Heinisch-Hosek fordert „klare Worte des Vizekanzlers“ zum Frauenpensionsalter

AK-Expertin Moritz: "Vorzeitige Anhebung des Frauenpensionsalters wäre große Belastung für den Arbeitsmarkt"

"Klare Worte des Vizekanzlers" hat Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek heute bei einer gemeinsamen PK zum Thema Frauenpensionsantrittsalter mit Ingrid Moritz, Leiterin der Abteilung Frauen und Familie in der Arbeiterkammer (AK) Wien, gefordert. Die Ministerin betonte, dass es "auch arbeitsmarktpolitisch unsinnig ist, dass die ÖVP jetzt daran denkt, das Frauenpensionsalter vorzeitig anzuheben". Die Wirtschaftskrise sei noch nicht vorbei und gerade ältere Arbeitnehmerinnen hätten sehr große Probleme, Arbeit zu finden. "Dass ÖVP-Generalsekretär Rauch zurückgerudert ist, ist zwar schön, zählt aber nicht viel. Es ist wichtig, vom ÖVP-Obmann zu hören, dass er eine vorzeitige Anhebung des Frauenpensionsalters klar ablehnt", betonte Heinisch-Hosek. Dieser hatte gesagt, dass das Frauenpensionsalter bereits ab 2014 angehoben werden soll und das bisher nicht widerrufen.

Für die Frauenministerin ist es zynisch, das Thema Frauenpensionsantrittsalter als "Nebenschauplatz" zu bezeichnen. Die Hälfte der österreichischen Bevölkerung ist weiblich; von einer vorzeitigen Anhebung des Pensionsalters wären 315.000 Frauen ab 45 Jahren betroffen. "Es ist bereits beschlossen, dass das
Frauenpensionsalter zwischen 2024 und 2033 schrittweise an das der Männer angeglichen wird", erinnerte die Ministerin.

Gründe, warum es undenkbar ist, das Frauenpensionsalter vorzeitig anzuheben, gebe es viele: Zum Beispiel die Einkommensschere zwischen Frauen und Männern oder der starke Anstieg der Teilzeitquote von Frauen. Diese sei mit 45 Prozent im EU-Vergleich sehr hoch. "Das bedeutet weniger Einkommen und somit weniger Pension", erklärte Heinisch-Hosek. Die Durchschnittspension eines Mannes beträgt 1.400 Euro, die einer Frau etwas über 800 Euro, Frauen leben öfters an der
Armutsgefährdungsschwelle.

Darüber hinaus werden zwei Drittel der unbezahlten Arbeit immer noch von Frauen erledigt, ebenso die Pflege von Angehörigen. Auch bei der Kinderbetreuung sind Nachteile für die Pension ersichtlich: Männer in Karenz steigen im Schnitt nach drei Monaten wieder ins Arbeitsleben ein, Frauen nach drei Jahren. "Wir können von eklatanten Benachteiligungen sprechen, und ich erinnere daran: Wenn wir jetzt das Frauenpensionsalter anheben, werden noch mehr Frauen in die
Arbeitslosigkeit gedrängt. Schon jetzt gehen 48 Prozent der Frauen aus Krankheit oder Arbeitslosigkeit in die Pension", betonte die Frauenministerin. Zu sagen sei aber auch, dass es kein Gesetz Frauen verbiete, länger als bis 60 zu arbeiten. "Die Unternehmen sind gefordert, das Know-how erfahrener Mitarbeiterinnen länger zu halten und zu nutzen", betonte die Ministerin.

Die Leiterin der Abteilung Frauen und Familie der AK Wien Ingrid Moritz erläuterte, dass es eine große Belastung wäre, in die derzeitige, angespannte Arbeitsmarktsituation zusätzliche Frauen zu integrieren. Von den 50- bis 59-jährigen Frauen sind derzeit 37.000 nicht beschäftigt und beziehen Sozialleistungen, 105.000 sind weder beschäftigt noch beziehen sie eine Transferleistung. Weiters würden die Möglichkeiten einer vorzeitigen Alterspension bis 2020 auslaufen, was bis dahin 50.000 Frauen mehr auf dem Arbeitsmarkt bedeutet. Außerdem zeige eine Studie im Auftrag des AMS unter 290.000 Betrieben
auf, dass 200.000 Betriebe gar keine Menschen mit 55 plus beschäftigen. "Nur das Pensionsalter anzuheben funktioniert nicht, da viele Frauen arbeitslos würden und sich die Versorgung von Frauen verschlechtern würde", betonte Moritz.

SERVICE: Die Presseunterlagen stehen unter http://www.spoe.at/bilder/d283/PU_Frauenpensionsalter_Heinisch-Hosek_Moritz__2013-07-29.pdf zur Verfügung.