Heinisch-Hosek: Kein vorzeitiges Anheben des Pensionsantrittsalters von Frauen

Frauenministerin und Arbeiterkammerexpertin skizzieren Problemfelder älterer Arbeitnehmerinnen

"Gerade ältere Arbeitnehmerinnen haben oft große Probleme, auf dem Arbeitsmarkt behalten zu werden oder bei der Jobsuche erfolgreich zu sein. Das Pensionsantrittsalter von Frauen frühzeitig anzuheben, wäre da ein völlig falscher Schritt", betonte Bundesministerin Gabriele Heinisch-Hosek heute, Montag, bei einem Pressegespräch im Frauenministerium. Immerhin wären es rund 315.000 Frauen ab 45 Jahren, die von einer solchen Anhebung betroffen wären.
"Das ist alles andere als ein Nebenschauplatz", unterstrich die Frauenministerin. Die Frauen in Österreich sollten sich darauf verlassen können, dass erst ab 2024 das Pensionsantrittsalter schrittweise an jenes der Männer angeglichen wird.

"Es gibt gute Gründe, warum es undenkbar ist, das Frauenpensionsalter schon jetzt anzuheben. Die Gehaltsschere in Österreich ist nach wie vor riesengroß. Die Anzahl der teilzeitbeschäftigten Frauen ist im EU-Vergleich überdurchschnittlich hoch. Weniger Gehalt bedeutet weniger Pension, somit sind Frauen auch armutsgefährdeter. Frauen erledigen auch noch immer 2/3 der unbezahlten Arbeit und der Pflege von Angehörigen", verwies Heinisch-Hosek auf die Wichtigkeit, immer wieder auf diese eklatanten Nachteile hinzuweisen.

"Unternehmen sind hier besonders gefordert, denn es gibt kein Gesetz, das es Frauen verbietet, über 60 Jahre hinaus einer beruflichen Tätigkeit nachzugehen. Ältere Arbeitnehmerinnen sollten ihr Wissen länger zur Verfügung stellen können. Aber Betriebe empfinden ältere Arbeitnehmerinnen anscheinend oft als zu teuer", so Heinisch-Hosek. Es gäbe bereits Präzedenzfälle wo Frauen ihr Recht, länger als bis 60 arbeiten zu dürfen, durchgesetzt hätten.

Ingrid Moritz, Leiterin der Abteilung Frauen und Familie der Arbeiterkammer Wien, beschreibt die Situation der Frauen am Arbeitsmarkt: "Bei der derzeit angespannten Situation am Arbeitsmarkt stellt die Integration von Frauen ein großes Problem dar. Die Gruppe der 50 bis 59-Jährigen weist 37.000 Frauen auf, die nicht beschäftigt sind und Sozialleistungen beziehen, 105.000 sind weder beschäftigt, noch beziehen sie Transferleistungen. Darunter befindet sich gewiss
ein großer Teil, der gerne arbeiten würde. Durch das Auslaufen der vorzeitigen Alterspension bis 2020 sind bis dahin 50.000 Frauen zusätzlich am Arbeitsmarkt." Angesichts dieser Situation sei es herausfordernd, auch noch weitere Frauen über 60 vorzeitig am Arbeitsmarkt integrieren zu wollen. "Darüber hinaus hat eine Studie gezeigt, dass von rund 290.000 analysierten Betrieben etwa 200.000 keine Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit über 55 Jahren beschäftigen", so Moritz. "Das alleinige Anheben des Pensionsantrittsalters ohne der notwendigen Begleitmaßnahmen würde die Frauen in die Arbeitslosigkeit drängen und somit finanziell schlecht absichern", so Moritz abschließend.

Foto: Regina Aigner/BKA