Vienna+20-Veranstaltung im Frauenministerium zieht Bilanz über zwanzig Jahre Einsatz für Menschrechte von Frauen

"Vor zwanzig Jahren wurde bei der UN-Menschenrechtskonferenz in Wien erstmals unmissverständlich klargestellt: Frauenrechte sind Menschenrechte. Das war ein Meilenstein für die Durchsetzung der Rechte von Frauen", sagte Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek gestern Abend bei der Eröffnung der Veranstaltung "Vienna+20: Women's rights at stake?! Voices of international women's rights activists" im Wiener Palais Dietrichstein. Die Veranstaltung fand im Rahmen der Wiener Menschrechtskonferenz "Vienna+20" statt und befasste sich im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit den weltweiten Entwicklungen bei Frauenrechten.

"Im Jahr 1993 ist es Johanna Dohnal als Vorsitzender des Frauenrechtskomitees und ihren Mitstreiterinnen gelungen, dass Frauenrechte auf der Wiener UN-Konferenz thematisiert wurden. Gemeinsam mit Frauen aus 33 verschiedenen Ländern, die in Wien ein Frauentribunal organisierten, konnte auf Menschrechtsverletzungen und Gewalt gegen Frauen, auf Unterdrückung und andere Benachteiligungen aufmerksam gemacht werden. Es ist dem außerordentlichen Engagement dieser Aktivistinnen zu verdanken, dass Frauenrechte als Menschrechte anerkannt wurden", erinnerte die Ministerin an den Erfolg im Rahmen der damaligen UN-Konferenz.

Seither sei einiges vorangegangen, wie die Verabschiedung der UN-Deklaration zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen im Jahr 1993 oder die Abhaltung der Weltfrauenkonferenz in Peking 1994. "Im Vorjahr mussten wir leider einen Rückschlag hinnehmen, als es der Frauenstatuskommission nicht gelungen ist, ein Abschlussdokument zu Frauen im ländlichen Raum zu verabschieden. Ein positives Signal gab es dafür heuer, als nach schwierigen Verhandlungen ein Kompromiss erzielt wurde. Trotz der Vorbehalte einiger Länder konnte sich die Kommission schließlich auf ein Dokument zur Prävention von Gewalt gegen Frauen einigen", so Heinisch-Hosek.

Die Ministerin verwies auf die aktuellen Fakten: "Rund 220 Millionen Frauen haben keinen Zugang zu modernen Verhütungsmitteln. Die Haupttodesursache von Mädchen im Alter von 15 bis 19 Jahren in den sogenannten Entwicklungsländern sind Komplikationen während der Schwangerschaft oder Geburt. 80 Prozent dieser Todesfälle wären durch medizinische Fürsorge, Prävention und Aufklärung vermeidbar." Schließlich gäbe es weltweit etwa 775 Millionen Menschen, die nicht lesen und schreiben können, zwei Drittel davon seien Frauen.

Vor diesem Hintergrund warnte Heinisch-Hosek vor Rückschritten: "Wir müssen das Erreichte verteidigen und uns weltweit vernetzen, wenn wir Frauen und Mädchen in allen Regionen der Welt zu gleichen Rechten verhelfen wollen. Die Wirtschaftskrise und ihre Folgen dürfen nicht als eine Ausrede dienen, dass Frauen wieder vermehrt in Arbeitslosigkeit und schlecht bezahlte Jobs abdriften. Die internationale Solidarität ist also mehr denn je gefragt. Gemeinsam sind wir stark und können anderen Frauen besser zur Seite stehen und mithelfen, dass sich ihre Lebenssituation verbessert".

Abschließend dankte die Frauenministerin den Konferenzteilnehmerinnen: "Auch Diskussionen wie die heutige sind ein wichtiger Beitrag zur globalen Vernetzung im Kampf für Frauenrechte." Am Podiumsgespräch beteiligten sich internationale Expertinnen: Charlotte Bunch von der Rudgers University (USA), Rosa Logar von der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie, die Leiterin der Tanzania Media Women Association, Valerie N. Msoka, die Aktivistin Seidy Salas Víquez aus Costa Rica und Wendy Harcourt von der Erasmus Universität.

Organisiert wurde die Veranstaltung "Vienna+20: Women's rights at stake?!" vom entwicklungspolitischen Netzwerk für Frauenrechte (WIDE) und dem Wiener Institut für internationalen Dialog (VIDC) gemeinsam mit dem Frauenministerium.