vielen Bereichen der Bildung die Männer bereits überholt: 58,3% der MaturantInnen sind Frauen. Im Studienjahr 2012/13 wurden 58,7% der Studienabschlüsse von Frauen erworben.

Bei der Fächerwahl gibt es große geschlechtsspezifische Unterschiede: Wirtschaftsberufliche und sozialberufliche Schulen werden hauptsächlich von Mädchen besucht (wirtschaftsberufliche 87,9%, sozialberufliche 79,9%), während bei den technisch gewerblichen Schulen mit 74,3% Burschen überrepräsentiert sind.
Der Frauenanteil der Studierenden liegt bei ca. 53 Prozent. Nur 24 Prozent Frauen schließen derzeit ein technisches Studium ab, bei den Geisteswissenschaften sind es 77 Prozent.

Bei der Berufsorientierung und Bildungsberatung der Schülerinnen und Schüler ist eine geschlechtersensible Vorgehensweise wichtig. Kinder und Jugendliche sollen eine breite Palette an Wahlmöglichkeiten haben.
LehrerInnen soll bei Aus- und Weiterbildung verstärkt dafür sensibilisiert werden, bei der Vermittlung der Lehrinhalte und bei der Beurteilung der Schüler/innen Geschlechterstereotypen gezielt entgegenzuwirken und das eigene Verhalten im Unterricht zu hinterfragen.
 
Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek hat dazu die Initiative „meine Technik“ gestartet. Infos dazu unter www.meine-technik.at
Die SPÖ-Frauen setzen ebenfalls einen Schwerpunkt zu Frauen und Technik: http://www.frauen.spoe.at/frauen-technik
Der Gehaltsrechner gibt Einblick, ob ihr Gehalt fair ist, zudem können verschiedene Branchen verglichen werden: http://www.gehaltsrechner.gv.at/. Ein Beispiel: Mit 19 Jahren und angenommenen „gleichen“ Voraussetzungen verdient man in Tirol im Bereich „Erbringung von sonstigen überwiegend persönlichen Dienstleistungen“ (Friseurin) 1053,- Euro, in „Metallerzeugung und -bearbeitung“ dagegen 2048,- Euro brutto.
 

Foto: SPÖ/Julia Hitthaler