Sprache wirkt bewusstseinsbildend

Yildirim: Das Binnen-I macht Frauen sichtbar

„Rückwärts gerichtete Tendenzen“ ortet Selma Yildirim, Frauenvorsitzende der SPÖ Tirol, in der aktuellen Diskussion um das Binnen-I, mit dem beide Geschlechter in der geschriebenen Sprache angesprochen werden. Und sie warnt davor. „Sprache ist ein sehr mächtiges Instrument der Bewusstseinsbildung. Deshalb ist es nicht egal, ob Frauen darin abgebildet werden oder nicht.“

Die Behauptung mancher Kritiker des Binnen-I, dass die maskulinen Formen ohnehin neutral wären, sind im Deutschen „schlichtweg eine Mär“. Wäre dieses Argument wahr, so müsste es möglich sein, sich zum Beispiel auf das Wort „Lehrer“ mit „sie“ zu beziehen, also etwa so: „Der Lehrer war heute spät dran, sie hatte den Bus versäumt.“ Das geht im Englischen, nicht aber im Deutschen.

Natürlich können Frauen auch mit anderen Mitteln als dem Binnen-I sichtbar gemacht werden, etwa in den Doppelformen „Lehrerinnen und Lehrer“ oder indem auf neutrale Begriffe wie „Team“ statt „Mannschaft“ ausgewichen wird. Untersuchungen an der Universität Innsbruck zeigen jedoch, dass das Binnen-I die stärkste Wirkung hat: Beim Wort „LehrerInnen“ denken mehr Menschen die Lehrerinnen mit als etwa bei der Doppelform.

„Sprache transportiert auch politische Botschaften und ist EIN Aspekt des Gleichbehandlungsprozesses zwischen Frauen und Männern. Deshalb ist es wichtig, in allen Alltagstexten von Behördenschreiben bis Stellenannoncen Frauen mitzunennen, um das Bewusstsein dafür zu schulen, dass sie ein wertvoller Teil unserer Gesellschaft sind“, so Yildirim abschließend.