Oberhauser und Hundstorfer starten Demenz-Initiative „Gut leben mit Demenz“

Neuer Demenzbericht dient als Grundlage für die Entwicklung der österreichischen Demenzstrategie

Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser und Sozialminister Rudolf Hundstorfer haben heute, Mittwoch, die Auftaktveranstaltung "Gut leben mit Demenz" zur Entwicklung einer Demenzstrategie eröffnet. Ausgangsbasis dafür ist der aktuelle Demenzbericht, der im Rahmen der vom Gesundheits- und Sozialministerium organisierten ExpertInnenveranstaltung in der Wiener Urania erstmals präsentiert wurde.

Rund 1,2 Prozent der Bevölkerung in Österreich leidet an Demenz. Aufgrund des kontinuierlichen Altersanstiegs in der Bevölkerung wird sich diese Anzahl bis zum Jahr 2050 verdoppeln, denn das Risiko an Demenz zu erkranken steigt mit dem Alter an. Demenz gilt bis heute als unheilbar. Die Versorgung von Menschen mit Demenz stellt somit eine der größten zukünftigen Herausforderungen für unsere Gesellschaft dar. Die Bundesregierung hat deshalb in ihrem aktuellen Regierungsprogramm die Erarbeitung einer Demenzstrategie verankert, in deren Rahmen Empfehlungen für eine notwendige öffentliche Bewusstseinsbildung, Versorgungsstrukturen, Prävention und Früherkennung sowie Schulung und Unterstützung von pflegenden Angehörigen erarbeitet werden sollen.

Als erster Schritt wurde der vorliegende Demenzbericht 2014 im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit, in Zusammenarbeit mit dem Sozialministerium und einer interdisziplinären und multiprofessionellen ExpertInnengruppe von der Gesundheit Österreich GmbH erstellt. Er liefert eine umfassende Bestandsaufnahme der Versorgungssituation und kompakte epidemiologische Aussagen zur Häufigkeit von Demenz in Österreich. Der Demenzbericht befasst sich mit Gender- und rechtlichen Aspekten sowie mit zukünftigen Herausforderungen.

Häufig negieren Betroffene und ihre Angehörigen die ersten Zeichen einer Demenzerkrankung. Die Angst vor Stigmatisierung und Einschränkungen im Alltag sind einfach zu groß. Dabei kann eine frühzeitige Abklärung und entsprechende Behandlung die Pflegebedürftigkeit verzögern. "An Demenz zu erkranken darf kein gesellschaftliches Stigma sein und zu sozialer Ausgrenzung führen", betont Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser. "Mit einer nationalen Demenzstrategie wollen wir das Thema Demenz enttabuisieren, für Aufklärung sorgen und die Früherkennung fördern", so Oberhauser weiter.

Zwtl.: Hundstorfer: Pflegende Angehörige brauchen besondere Aufmerksamkeit und Unterstützung

Leben mit Demenz im eigenen Zuhause ist nicht nur der Wunsch der meisten betroffenen Personen, sondern kann auch helfen, den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen. Von Demenz ist das gesamte System Familie betroffen. Sozialminister Rudolf Hundstorfer verweist daher auf die Bedeutung der Angehörigen bei der Pflege demenziell erkrankter Menschen: "Ganz besonders wichtig ist mir, besonderes Augenmerk auf die Angehörigen zu legen, zumal der größte Teil der demenziell erkrankten Menschen zu Hause in unterschiedlichen Pflegesettings versorgt wird. Diese Betreuung zuhause ist auch wichtig, denn nach Expertenmeinungen bleibt die Eigenständigkeit bei dieser Form der Betreuung am längsten erhalten. Das Fehlen einer Betreuungsperson stellt einen Hauptvorhersagefaktor für einen frühen Übergang in eine stationäre Pflegeeinrichtung dar. Von Seiten des Sozialministeriums gibt es für Menschen mit Demenz und deren Angehörige eine breite Palette an Unterstützungsmaßnahme. Ich verweise hier auf den Erschwerniszuschlag beim Pflegegeld, die finanzielle Unterstützung für eine Ersatzpflege, die Förderung der 24 Stunden Betreuung, die Pflegekarenz und die sozialversicherungsrechtliche Absicherung pflegender Angehöriger", so der Sozialminister.

"Wir wissen, dass in den kommenden Jahren immer weniger Angehörige für die Betreuung zur Verfügung stehen werden. Gründe dafür sind zum Beispiel die sinkende Anzahl von Kindern, die steigende Erwerbsquote bei Frauen oder eine längere Lebensarbeitszeit. Unser Ziel ist es, mit der nationalen Demenzstrategie die bestmögliche und eine für alle Beteiligten zufriedenstellende Versorgung in Österreich sicher zu stellen", hält Gesundheitsministerin Oberhauser fest.

Auf Bundesebene ist in Österreich das Gesundheitsministerium für die Aspekte der Krankenversorgung und Prävention bei Demenz zuständig. Langzeitbetreuung und -pflege von Menschen mit Demenz liegen im Kompetenzbereich der Bundesländer. Geldleistungen für Langzeitpflege wie Pflegegeld und Pflegefonds fallen in die Zuständigkeit des Sozialministeriums. In der Versorgung der an Demenz erkrankten Menschen tragen auch die Bundesländer sowie die Sozialversicherung große Verantwortung. Eine österreichweite Strategie soll daher auch der Vielzahl der AkteurInnen als gemeinsame Richtschnur und Leitlinie dienen.
 

Foto: Parlamentsdirektion/SIMONIS