Heinisch-Hosek: Gewaltschutz ausbauen und Frauen besser informieren

Start der "16 Tage gegen Gewalt" – 25. November bis 10. Dezember

Trotz vielfacher Aufklärungsarbeit wird Gewalt gegen Frauen und Mädchen nach wie vor aus der öffentlichen Diskussion verdrängt und verharmlost. Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek hat daher auch heuer wieder eine Reihe von neuen Maßnahmen gesetzt, um die Öffentlichkeit zu sensibilisieren, Hilfsangebote auszubauen und bekannt zu machen sowie die nationale Kooperation zu verbessern.

"Die aktuellen Zahlen zeigen, wie wichtig es ist, Frauen über das Beratungsangebot zu informieren und ihnen damit Wege aus der Gewalt aufzuzeigen", so Heinisch-Hosek. Obwohl Österreich ein dichtes Netz an Gewaltschutzeinrichtungen hat, sind von Gewalt betroffene Frauen oft ungenügend darüber informiert. Laut einer Studie der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte hat jede 3. Frau in der EU seit ihrem 15. Lebensjahr körperliche und/oder sexuelle Gewalt erfahren, in Österreich ist es jede 5. Frau.

Anlässlich des Starts der "16 Tage gegen Gewalt", informiert Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek über die aktuellen Maßnahmen ihres Ressorts:

Europäische Schutzanordnung Ziel dieser Anordnung ist, dass auf Antrag des Opfers, Maßnahmen zum Schutz vor Gewalt, wie zum Beispiel ein Kontaktverbot, auch bei einem Umzug innerhalb der EU vollstreckt werden können. "Mit dieser Anordnung werden Frauen auch im Ausland besser geschützt, ein wichtiger Schritt für den Ausbau des Gewaltschutzes", so Heinisch-Hosek. Die Schutzanordnung ist auch Teil des Nationalen Aktionsplan (NAP) gegen Gewalt an Frauen, der im Sommer im Ministerrat beschlossen wurde.

Nationaler Aktionsplan zum Schutz von Frauen vor Gewalt Der Nationale Aktionsplan (NAP) wurde von einer Interministeriellen Arbeitsgruppe (IMAG) erstellt, die sich aus Vertreter/innen der sieben fachlich betroffenen Ministerien (Bundesministerium für Inneres, für Justiz, für Familien und Jugend, für Bildung und Frauen, für Gesundheit, für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz sowie für Europa, Integration und Äußeres) zusammensetzt und von der Frauensektion im BMBF geleitet wird. Er wurde am 26. August im Ministerrat beschlossen. Mit diesem NAP setzt Österreich wichtige Forderungen der am 1. August 2014 in Kraft getretenen Istanbulkonvention um. Die Interministerielle Arbeitsgruppe "Schutz von Frauen vor Gewalt" wird als nationales Gremium zur verbesserten österreichweiten Koordination von Maßnahmen im Bereich Gewalt gegen Frauen und Mädchen fortgeführt – unter Einbindung von VertreterInnen aus den Bundesländern und der Zivilgesellschaft.

Kampagne GewaltFreiLeben Die großangelegte Kampagne "GewaltFreiLeben" zur Verhinderung von Gewalt an Frauen und Kindern wird gemeinsam mit dem Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser, der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie und der Bundesjugendvertretung durchgeführt. Mit der Kampagne werden die bundesweite kostenlose Frauenhelpline gegen Gewalt 0800 / 222 555 weiter bekannt gemacht, die Öffentlichkeit zum Thema Gewalt gegen Frauen und Kinder informiert, konkrete Maßnahmen zur Gewaltprävention gesetzt und ProjektpartnerInnen zur Vergrößerung der Reichweite der Kampagne gewonnen.

fem:HELP-App Die kostenlose fem:HELP-App für Android-Handys und iPhones soll Frauen, die sich in einer Notsituation befinden, die Möglichkeit bieten, Hilfseinrichtungen rasch und unkompliziert zu kontaktieren. Die App ermöglicht, sich direkt zur Polizei (auch Gehörlosen-Notruf), der Frauenhelpline und den zahlreichen gewaltspezifischen Hilfseinrichtungen zu verbinden. Gewalterfahrungen können dokumentiert und für Dritte unzugänglich gesichert werden. Zusätzlich bietet die App einen Überblick über die wichtigsten Frauenberatungseinrichtungen in Österreich und die Möglichkeit der direkten Kontaktaufnahme. Neu ist, dass die App auch in englisch, bosnisch-kroatisch-serbisch und türkisch zur Verfügung steht.

K.O.-Tropfen – eine allgegenwärtige Gefahr Frauen und Mädchen sind in den letzten Jahren immer häufiger Opfer von K.O. Tropfen geworden. K.O. Tropfen werden gezielt ins Getränk gemischt, um die so betäubten Opfer anschließend zu vergewaltigen. K.O.-Tropfen sind maximal zwölf Stunden im Urin und sechs Stunden im Blut nachweisbar. Für eine strafrechtliche Verfolgung des Täters ist daher rasches Handeln erforderlich. In einer umfassenden Informationsoffensive der Frauenministerin in Kooperation mit dem Bundesministerium für Inneres – Bundeskriminalamt werden einfache Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln bekannt gemacht.

Orient Express – Beratung und Notwohnung für von Zwangsheirat betroffene Frauen und Mädchen Im Sommer 2013 wurde die Notwohnung für von Zwangsheirat bedrohte oder betroffene (junge) Frauen und Mädchen in Betrieb genommen und in diesem Jahr weiter aufgebaut. Orient Express bietet Beratung, Unterstützung und anonyme Unterbringung für Mädchen und junge Frauen, um vor dieser und anderen Gewaltformen zu schützen.

"Das Frauenministerium wird auch in Zukunft Maßnahmen setzen, um den Gewaltschutz in Österreich auszubauen und zu verbessern. Gewalt darf kein Tabuthema sein, wir müssen Frauen und Mädchen über ihre Rechte und Möglichkeiten informieren und ihnen Wege aus der Gewalt aufzeigen. Denn jede Frau soll selbstbestimmt, unabhängig und frei von Gewalt leben", so die Frauenministerin abschließend.
 

Foto: Astrid Knie