Schmidt: SPÖ NÖ fordert, Frauen auch in der Sprache sichtbar zu machen

SPÖ NÖ für Beibehaltung von gendergerechten Formulierungen

Das Österreichische Normungsinstitut Austrian Standards präsentierte einen Entwurf für eine Norm zur geschlechtergerechten Sprache: Das Institut schlägt die Streichung des Binnen-I vor, um die Lesbarkeit von Texten zu verbessern. Abgeraten wird auch von der Doppelschreibweise der Arzt/die Ärztin. Gleichzeitig wird vorgeschlagen, durch Generalklauseln zu regeln, dass beispielsweise in einem Dokument die männliche Form für das männliche wie für das weibliche Geschlecht gilt.

"Regulierungswut und ein Zurück-Wollen ins vorige Jahrhundert stehen als Motive für diesen Anachronismus", so SPÖ NÖ Landesgeschäftsführer Robert Laimer: "Seit mehr als 20 Jahren wird das verbindende Binnen-I verwendet. Damit ist Österreich ein Stück moderner und geschlechtsgerechter geworden. Sollten diese reaktionären Kräfte nicht aufhören, unsere Sprache rückwärts modulieren zu wollen, werden wir zu einer Demonstration vor dem Normungsinstitut aufrufen, um vor Ort die notwendigen Botschaften zu übermitteln."

Das Binnen-I sei ein bewusster Akt, um Frauen sichtbar zu machen, erklärt SPÖ NÖ Landesfrauenvorsitzende Elvira Schmidt: "Es macht für mich als Frau einen Unterschied, ob man von Lehrern oder Lehrerinnen spricht, von Ärzten oder Ärztinnen. Aber offenbar stören sich manche daran, dass Frauen in der Sprache vorkommen. Natürlich gibt es wichtigere Herausforderungen zu meistern – etwa das Schließen der Einkommensschere oder die Schaffung von flächendeckenden Kinderbetreuungseinrichtungen, um Familie und Beruf vereinbar zu machen. Aber wer Frauen nicht nennt, ignoriert sie; Sprache formt das Denken und damit die Gesellschaft. Und in einer männerdominierten, konservativen Gesellschaft wird es wenige Veränderungen zugunsten von Frauen geben."

Robert Laimer will "keine Gleichberechtigung in der Gesellschaft, sondern ein gleichberechtigte Gesellschaft": "Dazu gehört für mich auch, den Frauen in der Sprache einen Platz zu geben, ist doch auch die gendersensible Sprache bedeutend für ein gleichberechtigtes Miteinander. Warum setzt sich die geschlechtergerechte Sprache noch immer nicht als Selbstverständlichkeit in unserem Bewusstsein fest? Warum ist es scheinbar übertrieben, wenn die Nennung beider Geschlechter eingemahnt wird?" Sprache sei, so Laimer, ein Produkt historisch-gesellschaftlicher Phänomene, also stelle sie auch die gesellschaftlichen Verhältnisse dar: "Die Schreibweise mit dem Binnen-I ist für mich verbindender als jede andere Schreibweise – deswegen wünsche ich mir auch für die Zukunft entsprechende Formulierungen. Denn Sprache benennt Realitäten, sie schafft dadurch Wertvorstellungen und ordnet Wirklichkeit. Nach Ludwig Wittgenstein sind die Grenzen unserer Sprache die Grenzen unserer Welt. Wir SozialdemokratInnen wollen aber keine begrenzte Welt, sondern über den Tellerrand sehen, um uns und die Gesellschaft weiterzuentwickeln, um nicht stehenzubleiben."

 

Foto: SPÖ NÖ