Rede von Gabriele Heinisch-Hosek zu den Trauerfeierlichkeiten für Barbara Prammer

Sehr geehrter Herr Bundespräsident,
sehr geehrter Herr Bundeskanzler,
liebe Familie von Barbara Prammer, liebe Julia, lieber Bertram,
werte Trauergäste

„Über all unserer Arbeit steht immer die feste Überzeugung: Wir wollen das Leben der Frauen besser machen.“ Das sagte Barbara Prammer im Juni 2009 auf der Bundesfrauenkonferenz in Linz. Ich hatte damals die große Ehre von ihr den Vorsitz der Sozialdemokratischen Frauen zu übernehmen.
Hier zu stehen, heißt auf, gemeinsame Jahre zurückblicken zu können, geprägt von Vertrauen und Unterstützung, die mir meine Freundin und Mentorin entgegen gebracht hat. Vertrauen, Freundschaft, Unterstützung und Loyalität, ja, das haben sehr viele Freundinnen, Genossinnen, Weggefährtinnen und Bürgerinnen spüren und erfahren dürfen.

Für mich gilt es heute vor allem die sozialdemokratische Frauenpolitikerin Barbara Prammer zu würdigen. Wissend, dass Demokratiepolitik, Engagement für  Minderheiten und Internationale Politik gleichermaßen das Fundament ihrer Arbeit waren.
Zuhören, beraten, Schicksale und Lebensgeschichten aufnehmen und aktiv Hilfestellung geben, waren Motivation und Antrieb ihrer beruflichen Tätigkeit und all ihres frauenpolitischen Handelns.

Das zeigte sich auf der einen Seite im Ermächtigen von Frauen, im Mut machen, den eigenen Weg zu gehen, aber auch durch aktives Fördern. „Ich habe viel über das wirkliche Leben gelernt“, sagte Barbara Prammer über diese Zeit.

Gemeinsam mit den SPÖ-Frauen hat sich Barbara während ihrer 12 jährigen Vorsitzführung für eine „Zukunft ohne Hürden“ stark gemacht. Eine Zukunft, in der Frauen gleichberechtigt und selbstbestimmt leben können. Gleichberechtigt, das hieß auch, als Frauenorganisation innerhalb unserer Partei, immer wieder Sträuße auszufechten. Ich erinnere mich an unzählige Diskussionen wo es um die Quotenregelung in der SPÖ ging. Beharrlich und konsequent hast du Barbara diesen Weg und viele andere Wege für uns Frauen aufbereitet.

Die Stationen deines Weges können nur gestreift werden.

Als Vorsitzende des Linzer Frauenhauses hat sie unzähligen Frauen geholfen –  Schutz und Unterstützung ermöglicht. In ihrer Zeit als Frauenministerin ist das Gewaltschutzgesetz in Kraft getreten. Erstmals war gesetzlich festgelegt, dass der Täter und nicht das Opfer die Wohnung verlassen muss. Viele neue Gewaltschutzzentren entstanden und eine eigene telefonische Frauenhelpline geht auf ihre Initiative zurück.

Barbara wollte, dass jede Frau die Chance auf eine gute Ausbildung, einen Beruf und ein eigenes Einkommen hat.  Ein Einkommen, von dem sie auch leben kann.
Für Frauen dürfen Kinder und Beruf kein Widerspruch sein. Hürden beseitigen, Vereinbarkeit ermöglichen. Dafür schaffte Barbara Prammer die Basis mit der Kindergartenmilliarde.

Die Feministin Barbara Prammer stellte auch die Weichen für die Verankerung der Gleichstellung von Frauen und Männern in der österreichischen Verfassung.

Als wichtige Förderin und Verfechterin von Frauennetzwerken hat sie einmal gesagt: „Ohne Förderung geht es nicht. Wichtig ist, wenn man eine Förderung bekommen hat, muss man sie weitergeben und eine neue Generation an Frauen mitnehmen“.

Widerstände waren vorprogrammiert, aber auch jeder Schritt vorwärts war ein Erfolg.

Durch die Präsidentin Barbara Prammer wurde dieses hohe Haus ein offener Ort der Begegnung und ein Ort für neue Ideen. Je früher Demokratie gelernt und gelebt wird, desto besser. Ein unverzichtbarer Bestandteil von politischer Bildung ist die heute so erfolgreiche Demokratiewerkstatt.

Liebe Barbara, du hast mir vor vielen Jahren von einer wissenschaftlichen Arbeit im Zuge deines Studiums erzählt. Es ging um das Schicksal von Kindern in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern, schwer zu verkraften, umso prägender. Als überzeugte Antifaschistin hast du dich immer für die Rechte von Minderheiten stark gemacht.

Das Engagement von Barbara Prammer hat auch weit über die Grenzen Österreichs hinaus gewirkt. Viele Jahre war sie Vizepräsidentin der Sozialistischen Fraueninternationale und Europabotschafterin des Afrikanischen Netzwerks gegen weibliche Genitalverstümmelung, um nur zwei Beispiele zu nennen.
Barbara, du warst auch eine wichtige Verbündete für gleichgeschlechtlich liebende Menschen.  Gemeinsam mit dir wurde ein Weg in eine offenere Gesellschaft eingeschlagen.

Viele Frauen und Männer dieses Landes waren Barbara Prammer freundschaftlich verbunden. Uns alle eint, der Respekt vor ihrer Haltung und die Bewunderung ihrer Leistungen. Du warst ein liebenswerter Mensch, und du bist eine große Tochter Österreichs und Europas.
Nicht die Jahre in unserem Leben zählen, sondern das Leben in unseren Jahren.

Barbara, ich bin stolz dich gekannt zu haben.

Rede der Bundesministerin und SPÖ-Frauenvorsitzenden Gabriele Heinisch-Hosek anlässlich der Verabschiedung der verstorbenen Nationalratspräsidentin Barbara Prammer vor dem Parlament in Wien.
09.08.2014
Es gilt das gesprochene Wort.
 

 

Foto: SPÖ/Daniel Novotny