Hundstorfer und Heinisch-Hosek präsentieren das Projekt Mütterschule gegen Radikalisierung

Entscheidend ist, die Jugendlichen bereits vor der Rekrutierung zu erreichen

Die Anschläge in Paris und in Kopenhagen haben gezeigt, wie aktuell das Thema der Radikalisierung von Jugendlichen und deren Rekrutierung für den Dschihad ist. Mit Mütterschulen will man dem auch in Österreich entgegenhalten. Das von dem Verein "Frauen ohne Grenzen" getragene Projekt wird vom Sozialministerium und vom Bildungs- und Frauenministerium unterstützt. "Es ist klar, dass der Fokus auf Prävention und Aufklärung liegen muss", betonte Sozialminister Rudolf Hundstorfer am Montag in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bildungs- und Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek, Edit Schlaffer von "Frauen ohne Grenzen" sowie Betroffenen und Aktivistinnen aus Kaschmir und Pakistan.

Es sei entscheidend, die Jugendlichen bereits vor der Rekrutierung zu erreichen, sind sich die TeilnehmerInnen der Pressekonferenz einig. Eine bedeutende Rolle spielen hier die Mütter, aber auch Väter signalisieren laut Edit Schlaffer von "Frauen ohne Grenzen" bereits Interesse. Um sich dem Phänomen der Radikalisierung entgegenzustellen, müsse man gemeinsam vorgehen – "gemeinsam mit der Zivilgesellschaft, mit engagierten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, den betroffenen Frauen, die etwas zu sagen haben", betonte Heinisch-Hosek.

"Es geht darum, der Radikalisierung gegenzusteuern. Gegensteuern, einerseits durch diverse Integrationsmaßnahmen, aber auch was den Zugang zu Gesellschaft, zu Teilhabe und Arbeitsmarkt betrifft", erklärte Hundstorfer. Besonders am Herzen liegt dem Arbeits- und Sozialminister hier das Finalisieren von Schul- und Ausbildungsabschlüssen. In dem Zusammenhang erinnerte Hundstorfer auch an die Regierungsvereinbarung, die Ausbildungsverpflichtung bis zum 18. Lebensjahr weiter zu entwickeln.

Heinisch-Hosek verwies auf die einschlägigen Weiterbildungsmaßnahmen für PädagogInnen in diesem Bereich. "2013 und 2014 waren es je 30.000 Pädagoginnen und Pädagogen, die sich hierzu weitergebildet haben – für Prävention, gegen Radikalisierung", sagte Heinisch-Hosek.

Die Bildungs- und Frauenministerin erinnerte auch an die morgen stattfindende bereits dritte Fachkonferenz, bei der es um einen Austausch von Bildungsministerium und Innenministerium in Sachen Prävention geht. "Wir versuchen, im Bildungsbereich an allen Ecken und Enden anzusetzen. Zum einen bei den Pädagoginnen und Pädagogen selber, bei den Studierenden, bei den Präventionsbeamtinnen und -Beamten und bei den Schülerinnen und Schülern an den Schulen direkt, wo Workshops von NGOs angeboten werden", erklärte Heinisch-Hosek.

Die Ministerin führte in dem Zusammenhang auch an, dass die SchulpsychologInnen an den Schulen extra auch für diese Problematik geschult sind. Nicht unerwähnt blieb auch, dass die vier Ressorts Bildungs- und Frauenministerium, Innenministerium, Familienministerium und das Integrationsministerium bei der "Beratungsstelle Extremismus" und der damit verbundenen Hotline zusammenarbeiten.

Edit Schlaffer betonte, dass Radikalisierung viel mit "einer Schieflage in unserer Gesellschaft" zu tun habe. Jugendliche, die verletzbar sind, die nicht Fuß fassen konnten, die nicht integriert worden sind in den Arbeitsmarkt sind gefährdet. "Das betrifft all jene jungen Menschen, an denen die Chancen, die unser Staat ihnen bietet, vorbeigehen", sagte Schlaffer. Diese Jugendlichen folgen dann in ihrem Protest diesen Botschaften der Radikalen, ohne viel nachzudenken. Daher solle ein institutionalisierter Raum für das Nachdenken geschaffen werden. "Die erste Abwehrfront ist zuhause", betonte Schlaffer.

Das Sozialministerium hat in den letzten Jahren bereits mehrere Mütterschulen-Projekte in den Ländern Kaschmir, Indien, Sansibar, Pakistan, Indonesien und Tadschikistan unterstützt. Die Qualität des Ansatzes von "Frauen ohne Grenzen" zur Einbindung der Mütter und Frauen bei der Prävention und Bekämpfung von Gewalt und Radikalisierung zeigt auch die Einladung von Edith Schlaffer – als einziger österreichischer Teilnehmerin – von US-Präsident Obama und US-Außenminister John Kerry zum "White House Summit to Counter Violent Extremism" am 18./19. Februar 2015 in Washington.
 

Foto: BKA/Regina Aigner