Bures: Kein Platz für Rassismus, Antisemitismus und Intoleranz

Nationalratspräsidentin eröffnet Gedenkveranstaltung zum Internationalen Holocaust-Gedenktag mit Ari Rath

Die Erinnerung an den Holocaust habe eine große Bedeutung für das heutige Österreich, betonte Nationalratspräsidentin Doris Bures in ihrer Eröffnungsrede zur Gedenkfeier aus Anlass des Internationalen Holocaust-Gedenktages. Das österreichische Parlament gedenkt damit der Befreiung des nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz bereits zum vierten Mal. Ari Rath spricht dabei mit Michael Kerbler und Jugendlichen über seine Erfahrungen und die Konsequenzen, die er daraus gezogen hat.

"Die Bilder, die von den Befreierinnen und Befreiern aufgenommen wurden, haben sich in unser europäisches Gedächtnis eingebrannt", sagte Bures. "Die Verbrechen, die mit der Befreiung beendet wurden, bleiben in der europäischen Geschichte unvergessen." Auschwitz sei das Symbol der nationalsozialistischen Genozide, des Mordes an Millionen binnen weniger Jahre, es sei zum Ort geworden, dessen Befreiung heute vor 70 Jahren als Anlass für den Internationalen Holocaustgedenktag der Vereinten Nationen gewählt wurde.

"Es war ein langer Weg, bis Österreich zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der jüngsten Geschichte gefunden hat," gab Bures zu bedenken. Durch die Gedenkveranstaltung soll der Respekt gegenüber den Opfern und den Überlebenden wie auch ihren Nachkommen ausgedrückt werden. Über lange Zeit hinweg sei man all jenen, die sich rechtzeitig durch Emigration in Sicherheit bringen konnten, nicht mit dem gebührenden Respekt begegnet. Das habe sich glücklicherweise geändert, sagte Bures, die ihrer besonderen Freude darüber Ausdruck verlieh, Ari Rath, den in Wien geborenen ehemaligen Chefredakteur der Jerusalem Post, im Parlament begrüßen zu dürfen.

Erinnerungskultur braucht reflektierte Politik und eine wachsame Zivilgesellschaft

Die Nationalratspräsidentin ließ keinen Zweifel daran, wie notwendig es ist, gegen Intoleranz jeglicher Ausprägung aufzutreten. "Wir zeigen unmissverständlich, dass Rassismus, Antisemitismus und Intoleranz keinen Platz in unserer Gesellschaft einnehmen dürfen und werden", unterstrich sie. "Mit aller Kraft müssen wir uns für ein friedliches und respektvolles Miteinander einsetzten. Gemeinsam werden wir verhindern, dass Rassismus, Antisemitismus und Intoleranz wieder unsere Gesellschaften dominieren. Auch, wenn in Zeiten wie diesen, unsere Einstellungen auf eine Probe gestellt werden: wir folgen nicht demagogischen Floskeln, sondern handeln reflektiert und verantwortungsvoll."

Bures hob das Parlament als einen Ort des Gedankenaustausches hervor, als einen Ort, an dem gerade die Jugend gehört werden müsse, und als einen Ort, an dem der Dialog eröffnet und gepflegt werde. Am heutigen Nachmittag bilde es ein Forum für die Stimmen der Erfahrungsgeneration und die Stimmen einer jungen Generation. Dabei werde versucht, sich dem Erinnern, dem Vergeben und dem Vergessen anzunähern. Gleichzeitig gehe es um die schwierige Frage, welche Lehren aus der jüngeren Vergangenheit für das Heute gezogen werden können. "Dies ist kein abschließbarer Prozess und darf auch nicht ausschließlich an Gedenktagen geschehen", hielt Bures fest.

Die Nationalratspräsidentin unterstrich mit Nachdruck die Notwendigkeit einer gelebten Erinnerungskultur. Forschungs- und Bildungsprojekte allein seien dafür zu wenig. Vielmehr sei eine reflektierte Politik dafür genauso unverzichtbar wie eine aktive und wachsame Zivilgesellschaft, die aus der Erinnerung heraus unser Land und unsere Gesellschaft gestaltet und bereichert, bekräftigte sie.

Bures wies abschließend darauf hin, dass im Anschluss zur Veranstaltung im Parlament die zivilgesellschaftliche Plattform "Jetzt Zeichen Setzen" eine Gedenkveranstaltung vor dem Weihraum des Äußeren Burgtores am Heldenplatz abhalten wird. Am Hauptplatz der österreichischen Zeitgeschichte setze sie damit ein Zeichen gegen das Vergessen und für ein solidarischen Miteinander.
 

Foto: Parlamentsdirektion/SIMONIS