Bundesfrauenkonferenz Faymann: Vorzeitiges Anheben des Frauenpensionsalters ist zynisch

Wir brauchen keine unmenschlichen Reformen, sondern Reformen des Fortschritts und der Verbesserung

In seiner Begrüßungsrede bei der Bundesfrauenkonferenz im Vorfeld des SPÖ-Bundesparteitags erteilte Bundeskanzler Werner Faymann einer vorzeitigen Anhebung des Frauenpensionsalters eine klare Absage. Der Bundesparteivorsitzende wies darauf hin, dass der Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen in den letzten zwanzig Jahren um nicht einmal zehn Prozentpunkte geschlossen werden konnte und noch immer mehr als zwanzig Prozent betrage. Nach wie vor würden viele Frauen über Fünfzig mit dem Verweis auf ihr Alter keinen Arbeitsplatz bekommen. "Es ist zynisch, wenn man in einer Zeit, wo es viel zu wenige Arbeitsplätze gibt, das Frauenpensionsalter hinaufsetzt."

Faymann wies auf das niedrige Wirtschaftswachstum hin und dass gewisse Spekulanten "in unserer Gesellschaft Nachhaltiges zerstört haben". Auch wenn man besser als andere Staaten durch die Krise gekommen sei, so wäre diese doch noch nicht zu Ende. "Wir müssen uns aus der Krise herausinvestieren", erklärte Faymann. Die Frage der Konsequenzen aus der Krise und die Frage, wie man aus der Krise herauskomme, dürfe "nicht auf den Rücken der Frauen ausgetragen werden".

Man dürfe die Frage des Pensionsantrittsalters nicht "einem Automaten überlassen". Das würden diejenigen fordern, die unter Reform verstehen, dass denjenigen, die es ohnehin schwer haben, etwas weggenommen werden soll. "Reform heißt für mich Verbesserung für die Situation der Frauen in unserer Gesellschaft und nicht Zerstörung von sozialem Zusammenhalt und Menschlichkeit. Wir brauchen keine unmenschlichen Reformen. Wir brauchen Reformen des Fortschritts und der Verbesserung."

Vieles sei getan worden für die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Die Anzahl der Kinderbetreuungsplätze haben zugenommen. Die Vereinbarkeit sei aber "in manchen Regionen Österreichs immer noch überfällig". In dem Zusammenhang plädierte Faymann auch für die Ganztägige Schule mit verschränktem Unterricht.

Auch sprach Faymann in seinen Begrüßungsworten die konservative Mehrheit in der EU an und erklärte, dass "diese Freiheit, die Neoliberale propagieren, eine Unfreiheit der Entscheidung und eine unfaire Gesellschaft hervorbringt, die wir nicht wollen und für die unsere Mütter und Großmütter nicht gekämpft haben. Wir kämpfen lieber gemeinsam für ein sozial gerechtes Österreich, für ein sozial gerechtes Europa".

Auch erwähnte der Bundesparteivorsitzende die konstruktive Zusammenarbeit in Sachen Frauenquote und SPÖ-Parteistatut. Man werde immer, wenn ein Problem auftaucht, das es zu lösen gilt, sich solidarisch zusammensetzen, "ohne Ratgeberinnen und Ratgeber von außen", und ohne Zurufe von jemanden, "der nicht unserer Parteifamilie angehört", dafür bedankte sich Faymann. "Ich kann mich auf euch verlassen und ihr könnt euch auf mich verlassen!"

 

Foto: Daniel Novotny